GENF, 14. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Am Sonntag kam es in Genf zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, nachdem Teilnehmer einer Anti-G7-Demonstration UN-Gebäude ins Visier genommen hatten. Der Vorfall ereignete sich im Vorfeld des 52. G7-Gipfels, der vom 15. bis 17. Juni in Évian-les-Bains auf der französischen Seite der Grenze stattfindet.
Nach Angaben eines Reuters-Augenzeugen begannen die Unruhen, als eine Gruppe von Demonstranten vom geplanten Demonstrationszug abwich und sich auf das Gelände der Vereinten Nationen zubewegte. Dabei bewarfen Beteiligte ein Telekommunikationsgebäude der UN mit Steinen und zündeten Leuchtfackeln.
Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Tränengas, um die Menschenmenge zu zerstreuen und die Militanten von der kritischen Infrastruktur zurückzudrängen. Sprecher Alexandre Brahier bestätigte, dass die Beamten die Räumung des Bereichs anordneten, um ein weiteres Vordringen der Gruppierungen zu verhindern.
Abseits des UN-Geländes kam es zu weiteren Ausschreitungen. Eine maskierte Gruppe riss Sicherheitsbarrieren vor einer Filiale der Banque du Léman nieder und zerstörte deren Fensterscheiben. In der Nähe der Protestroute setzten Randalierer zudem ein Fahrzeug vom Typ Tesla in Brand. Einsatzkräfte der Feuerwehr mussten unter dem Schutz einer Polizeikette den Brand löschen, um ein Übergreifen der Flammen auf umliegende Gebäude zu verhindern.
An der Demonstration nahmen schätzungsweise 20.000 Menschen teil, darunter Umweltschützer, Feministen und antiimperialistische Gruppierungen. Unter ihnen befanden sich laut Sicherheitsbehörden etwa 600 Mitglieder des sogenannten Black Bloc, die maßgeblich für die gewaltsamen Angriffe verantwortlich gemacht werden.
Die Behörden befürchten eine Wiederholung der Ereignisse des G8-Gipfels von 2003, der seinerzeit zu massiven Zerstörungen in Genf führte. Zur Sicherung des aktuellen Gipfels wurden umfassende Maßnahmen ergriffen. Von den insgesamt 35 Straßenübergängen zwischen der Schweiz und Frankreich wurden 28 geschlossen, sodass der Grenzverkehr über nur noch sieben kontrollierte Passagen abgewickelt wird.
Auf dem Genfer See setzen die Behörden zudem ein gemeinsames Aufgebot aus Polizeibooten und Sonarsystemen ein, um mögliche Angriffe vom Wasser aus zu verhindern. Eine Besonderheit der Protestorganisation war der Einsatz technischer Hilfsmittel: Organisatoren verteilten verschlüsselte USB-Sticks mit Kartenmaterial und Kommunikations-Apps, um die digitale Überwachung durch Sicherheitsbehörden zu umgehen.
„Wir haben rund 1.000 Polizeibeamte in erhöhter Alarmbereitschaft, um Ausschreitungen während der Ankunft der internationalen Staatschefs abzufedern“, erklärte ein Vertreter der Sicherheitsbehörden.
Die Demonstranten hatten sich im Vorfeld in verschiedenen Lagern organisiert. Während in Genf der Hauptmarsch stattfand, haben Tausende Aktivisten ein selbstverwaltetes Zeltlager im französischen Annemasse errichtet. Die Stimmung bleibt angespannt, da die Stadt Genf weiterhin das Hauptdrehkreuz für internationale Aktivisten bleibt, die den G7-Gipfel als illegitime Allianz globaler Macht ablehnen. In der Innenstadt hatten viele Geschäftsleute aus Sorge vor Sachbeschädigungen ihre Schaufenster bereits Tage zuvor mit Holzplatten verbarrikadiert.




























