Brüssel, 27. Februar 2026 – Berlin Morgen Zeitschrift, Paukenschlag in der europäischen Handelspolitik: Die EU-Kommission hat am Freitag angekündigt, das umstrittene EU Mercosur Abkommen vorläufig anzuwenden. Damit reagiert Brüssel auf die Ratifizierung durch Argentinien und Uruguay und will sich so einen „First-Mover-Vorteil“ auf dem südamerikanischen Markt sichern. Während die Bundesregierung und deutsche Industrieverbände wie der VDA den Schritt als notwendiges Signal gegen den Protektionismus der USA begrüßen, reagierte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron empört. Er nannte das Vorgehen eine „böse Überraschung“ und „respektlos“ gegenüber dem EU-Parlament, das den Pakt derzeit noch vom Europäischen Gerichtshof prüfen lässt. Das Abkommen könnte nun bereits ab dem 1. April Zölle in Milliardenhöhe senken, was insbesondere dem deutschen Maschinenbau und der Automobilindustrie zugutekäme.
Die Taktik der vorläufigen Anwendung
Normalerweise erfordern Freihandelsabkommen dieser Größenordnung die einstimmige Ratifizierung durch alle EU-Mitgliedstaaten sowie die Zustimmung des Europäischen Parlaments. Doch beim EU Mercosur Abkommen wählt Brüssel nun eine Abkürzung. Durch die vorläufige Anwendung können wesentliche Teile des Vertrages, insbesondere die Senkung von Industriezöllen, bereits zwei Monate nach dem Austausch der offiziellen Notifikationen in Kraft treten.
Die Kommission argumentiert, dass man es sich in einer geopolitisch instabilen Welt nicht leisten könne, weitere zwei Jahre auf die finale Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs zu warten. Französische Abgeordnete hatten erst im vergangenen Monat eine Klage eingereicht, um den Deal zu stoppen. Brüssel sieht darin jedoch eine Verzögerungstaktik, die den wirtschaftlichen Interessen der gesamten Union schadet.
Frankreichs „böse Überraschung“ und Macrons Protest
Präsident Emmanuel Macron reagierte prompt und sichtlich verärgert auf die Neuigkeiten aus der Kommission. Nach einem Treffen mit dem slowenischen Regierungschef Robert Golob im Elysée-Palast bezeichnete er das Vorgehen als respektlos gegenüber den demokratischen Institutionen Europas. Für Frankreich steht viel auf dem Spiel. Als größter Agrarproduzent der EU fürchtet das Land eine Schwächung der heimischen Landwirtschaft durch das EU Mercosur Abkommen.
Besonders die Fleischproduzenten und Zuckerbauern sehen sich durch billige Importe aus Brasilien und Argentinien bedroht. Die französischen Bauernverbände, die bereits in den vergangenen Wochen mit Straßensperren gegen die Agrarpolitik demonstrierten, kündigten bereits neue Protestwellen an. Sie werfen der Kommission vor, ökologische Standards für den industriellen Profit zu opfern.
Die wirtschaftliche Dimension des Deals
Das EU Mercosur Abkommen gilt als das volumenstärkste Handelsgeschäft in der Geschichte der Europäischen Union. Es umfasst einen Markt von über 780 Millionen Menschen. Schätzungen zufolge könnten durch den Wegfall von Zöllen jährlich bis zu 4 Milliarden Euro für europäische Exporteure eingespart werden. Dies betrifft vor allem Branchen wie:
Unterstützung erhält die Kommission vor allem aus Berlin und Madrid. Deutschland sieht im EU Mercosur Abkommen eine essenzielle Diversifizierungsstrategie, um die Abhängigkeit von China bei kritischen Rohstoffen wie Lithium zu verringern.

„Das EU Mercosur Abkommen ist im Kern kein reiner Handelsvertrag mehr, sondern ein strategisches Bündnis, das die europäische Präsenz in einer Region zementiert, die zunehmend unter den Einfluss Pekings gerät.“ – Dr. Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europäischen Parlament (INTA).
Der juristische und politische Hürdenlauf
Obwohl die vorläufige Anwendung den Handel beschleunigt, bleibt die Zustimmung des EU-Parlaments langfristig unumgänglich. Die Kritiker, angeführt von den Grünen und Teilen der Konservativen in Frankreich, betonen immer wieder die Auswirkungen auf den Regenwald am Amazonas. Das EU Mercosur Abkommen enthält zwar Nachhaltigkeitsklauseln, doch diese gehen vielen Kritikern nicht weit genug. Sie fordern sanktionierbare Verstöße gegen Umweltauflagen.
In Brüssel zeigt man sich jedoch zuversichtlich. Da Argentinien und Uruguay das Abkommen bereits am Donnerstag ratifiziert haben und Brasilien sowie Paraguay kurz davor stehen, sieht die EU-Spitze das Momentum auf ihrer Seite. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte die Einsatzbereitschaft der Union, sobald die Partnerländer ihre Hausaufgaben erledigt haben.
Technologische Souveränität und die Rohstofffrage
Ein oft übersehener, aber entscheidender Aspekt beim EU Mercosur Abkommen ist der privilegierte Zugang zu kritischen Rohstoffen. In einer Zeit, in der die globale Halbleiterproduktion und die Elektromobilität massiv expandieren, sucht Europa händeringend nach Alternativen zu asiatischen Lieferketten. Das EU Mercosur Abkommen fungiert hierbei als strategischer Türöffner zu den riesigen Lithium-Vorkommen Argentiniens und den Seltenen Erden Brasiliens. Durch den Abbau technischer Handelshemmnisse und die Angleichung von Industriestandards wird es für europäische Tech-Unternehmen deutlich attraktiver, langfristige Lieferverträge in Südamerika abzuschließen.
Die ökologische Gratwanderung im Amazonasbecken
Trotz der wirtschaftlichen Euphorie bleibt die ökologische Komponente beim EU Mercosur Abkommen der größte Streitpunkt innerhalb der Zivilgesellschaft. Kritiker mahnen, dass der verstärkte Export von Agrargütern den Druck auf den Regenwald im Amazonasgebiet weiter erhöhen könnte. Um diesen Sorgen Rechnung zu tragen, enthält das EU Mercosur Abkommen ein dezidiertes Nachhaltigkeitskapitel, das die Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens zur Bedingung macht. Die Europäische Kommission betont, dass der Handel als Hebel genutzt werden soll, um Umweltstandards in Südamerika anzuheben, statt sie zu untergraben.
Ein Experte zur geopolitischen Relevanz
Die Dringlichkeit, mit der das EU Mercosur Abkommen nun vorangetrieben wird, spiegelt die veränderte Weltlage wider. Europa sucht händeringend nach verlässlichen Partnern jenseits der großen Machtblöcke.
Widerstand der Zivilgesellschaft und Industrieverbände
In Frankreich rufen Verbände wie Interbev dazu auf, die „Umgehung der demokratischen Debatte“ zu verhindern. Sie fordern die französischen EU-Parlamentarier auf, alle rechtlichen Mittel auszuschöpfen. Auf der Gegenseite begrüßt die European Dairy Association die schnelle Umsetzung, da sie sich neue Absatzmärkte für europäische Qualitätsprodukte wie Käse und Milchpulver verspricht. Auch die EVP-Fraktion, die stärkste Kraft im Parlament, sieht im EU Mercosur Abkommen einen notwendigen Impuls für die schwächelnde europäische Wirtschaft.





























