BRÜSSEL, 2. Juli (Berlin Morgen Zeitschrift) – Der europäische Kryptomarkt hat sich zum 1. Juli drastisch verändert. An diesem Stichtag endete die Übergangsphase der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte, kurz MiCA.
Unternehmen, die zuvor unter nationalen Registrierungen operierten, mussten für das weitere Angebot ihrer Dienstleistungen in der EU eine vollständige Lizenz als Crypto-Asset Service Provider (CASP) vorweisen. Die Mehrheit der Anbieter konnte diese Hürde nicht nehmen.
Nach Ablauf der Frist zeigen öffentliche Register der EU noch 244 lizenzierte CASPs in 25 Jurisdiktionen. Vor der Einführung von MiCA gab es noch rund 3.167 Firmen mit nationalen Kryptoregistrierungen in Europa. Im Vergleich zu dieser Basis sind knapp 92 Prozent des Marktes verschwunden oder haben ihren Betrieb in der EU eingestellt.
Die Gewinner der neuen Regulierung
Für Investoren steht nicht das Verschwinden der zahlreichen Anbieter im Fokus, sondern die kurze Liste der lizenzierten Überlebenden. Einige dieser Unternehmen sind börsennotiert und könnten von der bereinigten Konkurrenzsituation profitieren.
Coinbase Global Inc. nutzte die Zeit vor der Frist, um eine MiCA-Lizenz zu erlangen und ein Zentrum in Luxemburg zu eröffnen. Dadurch kann das Unternehmen seine regulierten Dienste nun in alle 27 EU-Mitgliedstaaten ausweiten. Eine einzige Lizenz deckt damit einen Markt mit 450 Millionen Menschen ab. Dieser regulatorische Schutzwall ist für kleinere, nicht lizenzierte Konkurrenten kaum zu überwinden.
Robinhood Markets Inc. verschaffte sich über die Übernahme der Börse Bitstamp Zugang zum EU-Markt. Bitstamp gilt als eine der ältesten Handelsplattformen Europas und verfügt über eine in der EU gültige MiCA-Lizenz. Da unregulierte Plattformen ihre Dienste für EU-Kunden einstellen müssen, verlagert sich das Handelsvolumen zwangsläufig auf lizenzierte Anbieter. Bitstamp ist ein direkter Empfänger dieser Volumenwanderung.
Stablecoin-Markt unter Druck
Die Auswirkungen der Regulierung zeigen sich besonders deutlich bei den Stablecoins. Die Circle Internet Group Inc. ist der einzige Emittent unter den zehn größten Stablecoin-Anbietern, der die MiCA-Zulassung sowohl für seinen auf Dollar lautenden Token USDC als auch für den Euro-Token EURC erhalten hat.
Der Hauptkonkurrent Tether beantragte keine Zulassung. In der Folge haben lizenzierte europäische Börsen den Handel mit dem Stablecoin USDT eingestellt. Damit verschwanden rund 185 Milliarden Dollar des weltweit meistgehandelten Stablecoins von den regulierten Handelsplätzen des Kontinents.
„Die Konzentration auf dem Markt ist bemerkenswert, da nur noch 14 Unternehmen in der gesamten EU die Zulassung für den Betrieb einer vollständigen Orderbuch-Handelsplattform erhalten haben“, heißt es in einer Analyse zur Marktentwicklung.
Rückzug der Branchengrößen
Die beiden größten Verlierer der neuen Regeln sind nicht börsennotiert. Binance, die weltweit größte Kryptobörse, zog ihren Lizenzantrag in Griechenland kurz vor Ablauf der Frist zurück und schränkte ihre Dienste in mehreren EU-Staaten ein. Auch Tether entschied sich gegen eine Umstrukturierung seiner Reserven gemäß den MiCA-Standards.
Für die börsennotierten Unternehmen ist dieser Rückzug von Bedeutung, da er die stärksten Wettbewerber aus dem regulierten Umfeld entfernt. Jeder Euro an Handelsvolumen, der nicht mehr legal über Binance oder in USDT abgewickelt werden kann, muss nun einen lizenzierten Weg finden. Deutschland nimmt dabei eine führende Rolle ein und vereint 57 der insgesamt 244 Lizenzen auf sich, was einem Anteil von etwa 23 Prozent entspricht.
Regulatorische Unsicherheiten bleiben
Trotz der Marktbereinigung ist die Lage für Investoren nicht eindeutig. Europa stellt nur einen Teil des Umsatzes für Coinbase und Robinhood dar, weshalb der Lizenzerfolg eher als strategischer Vorteil denn als unmittelbarer Gewinnfaktor zu werten ist. Zudem ist der Erfolg eines Stablecoin-Emittenten weiterhin stärker von Zinsentwicklungen und Erträgen aus den Reserven abhängig als von den Regeln eines einzelnen Marktes.
Zudem droht regulatorische Ungewissheit. Die Europäische Kommission hat bereits eine Überprüfung der MiCA-Regeln eingeleitet. Dabei könnten die Bestimmungen für Stablecoins, einschließlich der Reservenanforderungen, die Tether den Marktzutritt verwehrten, erneut zur Debatte stehen. Ein auf dem heutigen Regelwerk errichteter Vorsprung ist nur so dauerhaft wie das Regelwerk selbst. MiCA hat den europäischen Kryptomarkt nicht beendet, aber er wurde stark konzentriert.



























