Interview – Wo ist die Kirche in 5 Jahren ?
Diese und andere Fragen beantworten zwei Pfarrer
In zwei getrennten Gesprächen beantworteten der katholische Pastor Herr Höne und der evangelische Pfarrer Herr Dr. Warnemann Kirchen – aber auch persönliche Fragen. So sagten beide ,am Anfang unseres Interviews, auf die Frage nach dem typischen Tag im Leben eine Pfarrers, dass es diesen nicht gibt.
Zwar wären mit Gottesdiensten, Konfirmandenunterricht und Sitzungen feste Termine vorhanden, viele andere Aufgaben wie Beerdigungen, Seelsorgegespräche und ähnliches ließen sich aber nicht lange im voraus planen. Ein Arbeitstag könne deshalb auch recht lang werden.
Von daher sollte ein Pfarrer gut strukturiert arbeiten und auch immer wieder Zeit für sich selber freihalten. Beide wussten nicht von vornherein, dass ihr Traumberuf Pfarrer ist. Herr Höne hat zunächst eine Ausbildung zum Groß-und Außenhandelskaufmann absolviert bevor er für zwei Jahre in ein Kloster gegangen ist. Herr Warnemann fand durch den Zivildienst den Weg zum Theologiestudium. Beide haben ihre Entscheidung bis heute nie bereut.
Wo ist die Kirche in 5 Jahren wenn alles bleibt wie es heute ist ?
Höne: Heute steht die Kirche am Abgrund, in 5 Jahren ist sie einen Schritt weiter. Es wäre eine Katastrophe. Noch weniger würden angesprochen. Es würden sich wahrscheinlich auch noch weniger ehrenamtlich engagieren.
Warnemann: Sie wäre noch deutlich kleiner, es gäbe noch weniger Pfarrer, weniger Kirchen und weniger Kindergärten, sie würde vor der Frage stehen welche Dienste sie noch anbieten kann.
Was muss sich verändern ?

Höne: Wir müssen akzeptieren, dass wir nicht mehr die Volkskirche wie vor 20-30 Jahren sind. Wir sollten uns auf das Wesentliche konzentrieren: Verbreitung des Glaubens, Einzelbegleitung von Menschen in Wendepunkten und Krisen und Menschen bei der Sinnsuche Angebote machen. Ob ein Angebot von Schulen Kindergärten, Krankenhäusern oder Büchereien noch aufrecht erhalten werden kann sei zu hinterfragen.
Warnemann: Die Organisationsstruktur muss sich hinterfragen, bisher ist sie zu unflexibel. Es gibt weniger Pfarrer, also müssen wir überlegen wo wir diese sinnvoll einsetzen. Müssen bzw. können wir alle Angebote aufrecht erhalten? Vielleicht lieber gezielte Angebote von zum Beispiel Kinderbetreuung oder Diakonie je nachdem was in der Kirchengemeinde gebraucht wird. Wir sollten uns fragen was von unserem Angebot andere besser können und uns auf das Wichtige, Wesentliche konzentrieren.
Bleibt noch genug Zeit für die Seelsorge ?
Höne: Schwierig, weil es viele andere Aufgaben gibt. Allerdings wurde bereits begonnen ihn von Verwaltungsaufgaben zu entbinden und dieser Weg soll weiter gehen. Manche Strukturen müssten sich ändern. Aber Strukturen ändern ist gar nicht so einfach, weil sie auch Sicherheit gäben. Das vorhandene Seelsorgeteam konzentriert sich auf den Menschen.
Warnemann: Seelsorge ein so wichtiges Angebot, aber auch hier gilt die Aufgabenlast wird durch immer weniger Pfarrer immer stärker. Geschäftsführer und Seelsorger nur zwei von vielen Aufgaben eines Pfarrers. Wir müssen entscheiden was ist gerade nicht so wichtig, was kann warten. Hierbei sollten wir aber immer im Blick behalten, das sich viele Menschen in Krisensituationen an uns wenden, auch weil sie wissen ein Pfarrer ist verschwiegen. Für sie sind wir also oft die Notfalladresse. Sie können nicht warten.
Jesus auf den heutigen Weihnachtsmärkten, was würde er sagen ?

Höne: Auf den großen Weihnachtsmärkten würde er wahrscheinlich die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Es wäre ihm zu viel Kommerz und er würde sagen, dass habe er so nicht gewollt. Bei ihm im Ort gäbe es allerdings einen kleinen Weihnachtsmarkt an der Windmühle, hier würden Menschen selbst gemachte Dinge anbieten um anderen eine Freude zu machen. Hier würde sich Jesus wohl dazu stellen. Überall da, wo vermittelt würde, es ist eine besondere Zeit, wir leben gerade Gemeinschaft, da wäre er dabei.
Warnemann: Er würde sich eine Bratwurst bestellen. Er wäre bestimmt über manche Entwicklung traurig und nicht damit zufrieden, aber er würde Begegnungen suchen und mit den Menschen diskutieren. Er könnte uns mit Anregungen , Lachen und Optimismus in die richtige Richtung schubsen.
Hat sich der Ausdruck des Glaubens in den letzen Jahrhunderten verändert ?
Höne: Ja. Rosenkranz beten, Prozessionen, Andachten oder Anbetungen werden nicht mehr so praktiziert wie noch vor einigen Jahren. Man erreicht damit die Menschen auch nicht mehr. Heute ist es nicht mehr der strenge strafende Gott sondern der Wegbegleiter. Gott ist immer da auch wenn ich ihn nicht höre oder sehe.
Früher dachte man, ich muss möglichst viel beten, damit ich in den Himmel komme. Heute ist Gott eher im diesseits.
Warnemann: Manche Rituale oder Einsetzungsworte sind unverändert. Besonders in der Demenzarbeit merkt er hier, wie gut es ist, wenn ein an Demenz Erkrankter beim `Vater unser` mit einstimmt. Insgesamt hat sich aber die Ausdrucksweise des Glaubens stark verändert. Beginnend mit Luther der uns vermittelte, dass die Beziehung zu Gott eine eins zu eins Beziehung ist. Heißt diese Beziehung geht mich ganz direkt etwas an.
Welcher biblische Vers bedeutet ihnen am meisten ?
Höne: Lukas 24, 32
Brannte uns nicht das Herz in der Brust als er unterwegs mit uns redete ?
Oft denken wir in Krisensituationen dass wir allein sind. Merken dann aber im Nachhinein, dass wir sehr wohl auch in dieser Lage Trost und Unterstützung erhalten haben.
Warnemann: 2 Mose Kapitel 14/14
Der Herr wird für euch streiten, dann werdet ihr schweigen.
In manchen Situationen können wir einfach auf Gott vertrauen so wie damals die Israeliten. Wir müssen nicht kämpfen
Wo sollte sich Glauben täglich zeigen ?
Höne: Ein gläubiger Christ sollte anderen gegenüber offen und freundlich sein.
Mit offenen Augen durch die Schöpfung gehen und für sie und die Menschen dankbar sein . In Gelassenheit und Achtsamkeit mir und anderen gegenüber.
Warnemann: Viele wissen gar nicht, dass es mit Glauben zu tun hat, wenn ich den Nachbarn frage wie es ihm geht. Der Glaube ist immer praktisch. In den 10 Geboten zum Beispiel wird das Verhältnis zu Gott aber auch zum Nächsten geregelt.
Glaube, der sich nicht im Alltag finden lässt spielt seinen Reichtum nicht aus.
Gab es Begegnungen mit Menschen die Sie bis heute prägen ?
Höne: Alle Menschen die mich in intensiver Freundschaft begleiten oder begleitet haben haben mein Dasein geprägt.
Warnemann: Da gibt es mehrere Personen, die unterschiedlich geprägt haben, sei es die Eltern, Professoren, andere Pfarrer oder oder….
Haben auch Pfarrer eine Bucket Liste und falls ja was steht drauf ?
Höne: Flugreise, mehr Freiheit im Tagesablauf und noch einmal nach Rom
Warnemann: Renovierung der Kirche, Fremdsprache lernen, viel reisen.
Vielen Dank an Herrn Pastor Höne und Herrn Pfarrer Dr. Warnemann für die interessanten Gespräche.
Interview mit zwei Pfarrern – Wir bleiben am Ball für Sie.




























