TEL AVIV, 26. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Israel wird eine multinationale Schutztruppe in den Gazastreifen lassen, wie ein israelischer Vertreter am Sonntag mitteilte. Die Entscheidung fällt genau einen Tag vor der Abreise des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu nach Washington, wo er voraussichtlich mit US-Präsident Donald Trump zusammentreffen wird.
Das Sicherheitskabinett des Ministerpräsidenten billigte den rechtlichen Rahmen für den Einmarsch der internationalen Einheiten. Die Mission trägt den Namen International Stabilization Force und soll aus zweihundert Mitgliedern aus befreundeten Staaten wie Uganda und Marokko bestehen. Diese Einheiten sollen in Gebieten stationiert werden, die nicht unter der Kontrolle des israelischen Militärs stehen.
Jedes einzelne Kontingent benötigt jedoch eine gesonderte israelische Genehmigung, bevor es das Gebiet betreten darf. Bisher ist noch völlig unklar, wann die Soldaten tatsächlich in der Region eintreffen und ihren Dienst aufnehmen werden. Große Teile des Gazastreifens sind nach zwei Jahren eines umfassenden Krieges weiterhin stark zerstört.
Dieser Konflikt wurde durch die von der Hamas angeführten Angriffe auf Israel im Oktober des Jahres 2023 ausgelöst. Nach dem im Oktober vereinbarten Waffenstillstand präsentierte der amerikanische Präsident Donald Trump einen detaillierten Friedensplan. Dieser sah eine deutliche Erhöhung der humanitären Hilfe, eine zivile Verwaltung durch palästinensische Technokraten sowie die Entwaffnung der Hamas und den Rückzug der israelischen Truppen vor.
Doch der gesamte Friedensplan geriet in den vergangenen Monaten ins Stocken. Das dafür vorgesehene Gremium namens National Committee for the Administration of Gaza befindet sich bislang außerhalb des Küstengebiets. Mittlerweile kontrolliert Israel schätzungsweise vierundsechzig Prozent des Gazastreifens.
Fast die gesamte Bevölkerung von rund zwei Millionen Menschen drängt sich auf einem schmalen Küstenstreifen unter der Kontrolle der Hamas. Die Menschen leben dort überwiegend in provisorischen Zelten oder beschädigten Gebäuden und sind mit katastrophalen Bedingungen konfrontiert.
Zudem hat die Hamas die von den internationalen Vermittlern geforderte Entwaffnung bislang konsequent abgelehnt. Als Reaktion darauf kündigte Israel an, seinen Kontrollbereich in dem Küstenstreifen auf siebzig Prozent auszuweiten. In diesen Zonen setzt das israelische Militär seine täglichen Angriffe nahezu ununterbrochen fort.
Der von den USA vorgelegte Plan sieht zudem ein übergeordnetes Friedensgremium vor, welches die Umsetzung der Vereinbarungen überwachen soll. Dieses Board of Peace soll unter anderem auch die internationale Schutztruppe kontrollieren und steuern. Aktuell plant diese übergeordnete Behörde eine humanitäre Modellzone für die palästinensische Zivilbevölkerung.
Durch diesen gezielten Versuch soll der zuvor ins Stocken geratene US-Friedensplan neuen Schwung erhalten. Nickolay Mladenov, der zuständige Gesandte des Friedensgremiums für den Gazastreifen, begrüßte den aktuellen israelischen Beschluss öffentlich.
„Es ist ein kritischer Teil des vereinbarten Rahmens zur Stabilisierung des Gazastreifens, zur Unterstützung der Demilitarisierung und zur Ermöglichung des Übergangs zu einer effektiven palästinensischen Übergangsverwaltung“, erklärte Mladenov auf der Plattform X.

























