Halle (Berlin Morgen Zeitschrift) September 28, 2026 – Die ostdeutsche Wirtschaft wird nach Berechnungen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) im Jahr 2026 voraussichtlich um 0,9 Prozent wachsen und damit langsamer expandieren als das gesamte Bundesgebiet mit einem prognostizierten Plus von 1,3 Prozent. Getragen wird die konjunkturelle Erholung vor allem von einer steigenden Auslandsnachfrage, von der exportorientierte Industriezweige im Westen jedoch stärker profitieren als die ostdeutschen Bundesländer. Während Regionen wie Brandenburg ein überdurchschnittliches Wachstum verzeichnen, mussten andere ostdeutsche Länder wie Sachsen und Thüringen zuletzt Rückgänge der Wirtschaftsleistung hinnehmen.
Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat seine Konjunkturprognose für die ostdeutsche Wirtschaft veröffentlicht und dabei signifikante regionale Unterschiede innerhalb Deutschlands aufgezeigt. Demnach wird für die neuen Bundesländer im Jahr 2026 ein realer Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent erwartet. Im Vergleich dazu fällt der Zuwachs für Gesamtdeutschland mit 1,3 Prozent höher aus. Die Entwicklung macht deutlich, dass der wirtschaftliche Aufholprozess im östlichen Teil des Landes weiterhin gedämpft verläuft und hinter den gesamtstaatlichen Durchschnittswerten zurückbleibt.
Konjunkturelle Treiber Und Industrielle Strukturen Im Regionalen Vergleich
Hauptantriebskraft für die gegenwärtige wirtschaftliche Stabilisierung ist nach Angaben des IWH die anziehende Auslandsnachfrage. Dennoch schlägt sich dieser Impuls in den ostdeutschen Regionen in geringerem Maße nieder als im Westen der Bundesrepublik. Oliver Holtemöller, Leiter der Abteilung Makroökonomik und Vizepräsident am IWH, begründet dies mit der strukturellen Zusammensetzung der Wirtschaft: Exportorientierte Industrien besitzen in Ostdeutschland ein geringeres Gewicht als in den westdeutschen Wirtschaftsräumen.
Bereits im ersten Halbjahr des Jahres 2026 zeigte sich diese Diskrepanz in den amtlichen Daten deutlich. Während die gesamte Wirtschaftsleistung in Deutschland in den ersten sechs Monaten um 0,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahres lag, betrug der Zuwachs in Ostdeutschland lediglich 0,5 Prozent. Noch deutlicher fallen die Unterschiede bei der Betrachtung einzelner Bundesländer aus. Brandenburg verzeichnete im ersten Halbjahr ein starkes Wachstum von 1,4 Prozent, und auch Berlin lag mit einem Plus von 0,9 Prozent auf Höhe des Bundesdurchschnitts. Sachsen-Anhalt wuchs um 0,6 Prozent. Demgegenüber stand jedoch ein Rückgang der Wirtschaftsleistung in Sachsen um 0,3 Prozent sowie in Thüringen um 0,8 Prozent.
Branchenspezifische Entwicklungen Und Regionale Belastungsfaktoren
Die Untersuchung des IWH differenziert zudem zwischen den betroffenen Wirtschaftszweigen und externen Faktoren, die die Konjunktur beeinflussen. So hob das Institut hervor, dass der für das dritte Quartal von führenden Wirtschaftsforschungsinstituten prognostizierte Produktionsdämpfer infolge von Niedrigwasserständen im Rhein ausschließlich die westdeutsche Wirtschaft betrifft. Ostdeutsche Industrie- und Transportstrukturen bleiben von diesem spezifischen regionalen Belastungsfaktor verschont, was jedoch nicht ausreicht, um den generellen Rückstand im Exportwachstum auszugleichen.
Die unterschiedliche Gewichtung von Industrie und Dienstleistungen prägt seit Jahren das wirtschaftliche Gefälle zwischen den Regionen. Während energieintensive Industriezweige im Westen stärker verankert sind, spielen in Ostdeutschland Dienstleistungssektoren, der Handel, der Verkehr sowie das Gastgewerbe eine tragende Rolle. Dennoch reichen diese Branchenstrukturen derzeit nicht aus, um ein mit dem Westen vergleichbares Gesamtwachstum zu erzeugen.
Prognosen Für Die Arbeitsmarkt- Und Wirtschaftsentwicklung Bis 2028
Für die kommenden Jahre geht das IWH von einer schrittweisen Angleichung der Wachstumsraten aus. Nach dem Zuwachs von 0,9 Prozent im Jahr 2026 rechnet das Institut für das Jahr 2027 erneut mit einer Wachstumsrate von 0,9 Prozent für die ostdeutsche Wirtschaft. Im Jahr 2028 soll sich das Wachstum auf 0,4 Prozent belaufen, womit sich die ostdeutsche Dynamik weitgehend an das westdeutsche Niveau annähern würde.
Parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung prognostiziert das IWH eine schrittweise Verbesserung auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenquote in den neuen Bundesländern wird für das Gesamtjahr 2026 bei durchschnittlich 7,9 Prozent erwartet. In den darauffolgenden Jahren soll diese Quote kontinuierlich sinken: Für 2027 prognostizieren die Halleschen Forscher einen Rückgang auf 7,7 Prozent, im Jahr 2028 soll die Arbeitslosenquote voraussichtlich 7,3 Prozent erreichen. Damit bleibt die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland jedoch weiterhin über dem bundesweiten Durchschnitt, für den das gemeinsame Herbstgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute niedrigere Quoten veranschlagt.
Die vollständigen Daten und Analysen sind Teil der regelmäßigen Konjunkturberichterstattung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, das die wirtschaftliche Entwicklung der ostdeutschen Bundesländer im Kontext der gesamtwirtschaftlichen Lage in Deutschland kontinuierlich überwacht und bewertet.



























