Krisen, Kosten, Konsum: Deutschlands Brauereien kämpfen ums Überleben
Fast 100 Brauereien weniger seit 2019 – Trendwende nach Boomjahren
Deutschlands Brauereien kämpfen ums Überleben – Die Zahl der Brauereien in Deutschland ist erstmals seit Jahren wieder deutlich gesunken.
Laut dem Deutschen Brauer-Bund (DBB) und vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamts gibt es 2024 93 Betriebe weniger als noch vor fünf Jahren.
Damit ist die Zahl auf 1.459 Braustätten gefallen – ein herber Einschnitt für eine Branche, die noch vor wenigen Jahren durch den Craftbier-Boom eine regelrechte Gründerwelle erlebte.
Trotzdem liegt die Anzahl weiterhin über dem Stand von 1995, als es in Deutschland rund 1.300 Brauereien gab.
Doch der positive Trend ist vorerst gestoppt – und die Gründe dafür sind vielfältig.
Corona, Energiekrise und Preisdruck setzen Branche unter Druck
„Erst Corona, dann die Energiepreise – und jetzt die Kaufzurückhaltung“, fasst DBB-Präsident Christian Weber die Herausforderungen der Branche zusammen.
Vor allem kleine und mittelständische Brauereien seien betroffen, denen das Kapital fehle, um Krisen zu überstehen oder dringend notwendige Investitionen zu tätigen.

Viele Betriebe würden zudem nicht die Preise verlangen können, die zur Kostendeckung notwendig wären.
Im Wettbewerb mit Großkonzernen oder Discountern seien viele handwerklich arbeitende Brauer im Nachteil.
Das führe häufig zu einem Dilemma: „Am Ende steht die Frage, ob man nach Generationen die Tore schließen muss“, so Weber.
Bayern besonders stark betroffen – Tradition unter Druck
Besonders hart trifft es Bayern, das mit Abstand die meisten Brauereien in Deutschland beheimatet.
Dort mussten 50 Betriebe schließen – ein Rückgang von acht Prozent.
Auch in Nordrhein-Westfalen (–24) und Hessen (–14) sind viele Braustätten verschwunden.
Relativ gesehen sind es dort sogar 15 bis 16 Prozent, da die Ausgangszahl kleiner war.
Auffällig ist: Nicht nur neue Start-ups verschwinden, sondern auch Familienbetriebe mit langer Geschichte – teilweise mit einer Tradition über mehrere Generationen.
Energiepreise als Schicksalsfrage für die Branche – Deutschlands Brauereien kämpfen ums Überleben
Ein zentraler Kostenfaktor ist Energie. Besonders das Brauen, Kühlen und Reinigen ist energieintensiv.
Bei Großbrauereien machen Energiekosten 10 bis 15 Prozent der Produktionskosten aus, bei kleineren Betrieben bis zu 20 Prozent oder mehr.
Hinzu kommt: Die Branche steht unter dem Druck, bis 2045 klimaneutral zu werden.
Für viele bedeutet das eine komplette Umstellung von Gas auf Strom – eine Investition, die sich viele kleine Brauereien schlicht nicht leisten können.
Zudem sind viele Technologien dafür noch in der Entwicklung, was die Planbarkeit zusätzlich erschwert.
Sinkender Bierkonsum verschärft die Lage – Deutschlands Brauereien kämpfen ums Überleben
Neben den strukturellen und wirtschaftlichen Problemen kämpft die Branche auch mit einem gesellschaftlichen Wandel:
Der Bierkonsum in Deutschland sinkt seit Jahrzehnten.
- 1980: 145 Liter pro Kopf
- 2024: unter 90 Liter pro Kopf
Im Vergleich zu 2023 ging der Bierabsatz um weitere 1,4 Prozent auf 8,3 Milliarden Liter zurück – der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung.
Seit 2014 sind damit rund 1,3 Milliarden Liter Absatz verloren gegangen.
Gründe sind unter anderem:
- Gesundheitstrends
- Weniger Alkoholkonsum bei Jüngeren
- Alternde Bevölkerung
Unsichere Zukunft für Deutschlands Bierkultur – Brauereien kämpfen ums Überleben
Die deutsche Brauereilandschaft, einst weltweit für ihre Vielfalt und Qualität gerühmt, steht vor einem Umbruch.
Traditionelle Betriebe, innovative Craftbrauer und regionale Marken kämpfen mit denselben Herausforderungen: steigende Kosten, sinkende Nachfrage und ungewisse Zukunftsaussichten.
Ob sich der Trend umkehren lässt, hängt laut Branchenkennern von vielen Faktoren ab – politische Rahmenbedingungen, Energiepreise, Innovationskraft, aber auch davon, ob Bier in Deutschland künftig wieder mehr als nur ein Getränk, sondern wieder Teil gelebter Kultur ist.
Fest steht: Die Brauereien brauchen mehr als Hopfen und Malz, um zu überleben – sie brauchen Planbarkeit, Unterstützung und eine treue Kundschaft.
Brauereien kämpfen ums Überleben – Wir bleiben am Ball für Sie. BerlinMorgen.