OTTAWA, 23. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Kanada hat am Freitag die Eröffnung einer neuen Brücke zwischen Windsor in der Provinz Ontario und Detroit im US-Bundesstaat Michigan im Rahmen einer ruhigen Zeremonie ohne US-Vertreter begangen. Ein Streit über die Aufteilung der Mautannahmen sowie neue Drohungen über Fünfzig-Prozent-Zölle von US-Präsident Donald Trump haben die ohnehin angespannten Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten weiter belastet. Kanada sagte eine geplante grenzüberschreitende Zerschneidung des Bandes für die internationale Gordie-Howe-Brücke ab. Daher feierten nur kanadische Gäste diesen Meilenstein, bevor das Bauwerk am Montag für den regulären Verkehr freigegeben wird.
Anstelle eines gemeinsamen Festaktes versammelten sich kanadische Vertreter und geladene Gäste, darunter Mitglieder der Familie des legendären Eishockeyspielers Gordie Howe, zwischen Tischen mit Fruchtbechern, Gebäck und spielenden Kindern. Die Anwesenden wurden dazu aufgerufen, die Nationalfarben Rot und Weiß zu tragen, um kanadischen Stolz zu zeigen. Den Gästen wurde zudem untersagt, auf die US-amerikanische Seite der Brücke zu wechseln.
Streit um Maut und neue US-Zölle
Das eigentlich als feierlicher Moment zwischen zwei langjährigen Verbündeten geplante Ereignis wurde von schwierigen Handelsverhandlungen überschattet. Zuvor drohte Trump am Montag mit weiteren Zöllen gegen Kanada, welches etwa Siebzig Prozent seiner Exporte in die Vereinigten Staaten liefert. Das Milliarde-Dollar-Projekt wurde vollständig von Kanada finanziert und sollte nach dem Baubeginn im Jahr 2018 ursprünglich bereits im Juni eröffnet werden. Es dient als schnellere Alternative zur bestehenden Ambassador-Brücke über den Detroit River.
Trump hatte bereits im Februar gedroht, das Projekt zu blockieren. Als Gründe nannte er die Weigerung kanadischer Provinzen, US-amerikanischen Alkohol zu verkaufen, kanadische Zölle auf US-Molkereiprodukte sowie Handelsgespräche Kanadas mit China. Darüber hinaus gibt es weiterhin Uneinigkeiten darüber, wie und wann die Einnahmen der Brücke aufgeteilt werden. Nach Angaben der kanadischen Regierung werden zwischen Windsor und Detroit täglich Waren im Wert von 274 Millionen kanadischen Dollar transportiert.
Unklarheiten bei der Einnahmenverteilung
Trump erklärte auf Truth Social, es sei in Ordnung, dass Kanada die USA ausgeladen habe. Er betonte, dass die ursprüngliche Vereinbarung nicht mehr gelte und die Vereinigten Staaten nun fünfzig Prozent des Gewinns erhielten. Dem widersprach der kanadische Premierminister Mark Carney, der erklärte, dass Mautabgaben erst nach der vollständigen Rückzahlung der Investitionen geteilt würden. Ein veröffentlichter Entwurf deutet jedoch darauf hin, dass die Nettoeinnahmen in den ersten fünfzehn Jahren ohne ausdrückliche Entschädigungsklausel geteilt werden könnten.
Rechtsexperten weisen darauf hin, dass die neu vorgeschlagene Vereinbarung dem ursprünglichen Abkommen aus dem Jahr 2012 widerspricht. Dadurch können beide Seiten unterschiedliche Ansprüche geltend machen. Politikwissenschaftler betonen gleichzeitig, dass die fristgerechte Eröffnung des Bauwerks trotz der Spannungen der wichtigste Erfolg sei.
Trotz der politischen Spannungen hoben kanadische Politiker die langfristige Bedeutung des Bauwerks für den gemeinsamen Handel hervor. Ontarios Premierminister Doug Ford sagte zur aktuellen Lage:
„Kanadier und Amerikaner sind besser dran, wenn wir zusammenarbeiten, anstatt getrennte Wege zu gehen..“



























