Partnerschaften als Schlüssel für die Autoproduktion in Europa
Die Entscheidung für Kooperationen statt eigener Fabrikbauten auf der grünen Wiese ist ein wohlüberlegter Schachzug. Chairman Yin Tongyue betonte während einer Presseveranstaltung, dass die Nutzung bestehender Anlagen den Markteintritt massiv beschleunigt. Chery sucht aktiv nach freien Kapazitäten in Ländern wie Frankreich, Italien und Deutschland. Dieser Ansatz schont nicht nur das Investitionskapital, sondern sichert dem Konzern auch wertvolles lokales Know-how. Besonders die Autoproduktion in Europa bietet die Chance, die Fahrzeuge direkt an die spezifischen Qualitätsansprüche und technischen Standards der hiesigen Kunden anzupassen. Die Integration in lokale Lieferketten ist dabei ein entscheidender Faktor für den langfristigen Erfolg in der Region.
Strategische Standorte und das Joint Venture in Spanien
Ein erster Meilenstein dieser Strategie wurde bereits in Barcelona gesetzt. Dort hat Chery ein Joint Venture mit dem spanischen Unternehmen Ebro-EV Motors ins Leben gerufen, um ein ehemaliges Nissan-Werk wiederzubeleben. Diese Anlage dient als Blaupause für die weitere Autoproduktion in Europa und soll bis Ende des Jahrzehnts eine jährliche Kapazität von 200.000 Fahrzeugen erreichen. Doch angesichts der Verkaufszahlen, die sich innerhalb kürzester Zeit vervielfacht haben, reicht ein einzelner Standort längst nicht mehr aus. Das Management prüft daher intensiv weitere Optionen, um die logistische Effizienz zu steigern. Frankreich gilt dabei als einer der heißesten Kandidaten für eine zusätzliche Fertigungsstätte im Herzen des europäischen Automobilmarktes.
Umgehung von Handelsbarrieren durch lokale Fertigung
Ein wesentlicher Treiber für die forcierte Autoproduktion in Europa sind die drohenden Importzölle der EU auf chinesische Elektrofahrzeuge. Die Europäische Kommission versucht damit, den Wettbewerb vor vermeintlich unfairen Subventionen zu schützen. Für Chery bedeutet eine lokale Montage die Befreiung von diesen kostspieligen Abgaben. Nur wenn ein erheblicher Teil der Wertschöpfung direkt vor Ort erfolgt, gelten die Fahrzeuge als europäische Produkte. Dies ermöglicht es dem Hersteller, seine aggressiven Preisstrategien beizubehalten und dennoch profitabel zu wirtschaften. Die Autoproduktion in Europa ist somit nicht nur ein logistischer Vorteil, sondern eine essenzielle Absicherung gegen drohende Handelskriege zwischen Brüssel und Peking.
„Diese Prozesse erfordern Zeit und Hingabe, aber vor allem den Aufbau der richtigen lokalen Partnerschaften“, sagte Yin Tongyue gegenüber Journalisten.

Chinas tiefe Wurzeln im europäischen Boden
Dieser strategische Vorstoß markiert das Ende der Ära, in der chinesische Hersteller lediglich als ferne Exporteure agierten. Indem Chery tief in das industrielle Herz des Kontinents vordringt, verwandelt sich die drohende Zollmauer der EU paradoxerweise in einen Katalysator für eine neue Form der wirtschaftlichen Symbiose. Für den Standort Deutschland und seine Nachbarn bedeutet dies eine radikale Zäsur: Etablierte Autokonzerne werden zu Vermietern ihrer eigenen Hallen, während die neuen Player durch lokale Wertschöpfung ihr Image als „Eindringlinge“ abstreifen. Langfristig dürfte dieser Brückenschlag das Machtgefüge in der Branche dauerhaft verschieben und europäische Traditionsmarken dazu zwingen, den Wettbewerb im eigenen Hinterhof völlig neu zu definieren.
Massive Absatzsteigerung erfordert neue Kapazitäten
Die nackten Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit der Expansionspläne. Im vergangenen Jahr konnte Chery seine Verkäufe auf dem europäischen Kontinent fast versechsfachen. Von einer Nischenmarke mit rund 17.000 Einheiten wuchs der Absatz auf über 120.000 Fahrzeuge an. Dieser Erfolg basiert vor allem auf den Lifestyle-SUVs der Marke Omoda, die bei jungen, technikbegeisterten Käuferschichten punkten. Um diesen Schwung nicht zu verlieren, muss die Autoproduktion in Europa zeitnah skaliert werden. Die Lieferzeiten für Importfahrzeuge aus Übersee sind oft zu lang und unflexibel für den dynamischen Markt. Eine regionale Fertigung erlaubt es dem Konzern, schneller auf Trends und Schwankungen in der Nachfrage zu reagieren.
Technologische Anpassung und Forschung vor Ort
Um als „europäische Marke“ wahrgenommen zu werden, investiert Chery parallel zur Fertigung in Forschung und Entwicklung. In Frankfurt und Barcelona wurden bereits Kompetenzzentren errichtet, die eng mit der geplanten Autoproduktion in Europa verzahnt sind. Hier werden Fahrwerkseinstellungen, Infotainment-Systeme und Sicherheitsfeatures speziell für die hiesigen Straßenverhältnisse optimiert. Die Nähe zum Kunden ist dabei unersetzlich. Chairman Yin sieht in der lokalen Präsenz den Schlüssel zur Akzeptanz bei den kritischen europäischen Autofahrern.
Die Modelloffensive und künftige Marken
Für die kommenden Monate hat Chery bereits weitere Modellstarts angekündigt. Neben dem vollelektrischen Omoda 5 E und dem robusten Plug-in-Hybrid Jaecoo 7 steht auch die Einführung der neuen Exportmarke Lepas kurz bevor. Alle diese Modelle könnten theoretisch Teil der künftigen Autoproduktion in Europa werden. Das Unternehmen zeigt sich zudem offen für Übernahmen oder tiefergehende Allianzen mit Traditionsmarken, um sein Prestige zu steigern. Es ist offensichtlich, dass Chery gekommen ist, um zu bleiben. Die Autoproduktion in Europa bildet das Rückgrat dieser langfristigen Vision, die darauf abzielt, die Dominanz etablierter europäischer Hersteller in ihren Heimatmärkten herauszufordern.




























