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Home Weltnachrichten

Hormus-Sperrung: Kallas schlägt Schwarzmeer-Modell als Ausweg vor Brüssel 2026

by Ingo Noack
2026-06-30
in Weltnachrichten
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EU verschärfte Visabestimmungen für Russen
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Brüssel, 16. März 2026 – Berlin Morgen Zeitschrift, Die Hormus-Sperrung stellt die internationale Gemeinschaft vor eine ernste Bewährungsprobe. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat in Brüssel bestätigt, dass sie mit UN-Generalsekretär António Guterres über eine Initiative gesprochen hat, die sich am Schwarzmeer-Getreideabkommen orientiert und die Hormus-Sperrung überwinden soll. Kallas warnte eindringlich vor den Folgen für die globale Energieversorgung Asiens sowie vor einem drohenden Düngemittelengpass, der im Folgejahr zu Nahrungsmittelknappheit führen könnte. Zusätzlich diskutierten EU-Außenminister eine mögliche Ausweitung des Mandats der EU-Marineoperation Aspides, die bislang Handelsschiffe im Roten Meer vor Huthi-Angriffen schützt.

Kallas spricht mit Guterres über Schwarzmeer-Modell

Vor dem regulären Treffen der EU-Außenminister in Brüssel bestätigte Kallas, dass sie die Idee bereits in direkten Gesprächen mit UN-Generalsekretär António Guterres erörtert habe. Das Schwarzmeer-Modell, das während des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine einen gesicherten Getreidekorridor durch das Schwarze Meer ermöglichte, dient dabei als diplomatische Blaupause. „Ich hatte Gespräche mit António Guterres darüber, ob es möglich wäre, eine ähnliche Initiative wie die Schwarzmeer-Initiative auch für die Hormus-Sperrung umzusetzen“, erklärte Kallas gegenüber den versammelten Journalisten. Die Initiative zeigt, dass die EU nicht länger passiv auf die eskalierende Lage reagieren will, sondern aktiv nach multilateralen Lösungen sucht, die sowohl wirtschaftliche als auch humanitäre Konsequenzen abfedern sollen.

Warum die Hormus-Sperrung die Welt in Gefahr bringt

Die Straße von Hormus ist keine gewöhnliche Wasserstraße. Durch diese schmale Meeresenge zwischen dem Iran im Norden und Oman sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten im Süden fließt ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Erdöls und Flüssigerdgases. Energieexperten bezeichnen sie als neuralgischen Punkt der globalen Versorgungsinfrastruktur. Eine anhaltende Hormus-Sperrung würde vor allem die asiatischen Volkswirtschaften treffen, die in hohem Maße auf Energieimporte aus dem Persischen Golf angewiesen sind. Japan, Südkorea, Indien und China zählen zu den größten Abnehmern von Rohöl aus der Region. Doch auch europäische Märkte blieben von den Auswirkungen nicht verschont, da steigende Energiepreise weltweit zu spüren wären.

Kallas bezeichnete die aktuelle Lage unmissverständlich als „wirklich gefährlich“ für die Energieversorgung ganzer Kontinente und machte deutlich, dass die EU die Hormus-Sperrung als ernstes geopolitisches Risiko einordnet.

Die unsichtbare Folge der Hormus-Sperrung

Abseits der unmittelbaren Energiefrage warnte Kallas vor einer weiteren, weniger sichtbaren, aber potenziell verheerenden Konsequenz der Hormus-Sperrung: einem weltweiten Düngemittelengpass. Durch die Straße von Hormus werden nicht nur Energieträger transportiert, sondern auch wesentliche Rohstoffe für die Herstellung von Kunstdünger, darunter Ammoniak und Schwefel. Fällt dieser Transportkorridor über einen längeren Zeitraum aus, gerät die globale Düngemittelproduktion ins Stocken. Die Folgen für die Landwirtschaft wären gravierend: Weniger verfügbare Düngemittel bedeuten geringere Ernteerträge, was wiederum zu steigenden Lebensmittelpreisen und in vulnerablen Regionen zu echter Nahrungsmittelknappheit führt.

Kallas machte deutlich, dass ein Düngemittelmangel in der laufenden Anbausaison die Ernte des kommenden Jahres unmittelbar gefährdet. Die Hormus-Sperrung ist damit nicht nur ein energiepolitisches Problem, sondern eine ernährungspolitische Bedrohung von globalem Ausmaß.

Europa lernt aus seinen Energiefehlern

Was Kallas in Brüssel anstößt, ist mehr als ein diplomatischer Testballon. Europa hat aus der Energiekrise nach dem Ukraine-Krieg eine bittere Lektion gelernt: Wer Versorgungswege nicht aktiv absichert, zahlt den Preis an der Zapfsäule und im Supermarkt. Dass die EU nun bereit scheint, ihre Marinepräsenz im Nahen Osten strategisch zu denken statt nur reaktiv zu handeln, ist ein Reifungszeichen. Für Deutschland, das seinen Industriestandort mit bezahlbarer Energie verteidigen muss, steht bei einer dauerhaften Hormus-Blockade ungleich mehr auf dem Spiel als für andere europäische Partner.

Mandat vor möglicher Ausweitung

Ein weiterer zentraler Tagesordnungspunkt beim Brüsseler Ministertreffen war die Frage, ob das Mandat der EU-Marineoperation Aspides angepasst werden sollte. Aspides schützt derzeit Handelsschiffe im Roten Meer vor Drohnen- und Raketenangriffen der jemenitischen Huthi-Miliz und hat sich seit seinem Bestehen als verlässliche Schutzoperation erwiesen. Kallas brachte zur Diskussion, ob eine Erweiterung des Mandats sinnvoll wäre, um europäische Schiffe auch im Bereich der Straße von Hormus zu begleiten und abzusichern. Eine solche Mandatserweiterung würde die strategische Reichweite der EU im Nahen Osten erheblich vergrößern und dem diplomatischen Schwarzmeer-Ansatz einen glaubwürdigen militärischen Schutzrahmen verleihen. Die endgültige Entscheidung darüber liegt bei den Mitgliedstaaten, die unterschiedliche Positionen zu einer stärkeren militärischen EU-Präsenz in der Region vertreten.

Schwarzmeer-Initiative als Erfolgsmodell und seine Grenzen

Das Schwarzmeer-Getreideabkommen, das 2022 unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei zustande kam, gilt international als eines der wenigen erfolgreichen Beispiele für humanitäre Diplomatie inmitten eines aktiven Krieges. Es ermöglichte die sichere Verschiffung von Millionen Tonnen ukrainischen Getreides und verhinderte eine unmittelbare globale Nahrungsmittelkrise. Gleichzeitig zeigt die Geschichte dieses Abkommens auch seine Anfälligkeit: Russland trat mehrfach aus der Vereinbarung aus und setzte sie als Druckmittel ein. Ob ein analoges Modell für die Hormus-Sperrung tragfähiger wäre, hängt entscheidend von der Kooperationsbereitschaft des Iran ab, der die Meeresenge geografisch kontrolliert. Internationale Beobachter betonen, dass ein solches Abkommen nur dann Bestand haben kann, wenn alle Schlüsselakteure verlässliche Anreize zur Teilnahme erhalten.

Internationaler Druck wächst – Lösung bleibt komplex

Die Hormus-Sperrung rückt die Straße von Hormus einmal mehr ins Zentrum der internationalen Sicherheitspolitik. Kallas hat mit ihrem öffentlichen Vorstoß eine wichtige Debatte in Gang gesetzt, die über die Grenzen Europas hinaus Widerhall findet. Die Vereinten Nationen, die Golfstaaten und die Großmächte stehen gleichermaßen vor der Herausforderung, einen belastbaren Interessenausgleich zu finden, der sichere Handelswege garantiert, ohne bestehende Konflikte weiter zu eskalieren. Die EU positioniert sich dabei als ehrlicher Makler, der multilaterale Lösungen bevorzugt und wirtschaftliche wie humanitäre Stabilität in den Vordergrund stellt. Ob das Schwarzmeer-Modell die Hormus-Sperrung tatsächlich überwinden kann, bleibt offen – doch der politische Wille Europas ist erkennbar. Kallas hat das Signal gesendet, dass die EU bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Ingo Noack

Ingo Noack

Unternehmensberater, Gründer, und Autor; Wirtschaft & Politik, Neue Medien, Digitalisierung.

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