Die Familie des Patienten soll isoliert werden
Die Familie eines US-amerikanischen Staatsbürgers, der sich in der Demokratischen Republik Kongo mit dem lebensgefährlichen Virus infiziert hat, wurde in eine Isolierstation des behandelnden Berliner Krankenhauses aufgenommen. Das deutsche Gesundheitsministerium teilte mit, dass die Ehefrau und die vier Kinder des Mannes mit einem Sonderflug nach Deutschland gebracht wurden. Sie gelten als enge Kontaktpersonen. Der betroffene medizinische Missionar Dr. Peter Stafford befindet sich in der Charité. Als registrierter Ebola-Patient wird er dort unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen behandelt. In Zentralafrika hat der Ausbruch eines seltenen Virusstamms bereits mehr als 130 Menschen das Leben gekostet. Die Weltgesundheitsorganisation hat das aktuelle Infektionsgeschehen offiziell zu einem gesundheitlichen Notfall von internationaler Tragweite erklärt.
Evakuierung aus dem afrikanischen Krisengebiet
Die Überführung des schwer erkrankten Chirurgen und seiner Angehörigen nach Europa erfolgte auf formellen Antrag der US-Behörden. Das Weiße Haus erklärte, die Charité in der deutschen Hauptstadt sei ausgewählt worden, weil Deutschland geografisch zwölf Stunden näher am Kongo liegt als die Vereinigten Staaten. Dies minimierte die Transportrisiken für den akut Erkrankten erheblich. Zudem hieß es aus Washington, dass Berichte über einen angeblichen Widerstand gegen eine Rückkehr in die USA unzutreffend seien.
Das deutsche Gesundheitsministerium gab keinen Kommentar zu den genauen Hintergründen der Aufnahme ab. Dr. Stafford hatte sich bei einer Operation in einem Krankenhaus in Bunia infiziert, bevor der regionale Ausbruch offiziell identifiziert wurde. Seine Familie lebte seit einigen Jahren mit ihm im Kongo. Dass der betroffene Ebola-Patient nun in Europa therapiert wird, mobilisiert die internationale Luftrettung.

Besonderheiten des seltenen Bundibugyo-Stamms
Medizinische Untersuchungen bestätigten, dass sich der Mediziner mit dem Bundibugyo-Ebolavirus infiziert hat. Diese seltene Spezies unterscheidet sich genetisch deutlich vom bekannteren Zaire-Stamm. Ein großes Problem für die behandelnden Mediziner ist, dass die bewährten Impfstoffe gegen diese Variante nahezu keine Schutzwirkung bieten. Zudem führten erste Diagnosetests zu falschen negativen Ergebnissen, da sie primär auf den Zaire-Stamm ausgelegt waren. Dies ermöglichte eine wochenlange, unentdeckte Ausbreitung des Erregers entlang zentraler Transportrouten. Historische Daten beziffern die Sterblichkeitsrate des Bundibugyo-Stamms auf 30 bis 50 Prozent. Er repliziert sich jedoch langsamer im menschlichen Gewebe als andere Varianten. Ein infizierter Ebola-Patient benötigt daher eine vollkommen andere supportive Pflege als bei herkömmlichen Ausbrüchen.
Strikte Sicherheitsvorkehrungen an der Charité
Die Ehefrau, ebenfalls eine approbierte Ärztin, und die vier Kinder sind auf der Hochisolationsstation des Virchow-Klinikums untergebracht. Bisher wurde von den Behörden nicht bestätigt, ob die Familienmitglieder selbst Symptome zeigen oder positiv getestet wurden. Die Station ist die größte ihrer Art in Deutschland und für die zeitgleiche Behandlung von bis zu 20 Personen ausgelegt. Sie verfügt über Schleusensysteme, Unterdruckräume und eine unabhängige Belüftung, um das Entweichen von Partikeln absolut zu verhindern. Dr. Scott Myhre, ein Regionaldirektor der zuständigen Missionsorganisation Serge, beschrieb den Zustand vor dem Abflug drastisch. Jeder transportierte Ebola-Patient bedeutet eine enorme logistische Herausforderung für die beteiligten Teams.
„Er war kaum stark genug zum Gehen und musste von Personal in kompletter persönlicher Schutzausrüstung physisch gestützt werden.“
Medizinische Infrastruktur und historische Wurzeln
Deutschland verfügt über ein spezialisiertes medizinisches Netzwerk namens STAKOB, das sieben Hochisolationseinheiten im gesamten Bundesgebiet umfasst. Diese Zentren sind exakt auf die hochsichere Behandlung hochgradig ansteckender Infektionskrankheiten ausgerichtet. Ein kritischer Ebola-Patient findet hier die modernsten Bedingungen vor. Die deutsche Bereitschaft zur Aufnahme internationaler Betroffener basiert auch auf den Erfahrungen aus der Westafrika-Ebola-Epidemie vor über zehn Jahren.
Damals wurden infizierte Mediziner erfolgreich in Hamburg und Frankfurt behandelt. Zudem reicht die historische Verbindung zu Filoviren zurück bis zum Marburg-Virus-Ausbruch im Jahr 1967. Damals infizierten sich Laborbeschäftigte in Hessen an importierten Meerkatzen. Da sich Marburg und Ebola strukturell ähneln, forschen deutsche Zentren seit Jahrzehnten an diesen Erregern.




























