Deutschlands Landkreise am Limit: Finanznot trifft Nahverkehr, Kliniken und Lebensqualität
Landkreise Finanznot – Vier von fünf Kreisen in der Verlustzone – Deutscher Landkreistag warnt vor Stillstand im ländlichen Raum
Haushaltskrise auf dem Land: 80 % der Kreise im Minus
In Deutschlands Landkreisen spitzt sich die Finanzlage dramatisch zu:
Vier von fünf Kreisen schreiben derzeit rote Zahlen, warnt der Deutsche Landkreistag.
Die Alarmglocken schrillen nicht mehr nur in Einzelfällen – die strukturelle Schieflage hat das ganze Land erfasst.
Nach Angaben des Bundesverbands klafft in den Haushalten der Landkreise ein Milliardenloch, das sich bundesweit auf ein kommunales Defizit von mittlerweile rund 25 Milliarden Euro summiert.
Besonders betroffen: ländliche Regionen mit schwacher Wirtschaftsstruktur und hoher Abhängigkeit von Landes- und Bundeszuschüssen.
Sparen auf Kosten der Daseinsvorsorge
Die Folgen sind für Bürgerinnen und Bürger immer deutlicher spürbar.
Viele Kreise streichen oder kürzen Ausgaben – teils in Bereichen, die zur grundlegenden Daseinsvorsorge gehören:
- Buslinien werden ausgedünnt, Haltestellen stillgelegt – der Nahverkehr verödet.
- Kreiskrankenhäuser geraten unter Druck, teils droht Schließung.
- Kulturelle Angebote, Jugendzentren, Bibliotheken: oft die ersten Opfer der Haushaltskürzungen.
- Selbst die Instandhaltung von Straßen, Schulen und Verwaltungsgebäuden gerät ins Stocken.
Was bleibt, ist Frust: Die Bürgerinnen und Bürger empfinden das Gefühl, vom Staat vergessen worden zu sein – obwohl sie in vielen Fällen pünktlich ihre Steuern und Abgaben zahlen.
„Perspektivlosigkeit“ – Landkreistag schlägt Alarm
Der Präsident des Deutschen Landkreistags, Reinhard Sager, wählte im Interview ungewöhnlich deutliche Worte:
„Viele Kreise stehen mit dem Rücken zur Wand. Uns fehlt eine finanzielle Perspektive, wie wir unsere gesetzlichen Aufgaben künftig noch erfüllen sollen.“
Er kritisierte insbesondere, dass die Kommunen zunehmend mit bundespolitischen Aufgaben belastet würden – etwa bei der Unterbringung von Geflüchteten, der Umsetzung sozialpolitischer Programme oder der Digitalisierung von Schulen – ohne adäquate Gegenfinanzierung.
Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land wächst
Während große Städte zumindest punktuell von Wirtschaftsbooms oder einem stabilen Steueraufkommen profitieren, verfestigt sich in vielen Landkreisen das finanzielle Defizit.

Die Kluft zwischen wohlhabenden Kommunen und strukturschwachen Regionen wird tiefer – mit spürbaren Folgen für Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse, ein zentrales Verfassungsziel.
In vielen Gemeinden fehlt schlicht das Geld, um Förderprogramme zu kofinanzieren – ganz gleich, ob es um Schulmodernisierung, Energieeffizienz oder Digitalisierung der Verwaltung geht.
Selbst dringende Investitionen werden aufgeschoben oder bleiben komplett aus.
Landkreise Finanznot – Wer zahlt für Pflichtaufgaben?
Besonders brisant: Viele der kommunalen Ausgaben sind gesetzlich vorgeschrieben. Die Landkreise dürfen sie nicht beliebig reduzieren – selbst wenn das Geld fehlt.
So etwa bei der Jugendhilfe, bei Leistungen für Bedürftige oder bei der Schülerbeförderung.
Statt klarer Finanzierungszusagen gibt es oft nur befristete Förderprogramme, komplizierte Antragsverfahren und politische Versprechen – aber keine strukturelle Lösung.
Die Folge ist eine gefährliche Spirale: Mehr Aufgaben, weniger Handlungsspielraum – wachsender Vertrauensverlust.
Landkreise Finanznot – Forderung nach einem neuen kommunalen Finanzpakt
Der Landkreistag fordert nun von Bund und Ländern ein umfassendes kommunales Finanzpaket – vergleichbar mit dem Länderfinanzausgleich.
Ziel müsse es sein, die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kreise dauerhaft zu sichern und gesetzlich verpflichtende Leistungen solide zu finanzieren.
Zudem brauche es einen klaren „Konnexitätsgrundsatz“ – wer auf Bundes- oder Landesebene neue Aufgaben anordnet, muss auch die Mittel dafür bereitstellen.
Ohne Reform droht der Stillstand im ländlichen Raum – Landkreise Finanznot
Deutschlands Landkreise geraten zunehmend in eine Zwickmühle aus Pflichten, Sparzwang und wachsendem Frust.
Die aktuelle Haushaltskrise ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern das Resultat jahrzehntelanger struktureller Unterfinanzierung.
Wenn es nicht gelingt, die kommunale Ebene neu aufzustellen – finanziell, organisatorisch und politisch –, wird die Folge ein schleichender Rückzug des Staates aus der Fläche sein.
Die Rechnung dafür zahlen nicht nur die Kreise – sondern eine Gesellschaft, die ihren Zusammenhalt zu verlieren droht.
Landkreise Finanznot – Wir bleiben am Ball für Sie. BerlinMorgen.




























