Washington (Berlin Morgen Zeitschrift) September 21, 2026 – Die Regierung des US-Präsidenten Donald Trump hat nach Angaben von mit der Angelegenheit vertrauten Quellen Sanktionen gegen den gesamten Internationalen Strafgerichtshof vorbereitet und plant eine baldige Bekanntgabe. Dieser Schritt würde die Angriffe der US-Regierung auf das in Den Haag ansässige globale Tribunal, das Kriegsverbrechen und Völkermord verfolgt, maßgeblich verschärfen. Die genauen Zeitpunkte für die formelle Veröffentlichung blieben zunächst unklar, während Berichte darauf hindeuten, dass eine Entscheidung bereits während der Generalversammlung der Vereinten Nationen finalisiert werden könnte.
Hintergrund und US-Politik gegenüber dem Tribunal
Die Regierung hat keinen Hehl aus ihrer Ablehnung des Gerichts gemacht und sich intensiv darum bemüht, dessen Arbeit einzuschränken. US-Regierungsstellen fordern insbesondere, dass das Gericht die Haftbefehle gegen israelische Amtsträger sowie frühere Untersuchungen zu US-Militärangehörigen in Afghanistan einstellt.
US-Außenminister Marco Rubio hatte im Juli eine Kampagne zur Isolierung des Tribunals ins Leben gerufen und andere Staaten dazu aufgerufen, ihre Mitgliedschaft im Gerichtshof zu beenden. Zwar hatte Washington in der Vergangenheit bereits Restriktionen gegen einzelne Richter und Staatsanwälte des ICC verhängt, jedoch bislang davon abgesehen, Sanktionen gegen die Institution als Ganzes zu erlassen.
Das US-Außenministerium reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme zu den vorbereiteten Maßnahmen. Berichten des Wall Street Journal zufolge könnten die Sanktionen nach einer Übergangsfrist von sechs bis sieben Monaten sämtliche Transaktionen mit dem Gericht verbieten.
Mögliche Auswirkungen auf die Arbeit des Gerichtshofs
Sollten umfassende und institutionsweite Sanktionen durch das US-Finanzministerium erlassen werden, hätte dies gravierende Folgen für die operativen Abläufe des Internationalen Strafgerichtshofs. Entsprechende Maßnahmen würden US-Bürger und Unternehmen per Gesetz untersagen, dem Gericht ohne eine Ausnahmegenehmigung des Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums Finanzmittel, Güter oder Dienstleistungen bereitzustellen.
Finanzinstitute zeigen sich in der Praxis häufig übervorsichtig gegenüber derartigen US-Sanktionen, da sie auf den uneingeschränkten Zugang zum US-amerikanischen Finanzsystem angewiesen sind. Der Präsident und die Registratur des ICC haben wiederholt gewarnt, dass flächendeckende Sanktionen wesentliche Bereiche der Gerichtsbarkeit beeinträchtigen könnten.
Zu den betroffenen operativen Bereichen zählen nach Angaben der Gerichtsleitung unter anderem der Einkauf von IT-Dienstleistungen, der Abschluss von Versicherungen, die Beauftragung von Ermittlern sowie die Durchführung täglicher Finanztransaktionen. Dazu gehört auch die Bezahlung von Dutzenden US-amerikanischer Angestellter, die beim ICC beschäftigt sind.
Ursprung und Historie der Spannungen
Die grundsätzliche Ablehnung des Internationalen Strafgerichtshofs durch Donald Trump reicht bis in dessen erste Präsidentschaft zurück. Die aktuellen Pläne zur Sanktionierung von ICC-Verantwortlichen begannen sich im November 2024 zu formieren, als Donald Trump wiedergewählt wurde und der Gerichtshof kurz darauf einen Haftbefehl gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Gazakonflikt erließ.
Der Internationale Strafgerichtshof wurde im Jahr 2002 auf Grundlage des Römischen Statuts von der internationalen Staatengemeinschaft ins Leben gerufen, um Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu verfolgen. Das Gericht greift dabei auf den Grundsatz der Komplementarität zurück und übt seine Jurisdiktion nur dann aus, wenn ein Mitgliedstaat selbst nicht fähig oder nicht willens ist, entsprechende Straftaten strafrechtlich zu verfolgen. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind dem Römischen Statut zu keinem Zeitpunkt als Mitglied beigetreten.



























