Generation Eigenheim: Warum Millennials doppelt so lange sparen müssen wie ihre Eltern
Millennials müssen doppelt so lange sparen für ein Eigenheim – Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden gehört seit Jahrzehnten zu den großen Lebenszielen vieler Menschen in Deutschland. Doch was für frühere Generationen als erreichbarer Meilenstein galt, entwickelt sich für junge Erwachsene zunehmend zu einem fernen Ideal. Eine aktuelle Studie des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) zeigt eindrücklich, wie stark sich die Voraussetzungen für den Immobilienerwerb zwischen den Generationen verschoben haben. Besonders die sogenannten Millennials stehen heute vor finanziellen Hürden, die ihre Eltern in dieser Form kaum kannten.
Während Babyboomer in den 1980er-Jahren vergleichsweise zügig Wohneigentum erwerben konnten, müssen Millennials im Durchschnitt fast 14 Jahre sparen, um das erforderliche Eigenkapital zusammenzubekommen. Damit hat sich der Weg ins Eigenheim zeitlich nahezu verdoppelt – mit weitreichenden Folgen für Vermögensaufbau, soziale Mobilität und die Frage der Generationengerechtigkeit.
Der lange Weg zum Eigenkapital
Im Zentrum der IfW-Studie steht die Entwicklung des Eigenkapitalbedarfs. Dieser hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv erhöht und stellt heute die größte Hürde auf dem Weg zum Immobilienkauf dar. Während in den 1980er-Jahren für den Erwerb einer Eigentumswohnung im Schnitt das 1,7-Fache eines Jahreshaushaltseinkommens als Eigenkapital ausreichte, müssen Käufer heute mehr als drei volle Jahresgehälter aufbringen.
Beim Kauf eines Einfamilienhauses fällt der Unterschied noch drastischer aus. Damals lag der notwendige Eigenkapitalanteil bei gut dreieinhalb Jahresgehältern. In der Hochphase des jüngsten Immobilienbooms stieg dieser Wert zeitweise auf das Siebenfache eines Jahresgehalts. Zwar hat sich der Markt zuletzt etwas beruhigt, doch selbst aktuell liegt der erforderliche Betrag immer noch bei mehr als dem Fünffachen des Jahreseinkommens.
Diese Zahlen verdeutlichen, wie stark sich die Eintrittsschwelle in den Immobilienmarkt erhöht hat. Für viele junge Menschen bedeutet das, dass selbst ein solider Berufseinstieg und kontinuierliches Sparen nicht mehr ausreichen, um zeitnah Eigentum zu bilden.
Immobilienpreise als Haupttreiber
Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist der massive Anstieg der Immobilienpreise in den vergangenen Jahren. Insbesondere in Ballungsräumen und wirtschaftsstarken Regionen haben sich die Kaufpreise für Wohnungen und Häuser teilweise vervielfacht.

Getrieben wurde dieser Boom durch mehrere Faktoren: niedrige Zinsen, hohe Nachfrage, begrenztes Bauland und eine zunehmende Urbanisierung.
Für Millennials bedeutet das, dass sie in einen Markt eintreten, in dem die Einstiegspreise deutlich höher liegen als noch vor wenigen Jahrzehnten. Selbst moderate Preisrückgänge in jüngerer Zeit ändern wenig daran, dass das allgemeine Preisniveau weiterhin hoch bleibt. Die Folge ist ein wachsender Abstand zwischen Einkommen und Immobilienwerten.
Grunderwerbsteuer als zusätzliche Belastung
Neben den reinen Kaufpreisen spielt auch die staatliche Abgabenlast eine zentrale Rolle. Besonders die Grunderwerbsteuer hat sich in vielen Bundesländern zu einem erheblichen Kostenfaktor entwickelt. Während sie früher eher als Nebenkostenposten wahrgenommen wurde, verschlingt sie heute einen beträchtlichen Teil des Eigenkapitals.
Je nach Bundesland liegt die Grunderwerbsteuer inzwischen bei bis zu 6,5 Prozent des Kaufpreises. Hinzu kommen Notar- und Grundbuchkosten, die ebenfalls aus Eigenmitteln zu zahlen sind. Diese Kaufnebenkosten erhöhen den notwendigen Kapitalbedarf erheblich, ohne dass sie den eigentlichen Immobilienwert steigern. Für junge Käufer mit begrenzten Rücklagen stellt dies eine kaum zu überwindende Hürde dar.
Die Rolle von Zins und Tilgung
Interessanterweise zeigt die IfW-Studie, dass die monatliche Belastung durch Zins und Tilgung im Vergleich der Generationen weniger stark auseinanderklafft als oft angenommen wird. Zwar geben Millennials heute rund ein Viertel ihres Einkommens für die Hypothekenfinanzierung aus, doch auch bei den Babyboomern lag dieser Anteil bereits bei etwa 20 Prozent.
Der entscheidende Unterschied liegt somit weniger in der laufenden Belastung als vielmehr im Einstieg in die Finanzierung. Ohne ausreichend Eigenkapital erhalten viele Kaufinteressenten gar kein Darlehen oder nur zu deutlich schlechteren Konditionen. Damit wird der Zugang zum Markt selektiver und stärker von vorhandenen Vermögenswerten abhängig.
Sparen im Schatten steigender Lebenshaltungskosten
Das längere Sparen für das Eigenkapital fällt in eine Lebensphase, in der viele Millennials ohnehin mit steigenden Ausgaben konfrontiert sind. Hohe Mieten, steigende Energiekosten, Inflation und unsichere Arbeitsmärkte erschweren es zusätzlich, nennenswerte Rücklagen zu bilden.
Während frühere Generationen oft schon früh vergleichsweise günstig wohnen konnten und damit mehr finanziellen Spielraum hatten, zahlen viele junge Erwachsene heute einen erheblichen Teil ihres Einkommens für Miete. Das reduziert die Sparquote und verlängert den Zeitraum, der notwendig ist, um das erforderliche Eigenkapital anzusammeln.
Erbschaften und Schenkungen als entscheidender Faktor
Vor diesem Hintergrund gewinnen familiäre Vermögensübertragungen zunehmend an Bedeutung. Die Studie zeigt, dass Schenkungen und Erbschaften heute oft darüber entscheiden, wer sich Wohneigentum noch leisten kann und wer nicht. Ohne Unterstützung aus der Familie bleibt der Immobilienkauf für viele unerreichbar.
Damit verschiebt sich der Zugang zu Eigentum immer stärker von individueller Leistung hin zu Herkunft. Wer aus einem vermögenden Elternhaus stammt, kann auf finanzielle Hilfe zurückgreifen und schneller kaufen. Wer diese Möglichkeit nicht hat, bleibt häufig dauerhaft Mieter. Diese Entwicklung verstärkt bestehende Ungleichheiten und wirkt sich langfristig auf die Vermögensverteilung in der Gesellschaft aus.
Auswirkungen auf Generationengerechtigkeit
Die wachsende Abhängigkeit von Erbschaften wirft grundlegende Fragen der Generationengerechtigkeit auf. Eigentum ist in Deutschland ein zentraler Baustein des privaten Vermögensaufbaus und der Altersvorsorge. Wenn der Zugang dazu zunehmend vererbt wird, sinken die Chancen auf soziale Mobilität.
Millennials tragen gleichzeitig hohe Beiträge zur Finanzierung des Sozialstaats, stehen vor unsicheren Rentenperspektiven und müssen dennoch länger sparen, um Eigentum zu erwerben. Diese Mehrfachbelastung führt zu einem Gefühl struktureller Benachteiligung gegenüber früheren Generationen.
Gesellschaftliche Folgen einer Eigentumslücke
Die sinkende Eigentumsquote unter jungen Menschen hat auch gesamtgesellschaftliche Auswirkungen. Eigentümer investieren tendenziell stärker in ihre Wohnumgebung, engagieren sich langfristiger in Gemeinden und verfügen im Alter über größere finanzielle Sicherheit. Wenn immer weniger Menschen diese Möglichkeit haben, verändert das die soziale Struktur ganzer Regionen.
Zudem steigt die Abhängigkeit vom Mietmarkt. In angespannten Wohnungsmärkten kann dies zu höheren Mieten, geringerer Wohnsicherheit und wachsender sozialer Spaltung führen. Die Frage nach bezahlbarem Wohnen wird damit zu einer der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte.
Politische Handlungsspielräume
Die Studienautoren sehen verschiedene Ansatzpunkte, um den Zugang zu Wohneigentum wieder zu erleichtern. Eine zentrale Stellschraube ist die Senkung der Grunderwerbsteuer, insbesondere für Erstkäufer. Dadurch ließe sich der notwendige Eigenkapitalbedarf deutlich reduzieren, ohne den Marktpreis der Immobilien selbst zu verzerren.
Auch staatliche Förderprogramme, Bürgschaften oder zinsgünstige Darlehen könnten helfen, die Einstiegshürden zu senken. Entscheidend ist dabei, dass solche Maßnahmen gezielt eingesetzt werden und nicht zu weiteren Preissteigerungen führen.
Ein strukturelles Problem, keine individuelle Schwäche
Die Ergebnisse der IfW-Studie machen deutlich, dass die Schwierigkeiten vieler Millennials beim Immobilienerwerb nicht auf mangelnde Sparbereitschaft oder falsche Prioritäten zurückzuführen sind. Vielmehr handelt es sich um ein strukturelles Problem, das aus der Kombination von hohen Preisen, steigenden Nebenkosten und stagnierenden Reallöhnen entsteht.
Diese Erkenntnis ist wichtig für die gesellschaftliche Debatte. Sie verschiebt den Fokus weg von individuellen Vorwürfen hin zu der Frage, wie wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen gestaltet werden müssen, um wieder breiteren Schichten den Zugang zu Eigentum zu ermöglichen.
Ausblick: Wohneigentum als Privileg?
Wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen, droht Wohneigentum zunehmend zum Privileg weniger zu werden. Ohne gezielte Reformen könnte sich eine dauerhafte Spaltung zwischen Eigentümern und Mietern verfestigen, mit allen sozialen und wirtschaftlichen Folgen, die daraus resultieren.
Die IfW-Studie liefert damit nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern auch einen klaren Handlungsauftrag. Der Traum vom Eigenheim war lange ein integraler Bestandteil des deutschen Gesellschaftsmodells. Ob er es auch für kommende Generationen bleibt, hängt maßgeblich von den Entscheidungen ab, die heute getroffen werden.
Zwischen Realität und Hoffnung – Millennials müssen doppelt so lange sparen für ein Eigenheim
Für viele Millennials bleibt der Wunsch nach einem eigenen Zuhause trotz aller Hindernisse lebendig. Doch die Realität zwingt sie zu Geduld, Verzicht und oft auch zu Kompromissen. Die doppelt so lange Sparzeit im Vergleich zu den Babyboomern ist dabei mehr als eine statistische Kennzahl – sie ist ein Symbol für tiefgreifende Veränderungen im wirtschaftlichen Gefüge des Landes.
Ob es gelingt, diese Entwicklung zu korrigieren, wird nicht zuletzt darüber entscheiden, wie gerecht und durchlässig die Gesellschaft in Zukunft sein wird. Die Debatte um Wohneigentum ist damit längst zu einer Debatte über Chancen, Teilhabe und soziale Balance geworden.
Millennials müssen doppelt so lange sparen für ein Eigenheim – Wir bleiben am Ball für Sie. BerlinMorgen.
Foto Verena Hubertz – Markus C. Hurek




























