Brüssel, 25. Februar 2026 – Berlin Morgen Zeitschrift, Die Europäische Kommission hat am Mittwoch bestätigt, dass Kroatien derzeit die rechtliche Zulässigkeit für Kroatische Ölimporte aus Russland prüft. Hintergrund ist die Beschädigung der Druzhba-Pipeline am 27. Januar, die die Versorgung von Ungarn und der Slowakei unterbrochen hat. Während der kroatische Pipeline-Betreiber Janaf betont, dass derzeit ausreichend nicht-russisches Öl durch das System fließt, wird untersucht, ob seegestütztes russisches Rohöl rechtmäßig über kroatische Häfen importiert werden darf. Solche Kroatische Ölimporte könnten jedoch gegen US-Sanktionen verstoßen, die Russlands Top-Exporteure ins Visier nehmen. Die politische Lage ist angespannt: Ungarn blockiert aus Protest gegen die gestoppten Lieferungen neue EU-Kredite für Kiew, während die EU bis 2027 einen vollständigen Stopp für russische Energieimporte plant.
Die geopolitische Dimension der Adria-Route
Die aktuelle Lage markiert einen Wendepunkt in der europäischen Energiestrategie. Da die Druzhba-Pipeline seit dem 27. Januar nach mutmaßlichen Drohnenangriffen stillsteht, rückt die Janaf-Pipeline (Adria) als einzige verbleibende Lebensader in den Mittelpunkt. Kroatien nimmt hierbei eine Schlüsselrolle ein. Die technische Infrastruktur in den Häfen ist vorhanden, doch die politische Sprengkraft ist enorm. Es geht um die Frage, ob Kroatische Ölimporte von russischem Gut eine Umgehung der mühsam ausgehandelten EU-Sanktionen darstellen könnten.
Sowohl Brüssel als auch Washington beobachten die Entwicklungen genau. Während Ungarn auf eine schnelle Lösung drängt, um seine Raffinerien auszulasten, betont Kroatien, dass die Kapazitäten der Adria-Pipeline zwar ausreichen, die Herkunft des Öls jedoch entscheidend ist. Nicht-russische Alternativen werden bereits entladen, doch die preisliche Attraktivität des russischen Urals-Rohöls sorgt weiterhin für Begehrlichkeiten in Budapest und Bratislava.
Rechtliche Prüfung der Sanktionsmechanismen
Die Europäische Kommission hat klargestellt, dass Ausnahmeregelungen für Binnenstaaten wie Ungarn und die Slowakei zwar existieren, diese jedoch primär für den leitungsgebundenen Import über Land gedacht waren. Der Seeweg über kroatische Häfen fällt unter ein anderes regulatorisches Regime. Experten in Brüssel untersuchen nun die Grauzonen. Falls Kroatische Ölimporte russischen Ursprungs als zulässig eingestuft werden, müssten diese dennoch die strengen Preisobergrenzen der G7-Staaten einhalten, was die Abwicklung zusätzlich verkompliziert.
Die kroatische Regierung unterstreicht ihre Bereitschaft, als Energie-Hub für Zentraleuropa zu fungieren. Dennoch bleibt die rechtliche Absicherung gegenüber US-Sekundärsanktionen eine Priorität für Zagreb. Niemand möchte riskieren, dass nationale Banken oder der Pipeline-Betreiber Janaf auf schwarze Listen geraten, nur um die Versorgung der Nachbarstaaten zu sichern.
Spannungen zwischen Budapest, Kiew und Brüssel
Der Stillstand der Druzhba-Pipeline hat zu einer massiven diplomatischen Verstimmung geführt. Ungarn wirft der Ukraine vor, die Reparaturen absichtlich zu verschleppen, um politischen Druck auszuüben. Im Gegenzug blockiert Budapest wichtige EU-Finanzhilfen für Kiew. Inmitten dieses Konflikts wirken Kroatische Ölimporte wie ein Puffer, der den Druck vom Kessel nehmen könnte – sofern die rechtlichen Hürden überwunden werden.
Die Ukraine hat indessen eigene Vorschläge unterbreitet. In einem Schreiben an die Kommission wird die Nutzung der Odesa-Brody-Pipeline als Alternative ins Spiel gebracht. Brüssel wertet dies jedoch eher als mittelfristige Option. Kurzfristig bleibt der Blick auf die Adria gerichtet. Die logistische Herausforderung besteht darin, die enormen Mengen, die bisher über die Pipeline flossen, nun über Tankerschiffe und das kroatische Schienen- oder Rohrnetz zu bewältigen.
Technische Kapazitäten der Janaf-Pipeline
Der kroatische Pipeline-Betreiber Janaf betont immer wieder, dass das System leistungsstark genug sei, um den Bedarf der ungarischen MOL-Gruppe und der slowakischen Slovnaft-Raffinerie zu decken. Dennoch gibt es operative Differenzen. Kapazitätstests aus dem Vorjahr wurden von ungarischer Seite angezweifelt. Kritiker werfen Kroatien vor, die Situation zu nutzen, um höhere Transitgebühren durchzusetzen.
Sollten Kroatische Ölimporte dauerhaft die Druzhba-Pipeline ersetzen, wäre dies ein struktureller Wandel. Es würde bedeuten, dass die Abhängigkeit von ukrainischem Transitland schwindet, während die Bedeutung Kroatiens als Tor zur Welt für die Binnenstaaten massiv zunimmt. Dies erfordert jedoch massive Investitionen in die Entladestationen und die Pumpkapazitäten entlang der Adria-Route.
Ausnahmeregelungen und das Ziel 2027
Die Europäische Union verfolgt weiterhin das Ziel, bis zum Jahr 2027 vollständig unabhängig von russischen fossilen Brennstoffen zu sein. Ein neuer Gesetzesvorschlag hierzu wird für April 2026 erwartet. Die aktuelle Diskussion um Kroatische Ölimporte zeigt jedoch, wie schwierig dieser Ausstieg in der Praxis ist, wenn die physische Infrastruktur beschädigt wird.
„Kroatien hat mitgeteilt, dass es die Situation prüft, ob es russisches Rohöl in seinen Häfen sowohl unter EU- als auch unter US-Sanktionen rechtmäßig annehmen kann.“ – Ein Sprecher der Europäischen Kommission
Politische Implikationen vor der Wahl in Ungarn
Ministerpräsident Viktor Orban steht vor schwierigen Parlamentswahlen. Die Energiesicherheit ist sein wichtigstes Wahlversprechen. Dass er nun auf Kroatische Ölimporte angewiesen ist, schwächt seine Verhandlungsposition gegenüber Brüssel und Zagreb. Er versucht, das Thema als „Souveränitätsfrage“ darzustellen, doch die faktische Abhängigkeit von der kroatischen Infrastruktur ist unübersehbar.
Die USA beobachten unterdessen, ob Russland versucht, über die kroatische Route die Ölpreise zu manipulieren oder Sanktionen zu umgehen. Jede Ladung, die in kroatischen Häfen ankommt, wird genauestens dokumentiert. Die Transparenz der Lieferketten ist hierbei das oberste Gebot, um internationale Sanktionen nicht zu verletzen.
Strategische Autonomie und Diversifizierung
Die Krise zeigt einmal mehr, wie wichtig die Diversifizierung der Energiequellen ist. Kroatien hat in den letzten Jahren massiv in sein LNG-Terminal und seine Pipeline-Infrastruktur investiert. Diese Weitsicht zahlt sich nun aus. Kroatische Ölimporte aus dem arabischen Raum oder den USA könnten die Lücke füllen, die das russische Öl hinterlässt, sofern die Raffinerien in Ungarn technisch in der Lage sind, diese Sorten zu verarbeiten.
Die technische Anpassung der Raffinerien ist ein langwieriger Prozess. Viele Anlagen in Zentraleuropa sind speziell auf die chemische Zusammensetzung des russischen Urals-Öls optimiert. Ein plötzlicher Wechsel auf leichtes Nordsee-Öl oder schwereres Schieferöl aus den USA erfordert Modifikationen, die Monate dauern können. Daher bleibt der Druck hoch, weiterhin russisches Öl über Kroatische Ölimporte zu beziehen, solange die Druzhba-Pipeline außer Betrieb ist.
Versorgungssicherheit im Schatten des Krieges
Viertausend Kilometer Pipeline-Netz sind im Kriegszustand schwer zu schützen. Die Beschädigung der Druzhba ist ein Beleg für die Verwundbarkeit der europäischen Energiearchitektur. Kroatische Ölimporte bieten eine physische Alternative, die weit weg von der Frontlinie liegt. Dies erhöht die strategische Sicherheit für die gesamte Region, auch wenn die rechtlichen Fragen komplex bleiben.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Zagreb die Führungsrolle als Energie-Hub für den Balkan und Zentraleuropa festigen kann. Es ist eine Chance für Kroatien, sich als unverzichtbarer Partner innerhalb der EU zu positionieren. Gleichzeitig muss die Regierung den Spagat zwischen wirtschaftlichem Profit und politischer Integrität meistern.
Die Zukunft der Adria-Pipeline nach 2026
Langfristig wird die Bedeutung russischen Öls abnehmen. Die Adria-Pipeline wird dann primär für Ölimporte aus anderen Weltregionen genutzt werden. Die aktuelle Diskussion um Kroatische Ölimporte ist somit vielleicht das letzte Kapitel des russischen Energieeinflusses in dieser Region. Sobald die Infrastruktur vollständig auf globale Märkte ausgerichtet ist, wird die politische Erpressbarkeit durch Pipeline-Stopps der Vergangenheit angehören.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Prüfung der EU-Kommission weit mehr als eine bürokratische Formalität ist. Es geht um die Definition der europäischen Souveränität in Zeiten des Krieges. Kroatische Ölimporte sind das Instrument, mit dem dieser Konflikt zwischen Versorgungssicherheit und Sanktionstreue derzeit ausgefochten wird.
Adriatische Souveränität und Brüsseler Richtlinienkompetenz
Die finale Entscheidung über die Rechtmäßigkeit dieser Importe wird wegweisend für die künftige Auslegung aller EU-Sanktionspakete sein. Es bleibt abzuwarten, wie flexibel sich Brüssel zeigt, um den inneren Frieden in der Union zu wahren, während man gleichzeitig den Druck auf Moskau aufrechterhält.






























