PARIS, 23. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Extremes Sommerwetter versetzt Südeuropa in Alarmbereitschaft. Zehntausende Menschen sind im Südwesten Frankreichs vor massiven Waldbränden geflohen, während Spanien nach der Verschmelzung zweier Großbrände nahe Madrid den nationalen Notstand ausgerufen hat. Eine anhaltende Hitzewelle und unnachgiebige Winde heizen die Flammen in beiden Ländern weiter an und bringen die Rettungsdienste an ihre Grenzen.
In der französischen Region Gironde ordneten die Behörden die vollständige Evakuierung der Halbinsel Cap Ferret an. Mehr als 63.000 Menschen, darunter zahlreiche Touristen, mussten ihre Häuser und Campingplätze verlassen. Schiffe wurden eingesetzt, um die Evakuierung über das Wasser zu unterstützen. Ein Großbrand in der Nähe von Saumos bedroht die einzige Zufahrtsstraße zur Halbinsel. Dieser Brand ist der bisher größte der Saison in Frankreich. Er hat bereits über 12.500 Hektar Wald zerstört, mehr als 50 Häuser verbrannt und einen Campingplatz komplett vernichtet.
Die Flammen nähern sich auch Wohngebieten in der Nähe von Biscarrosse, wo Anwohner ihre Häuser auf Anweisung der Polizei fluchtartig verlassen mussten. Die französische Wetterbehörde Meteo France rechnet nach einer kurzen Abkühlung am Wochenende mit erneut steigenden Temperaturen in der kommenden Woche.
Südlich der Pyrenäen verschärft sich die Lage ebenfalls dramatisch. Westlich von Madrid sind zwei riesige Waldbrände miteinander verschmolzen, während ein drittes Feuer in der Provinz Ávila kurz davor steht, sich den Flammen anzuschließen. Die spanische Regierung erklärte daraufhin erstmals in der Geschichte des Landes wegen eines Waldbrandes den nationalen Notstand. Dieser Schritt gibt Bundesmittel frei, um die Katastrophe zu bekämpfen. Über 19.000 Menschen wurden aus den Bergregionen westlich der Hauptstadt evakuiert.
Mehr als 2.000 Einsatzkräfte und zehn Löschflugzeuge versuchen vergeblich, das Zusammenwachsen der Brandherde zu verhindern. In einer einzigen Siedlung wurden bereits 43 Gebäude zerstört. Die Polizei nahm eine Person fest, die im Verdacht steht, das Feuer in Ávila durch den Einsatz schwerer Maschinen in einem verbotenen Bereich ausgelöst zu haben.
Sowohl Frankreich als auch Spanien haben die Europäische Union um Hilfe gebeten. Griechenland schickt zwei CL-415-Löschflugzeuge nach Spanien, während Kroatien ein Canadair-Löschflugzeug mit Besatzung und technischem Personal nach Frankreich entsendet. Auch Italien unterstützt den EU-Reaktionsmechanismus und schickte ein Flugzeug nach Tunesien. Laut Umweltdaten hat die verbrannte Fläche in Europa in diesem Jahr bereits den Jahresdurchschnitt der letzten zwei Jahrzehnte überschritten. Wissenschaftler führen die Häufung und Intensität dieser Brände auf den durch Menschen verursachten Klimawandel zurück.
Die anhaltende Dürre hinterlässt auch in der Wirtschaft tiefe Spuren. In Frankreich steigen die Wassertemperaturen der Flüsse, die zur Kühlung von Atomkraftwerken genutzt werden. Das Kraftwerk Golfech 2 im Süden des Landes ist bereits seit Wochenbeginn gedrosselt, um Umweltschutzbestimmungen einzuhalten. Zudem leidet der französische Maisanbau erheblich unter der anhaltenden Trockenheit.



























