Manchester (Berlin Morgen Zeitschrift) September 25, 2026 – Vier der einflussreichsten europäischen Fussballligen haben in einer gemeinsamen Erklärung weitreichende Reformen der FIFA-Unternehmensführung gefordert. Premier League, Bundesliga, Serie A und La Liga verlangen, dass betroffene Interessengruppen wieder aktiv und verbindlich in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Die Initiative folgt auf anhaltende und scharfe Kritik an der aktuellen Führungsspitze sowie an umstrittenen kommerziellen Grossprojekten des Weltverbandes.
Die offizielle Erklärung verdeutlicht, dass die Probleme in der Administration des Weltfussballs weit über das Handeln einzelner Personen hinausgehen. Im Zentrum der Kritik steht die Frage, ob der FIFA-Präsident gleichzeitig unkontrollierte regulatorische, kommerzielle und politische Macht ausüben darf, ohne dass wirksame Kontrollmechanismen greifen. Die unterzeichnenden Ligen betonten, dass die Zukunft des Sports von intakten globalen Fundamenten abhänge und die Integrität des Wettbewerbs geschützt werden müsse.
Kerngestaltungsforderungen und institutionelle Neuausrichtung
Die Koalition der europäischen Ligen listet konkrete strukturelle Veränderungen auf, die zur Stabilisierung der internationalen Fussballgovernance erforderlich sind. Gefordert wird unter anderem die Schaffung eines permanenten Beschlussgremiums, welches die wichtigsten Akteure des nationalen und internationalen Fussballs – darunter Verbände, Ligen, Vereine sowie Spielerinnen und Spieler aus dem Herren- und Frauenbereich – repräsentiert.
Darüber hinaus verlangen die Ligen, dass Entscheidungen künftig streng evidenzbasiert getroffen und die regulatorischen Aufgaben der FIFA klar von kommerziellen Aktivitäten getrennt werden. Laut der Erklärung sind diese institutionellen Schutzwälle unerlässlich, um einseitige Machtkonzentrationen zu verhindern, die den nationalen Wettbewerben und der breiten Fussballgemeinschaft schaden könnten.
Hintergrund der aktuellen Governance-Krise
Der koordinierte Vorstoss der europäischen Ligen folgt auf monatelange Spannungen hinsichtlich der administrativen Ausrichtung der FIFA und diverser Vermarktungspläne. Der Widerstand hatte sich insbesondere im Zuge von Plänen zur Kommerzialisierung und potenziellen Auslagerung von Kernturnieren verschärft.
Kritiker und Spielergewerkschaften wie FIFPRO Europe hatten bereits zuvor moniert, dass Vorhaben wie das inzwischen eingestellte Projekt „FIFA Forward Enterprise“ darauf abzielten, die wichtigsten Wettbewerbe des Sports ohne ausreichende Konsultation in finanzielle Vermögenswerte für privates Kapital umzuwandeln. Zwar wurden diese spezifischen Pläne nach starkem Widerstand von Kontinentalverbänden wie der UEFA, der CONCACAF und dem asiatischen Verband AFC schliesslich verworfen, doch sehen die nationalen Ligen systemische Sicherheitslücken als weiterhin ungelöst an.
Historische Parallelen und internationale Reaktionen
Die Verfasser der Erklärung verwiesen zudem auf frühere Reformzyklen, die vor mehr als zehn Jahren infolge strafrechtlicher Ermittlungen gegen hochrangige Fussballfunktionäre eingeleitet worden waren. Die aktuelle Stellungnahme unterstreicht, dass der Fussball in seiner jüngeren Geschichte erneut unter massiven Machtmissbräuchen innerhalb der Verbandsstrukturen gelitten habe, was verbindliche und unabhängige Kontrollmechanismen unumgänglich mache.
Während sich der Widerstand gegen die aktuelle Führung in mehreren europäischen Gremien verfestigt hat, bleibt die internationale Unterstützungsstruktur gespalten. Die FIFA-Spitze behält weiterhin Rückhalt bei verschiedenen nationalen Verbänden und regionalen Konföderationen außerhalb Europas. Die fortlaufende Debatte verdeutlicht tiefe strukturelle Differenzen darüber, wie Einnahmen, internationale Spielkalender und Solidaritätsfonds weltweit reguliert und verteilt werden sollen.



























