Berlin (Berlin Morgen Zeitschrift) – Italienische und deutsche Behörden haben eine grenzüberschreitende Geldwäscheoperation aufgedeckt, bei der 4,5 Millionen Euro aus dem italienischen Universitätssportverband CUS Napoli abgezweigt und ein großer Teil davon nach Deutschland transferiert wurde, wo Ermittler nun Vermögenswerte im Wert von 7 Millionen Euro beschlagnahmt haben.
Der Fall, der am 3. September 2026 bekannt wurde, gehört zu den komplexesten Finanzermittlungen, die in den vergangenen Jahren einen öffentlich finanzierten Sportverband betroffen haben. Der Fall verbindet Korruptionsvorwürfe mit dem fortgeschrittenen Einsatz von Briefkastenfirmen und internationalen Geldtransfers.
Wie soll das 4,5-Millionen-Euro-System funktioniert haben?
Im Mittelpunkt dieser Ermittlungen steht das Muster aus Überweisungen, Barzahlungen und Zahlungen mittels POS-Karten, die zwischen 2018 und 2024 angeblich dazu dienten, vom CUS Napoli zugewiesene Gelder für private Zwecke abzuzweigen. Den Ermittlungen zufolge führte der ehemalige gesetzliche Vertreter des Verbandes regelmäßig eine Reihe von Banküberweisungen, Barzahlungen und POS-Kartenbelastungen durch, insbesondere während der letzten Phase seiner Tätigkeit beim Verband.
💶 Money laundering scheme involving EUR 4.5 million exposed
The Italian and German authorities, in collaboration with Eurojust, uncovered the diversion & misuse of grants and funding intended for a sports association for personal gain.
👉 https://t.co/wJZW9yMqmT pic.twitter.com/IDoaSLySRR
— Eurojust (@Eurojust) September 4, 2026
Was einen zweiten Sportverband betrifft, der in Gerichtsunterlagen als „CSU“ bezeichnet wird, bestand dessen Rolle darin, die Herkunft der vom CUS erhaltenen Gelder zu verschleiern. Es wird behauptet, dass CSU keine organisatorische und verwaltungstechnische Autonomie besaß und als Verbindungsglied diente, um Gelder vom Verband wegzuleiten.
Wohin floss das gewaschene Geld?
Etwa 2,5 Millionen Euro der 4,5 Millionen Euro, die als illegal erlangt zurückverfolgt wurden, wurden an Familienangehörige weitergeleitet und anschließend größtenteils auf deutsche Bankkonten eingezahlt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Neapel wurde das Geld in Deutschland anschließend in Finanzprodukte, geschäftliche Aktivitäten sowie den Kauf oder die Renovierung von Immobilien reinvestiert. Die grenzüberschreitende Dimension erschwerte die Nachverfolgung, ermöglichte jedoch auch eine umfangreiche präventive Beschlagnahmung, nachdem deutsche Behörden die Vermögenswerte identifiziert hatten.
Welche Vermögenswerte wurden beschlagnahmt und wo?
Italienische und deutsche Polizeikräfte führten am 3. September 2026 Beschlagnahmungen durch, nachdem die Staatsanwaltschaft Neapel entsprechende Anträge gestellt und die Maßnahmen über Eurojust und die Staatsanwaltschaft Köln koordiniert hatte. Das Ergebnis der Razzien war das Einfrieren von Vermögenswerten im Wert von 7 Millionen Euro. Zu den beschlagnahmten Vermögenswerten gehören 83 Bankkonten in Deutschland, 21 Immobilien, zwei Luxusautos und vier Unternehmen. Das Ausmaß der Beschlagnahmungen zeigt, wie schnell die justizielle Zusammenarbeit innerhalb der EU Vermögenswerte einfrieren kann, sobald diese Grenzen überschreiten.
Wer wird im Fall CUS Napoli untersucht?
Derzeit wird gegen drei Verdächtige ermittelt, darunter der ehemalige Präsident und Rechtsanwalt des CUS Napoli. Italienischen Medien zufolge handelt es sich bei dem ehemaligen Präsidenten um Elio Cosentino, einen ehemaligen Akademiker, der bis 2025 viele Jahre lang Führungspositionen beim CUS innehatte. Die Ehefrau des Beschuldigten, Elisabeth Katharina Wisskirchen, soll mit Vorwürfen im Zusammenhang mit einem geringfügigen Fall einer Reinvestition in Höhe von etwa 30.000 Euro konfrontiert sein.
Was sagen die Ermittler über das Vorgehen?
Giuseppina Loreto, stellvertretende Staatsanwältin, und Luigi Landolfi, Ermittlungsrichter der Staatsanwaltschaft Neapel, überwachten die Ermittlungen, die zur Ausstellung des Beschlagnahmebeschlusses über 7 Millionen Euro durch einen neapolitanischen Richter (GIP) führten. Die operative Seite der Ermittlungen wurde von der Guardia di Finanza, der italienischen Wirtschafts- und Finanzpolizei, durchgeführt. Nach Angaben der Ermittler wurde der CUS
„wie eine Art Familienkasse betrieben, wobei ein Verband lediglich als Fassade eingerichtet wurde, um Zugang zu öffentlichen Geldern zu erhalten.“
Die Ermittler verwiesen außerdem auf bestimmte Verhaltensmuster, die als Warnsignale dienten. Manchmal wurden Überweisungen nach Mitternacht über Homebanking vorgenommen und in mindestens einem Fall während einer Mitgliederversammlung zur Wahl der neuen Verbandsführung.



























