Berlin, 16. März 2026 – Berlin Morgen Zeitschrift, Die Nahost Ölexporte sind in der Woche bis zum 15. März um mindestens 60 Prozent gegenüber dem Februar eingebrochen, wie Schifffahrtsdaten von Kpler und Vortexa belegen. Die weitgehende Sperrung der Straße von Hormus infolge des US-Iran-Krieges hat Exporteure aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Irak und fünf weiteren Förderländern zur Stornierung von Lieferungen und massiven Produktionskürzungen gezwungen. Analysten beziffern die gesamten Förderausfälle auf 7 bis 10 Millionen Barrel pro Tag. Die schwimmenden Öllager im Persischen Golf haben inzwischen 50 Millionen Barrel überschritten. Die Nahost Ölexporte befinden sich damit auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten – mit spürbaren Folgen für die globalen Rohölpreise.
Weltweites Nadelöhr unter Druck
Die Straße von Hormus zählt zu den strategisch bedeutsamsten Wasserstraßen der Erde. Durch diese enge Meerenge zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel fließt unter normalen Bedingungen etwa ein Fünftel des gesamten weltweiten Ölangebots. Seit der militärischen Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran ist die Passage für kommerzielle Tanker nahezu unpassierbar geworden. Exporteure aus der gesamten Region haben daraufhin Lieferungen storniert und die Förderung an zahlreichen Ölfeldern drastisch gedrosselt. Die Folgen sind global spürbar: Rohölpreise haben den höchsten Stand seit vier Jahren erreicht, während die Preise bestimmter Kraftstoffe und Raffinierieprodukte auf Rekordniveaus geklettert sind. Volkswirtschaften weltweit, die stark von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängig sind, sehen sich mit massiven Versorgungsengpässen konfrontiert.
„Die schwimmenden Lager für nahöstliches Rohöl haben diese Woche die Marke von 50 Millionen Barrel überschritten, verglichen mit einem Vorkriegsniveau von rund 10 Millionen Barrel“, sagte Kpler-Analyst Johannes Rauball.
Daten zeigen beispiellosen Rückgang
Aktuelle Schifffahrtsdaten des Analyseunternehmens Kpler liefern ein erschreckendes Bild der aktuellen Lage. Die Nahost Ölexporte aus acht zentralen Förderländern – Saudi-Arabien, Kuwait, Iran, Irak, Oman, Katar, Bahrain sowie die Vereinigten Arabischen Emirate – lagen in der Woche bis zum 15. März bei durchschnittlich 9,71 Millionen Barrel pro Tag. Im Vergleich zu einem Durchschnittswert von 25,13 Millionen Barrel pro Tag im Februar entspricht dies einem Rückgang von 61 Prozent. Die Nahost Ölexporte haben damit ein Niveau erreicht, das selbst pessimistischste Krisenszenarien übertrifft.
Noch dramatischer fallen die Zahlen des Konkurrenzunternehmens Vortexa aus. Dessen Daten zufolge sanken die Nahost Ölexporte derselben acht Länder auf lediglich 7,5 Millionen Barrel pro Tag – ein Einbruch von satten 71 Prozent gegenüber den 26,1 Millionen Barrel pro Tag, die im Februar noch verschifft wurden. Vor Ausbruch des Krieges entfielen auf diese acht Länder rund 36 Prozent der weltweiten Seefrachtexporte von Rohöl, die insgesamt 70,43 Millionen Barrel pro Tag ausmachten. Der plötzliche Wegfall dieser Mengen reißt eine klaffende Lücke in die globale Energieversorgung, die kurzfristig durch keine andere Region der Welt geschlossen werden kann.
Schwimmende Öllager explodieren auf Rekordniveau
Ein weiterer alarmierender Indikator für das Ausmaß der Krise ist der rasante Anstieg schwimmender Öllager im Persischen Golf. Tanker, die ursprünglich für den Export beladen wurden, verbleiben nun in der Region, da sie die Straße von Hormus nicht passieren können.
Dies bedeutet, dass die tatsächlichen Nahost Ölexporte noch niedriger sein könnten als die verfügbaren Schifffahrtsdaten bislang anzeigen, da erhebliche Mengen zwar in schwimmenden Lagern gebunden sind, den Golf jedoch nicht verlassen haben. Diese unsichtbare Ölreserve belastet zudem die regionale Lagerinfrastruktur und begrenzt die Fähigkeit der Produzenten, überhaupt weiter zu fördern.
Was die Krise für Deutschland wirklich bedeutet
Für Deutschland und Europa ist diese Krise weit mehr als ein vorübergehender Preisschock an der Zapfsäule. Die Bundesrepublik hat ihre Abhängigkeit von russischem Öl nach 2022 zwar deutlich reduziert, sich dabei aber stark auf nahöstliche Lieferanten neu ausgerichtet – eine Strategie, die nun ebenfalls ins Wanken gerät. Was viele Wirtschaftsplaner als stabile Alternative betrachteten, erweist sich als ebenso verwundbar. Industrieverbände warnen bereits vor Produktionsdrosselungen in energieintensiven Branchen. Politisch wächst der Druck auf Berlin und Brüssel, endlich ernsthaft in strategische Reserven und beschleunigte Energiewende-Infrastruktur zu investieren – nicht als Klimarhetorik, sondern als knallharte geopolitische Notwendigkeit.

Drohnenangriffe auf Fujairah verschärfen die Exportkrise
Neben der Sperrung der Straße von Hormus haben gezielte Drohnenangriffe auf den Hafen Fujairah in den Vereinigten Arabischen Emiraten die Nahost Ölexporte in den vergangenen Tagen zusätzlich empfindlich getroffen. Fujairah gilt als einer der wichtigsten Umschlagplätze für Öl außerhalb der Meerenge und hatte zuletzt als Ausweichroute gedient. Durch die Angriffe ist nun auch diese Alternative weitgehend ausgefallen. Die Ölströme, die derzeit noch fließen, beschränken sich im Wesentlichen auf Ausfuhren über Saudi-Arabiens Rotmeer-Hafen Yanbu sowie auf reduzierte Exporte aus dem Iran und Oman.
Produktionskürzungen treffen alle großen Förderländer
Die anhaltende Krise zwingt die großen Förderländer der Region zu massiven Einschnitten bei der Produktion. Die Vereinigten Arabischen Emirate, die vor dem Ausbruch des Konflikts rund 3,4 Millionen Barrel pro Tag förderten, haben ihre Produktion um mehr als die Hälfte reduziert, da fehlende Exportmöglichkeiten die verfügbaren Speicherkapazitäten rasch erschöpfen. Saudi-Arabien, der weltgrößte Ölexporteur, hat seine Förderung um 20 Prozent zurückgefahren. Besonders drastisch ist die Situation im Irak: Dort wurde die Produktion um rund 70 Prozent gedrosselt. Insgesamt schätzen Analysten, dass die gesamten Rohölproduktionskürzungen im Nahen Osten inzwischen zwischen 7 und 10 Millionen Barrel pro Tag liegen. Dieser Wert übertrifft jeden bisherigen historischen Vergleichswert und verdeutlicht das strukturelle Ausmaß der aktuellen Krise für die Nahost Ölexporte.
Globale Auswirkungen und Ausblick
Die Konsequenzen des Einbruchs der Nahost Ölexporte sind weltweit zu spüren. Importabhängige Volkswirtschaften in Asien, Europa und Afrika sehen sich mit rapide steigenden Energiekosten und drohenden Versorgungsengpässen konfrontiert. Internationale Organisationen und Energiebehörden haben Notfallmechanismen aktiviert, um strategische Reserven freizugeben. Dennoch bleibt die Situation angespannt, solange keine diplomatische Lösung für den US-Iran-Konflikt in Sicht ist und die Straße von Hormus weitgehend gesperrt bleibt.




























