Abschuss über dem Binnensee
Die lettischen Streitkräfte und das estnische Radarnetzwerk registrierten das Flugobjekt gegen 11:30 Uhr als tieffliegende Radaranomalie. Das unbemannte Luftfahrzeug bewegte sich mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Nordwesten. Um kurz vor 12:00 Uhr überflog eine ukrainische Drohne schließlich die Grenze nach Estland. Die NATO-Leitstelle alarmierte umgehend zwei auf dem litauischen Stützpunkt Šiauliai stationierte Kampfjets. Gegen 12:15 Uhr stellte ein rumänischer F-16-Pilot den visuellen Kontakt zu dem Objekt her. Der Abschuss erfolgte direkt über dem See Lake Võrtsjärv im zentralen Süden des Landes. Um 12:45 Uhr gaben die estnischen Verteidigungskräfte schließlich offizielle Entwarnung für den Luftraum. Jede ukrainische Drohne stellt in diesem sensiblen Luftraum ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar.
Trümmerteile verfehlen Wohnhaus nur knapp
Die Trümmer des zerstörten Flugobjekts stürzten in der Gemeinde Põltsamaa in der Ortschaft Kablaküla ab. Das Wrack schlug in einem sumpfigen Waldgebiet auf, nur etwa 30 Meter von einem bewohnten Wohnhaus entfernt. Die lokalen Behörden und der Bürgermeister von Põltsamaa, Taavi Aas, bestätigten nach einer ersten Schadensaufnahme, dass keine Zivilisten verletzt wurden und keine Schäden an Gebäuden oder kritischen Infrastrukturen entstanden sind. Spezialeinheiten der Polizei und des Militärs riegelten die Absturzstelle ab, um die Trümmerteile zu sichern und zu analysieren. Dass eine ukrainische Drohne so tief in das Territorium eindringt, alarmiert die Behörden.
Russische Störsender verursachen Kursabweichung
Nach Angaben des estnischen Verteidigungsministers Hanno Pevkur handelte es sich bei dem Objekt um eine ukrainische Drohne, die ursprünglich für Angriffe auf militärische Infrastrukturen im Nordwesten Russlands bestimmt war. Experten des estnischen Parlaments gehen davon aus, dass massive russische GPS-Störsender im Grenzgebiet die Navigationssysteme des Fluggeräts manipulierten.
Diese elektronische Kampfführung der russischen Armee führt vermehrt dazu, dass eine ukrainische Drohne die Orientierung verliert und unkontrolliert nach Westen in den Luftraum von NATO-Mitgliedstaaten driftet. Ukraines Verteidigungsminister Mykhailo Fedorov kontaktierte seinen estnischen Amtskollegen telefonisch, um sich förmlich für die Luftraumverletzung zu entschuldigen. Er versicherte, dass der Flugweg über die Grenze der Allianz unabsichtlich war. Das ukrainische Außenministerium beschuldigte Moskau im Anschluss, absichtlich elektronische Signale zu manipulieren, um eine ukrainische Drohne in Richtung der NATO-Grenzen umzuleiten.
Politische Krise im Baltikum verschärft sich
Der Vorfall reiht sich in eine Kette ähnlicher Grenzüberschreitungen seit März ein. In Finnland führte der Verdacht, eine ukrainische Drohne könnte den Luftraum verletzen, am 15. Mai zu einer dreistündigen Sperrung des Flughafens in Helsinki. In Lettland stürzten unlängst zwei Fluggeräte in ein Öllager in Rēzekne, was zu einem Großbrand und zum anschließenden Rücktritt der lettischen Regierung führte. Damals war eine ukrainische Drohne für die Zerstörung verantwortlich. Auch in Litauen stürzte im März ein unbemanntes Kampfgerät in einen See. Als Reaktion auf die Vorfälle kündigte Kiew an, technologische Experten nach Lettland und in die anderen baltischen Staaten zu entsenden, um die Luftraumüberwachung zu unterstützen. Jede weitere ukrainische Drohne soll so frühzeitig abgelenkt werden.




























