TEL AVIV, 25. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – In Tal, einem Dorf im besetzten Westjordanland, haben israelische Streitkräfte am Samstag Dutzende Palästinenser festgenommen und verhört. Vorausgegangen war ein gewaltsamer Zwischenfall, bei dem mindestens vier Palästinenser und zwei israelische Soldaten ums Leben kamen, nachdem bewaffnete israelische Siedler in die Ortschaft vorgedrungen waren. Die palästinensischen Behörden erklärten, die Schießereien am Vortag seien von Siedlern provoziert worden, die gezielt einen Angriff auf die Dorfbewohner südwestlich von Nablus geplant hatten.
Das israelische Militär bezeichnete die beteiligten Zivilpersonen zunächst als Wanderer, räumte jedoch später ein, dass einige von ihnen bewaffnet waren. Nach Angaben der Armee eröffneten beide Seiten das Feuer, bevor reguläre Truppen in das Geschehen eingriffen. Premierminister Benjamin Netanjahu kündigte im Anschluss schärfere Maßnahmen an und erklärte, die Regierung werde das Haus der Familie eines der beteiligten Palästinenser abreißen. Zudem soll der Bau weiterer israelischer Siedlungen in der Region beschleunigt vorangetrieben werden.
Verhöre im Feldlager
Walid Zidan, der Bürgermeister von Tal, teilte telefonisch mit, dass rund 70 Personen aus dem Dorf festgenommen und in einem improvisierten Verhörzentrum in einem Wohnhaus befragt wurden. Bislang seien etwa zehn bis zwölf der festsetzten Menschen wieder freigelassen worden. Hausdurchsuchungen dauern demnach an, während Militärpatrouillen durch die Straßen fahren und jegliche Bewegung im Ort unterbinden.
Das israelische Militär gab an, im Gebiet von Tal insgesamt 80 Personen befragt und 11 von ihnen festgenommen zu haben. Weitere Festnahmen erfolgten bei Razzia-Aktionen im gesamten Westjordanland, darunter auch mutmaßliche Unterstützer der militanten Hamas. Hunderttausende israelische Siedler leben im Westjordanland, das Israel im Jahr 1967 erobert hatte. Die internationale Staatengemeinschaft betrachtet diese Siedlungen überwiegend als völkerrechtswidrig, während Israel auf historische und biblische Bezüge verweist.
Konfrontation und Videos
Der Vorfall ereignete sich im sogenannten Bereich A des Westjordanlands, in dem die palästinensische Autonomiebehörde die administrative Kontrolle ausübt. Nach israelischem Recht ist Zivilisten aus Israel das Betreten dieses Sektors untersagt, der weniger als ein Fünftel des gesamten Territoriums ausmacht. In den vergangenen Monaten kam es wiederholt zu gewaltsamen Übergriffen von Siedlern auf palästinensische Dörfer.
Im Internet verbreitete Videomaterialien zeigen eine unübersichtliche Auseinandersetzung zwischen Dorfbewohnern und israelischen Personen, von denen einige Waffen trugen. Darin ist zu sehen, wie zwei Israelis Palästinenser mit Gewehrkolben schlagen, woraufhin ein Palästinenser nach einer Waffe greift und offenbar erschossen wird. Der Bürgermeister betonte, dass die Bewohner lediglich ihre Häuser verteidigen wollten.
„Die Siedler waren nicht auf einem Wanderweg, wie sie behaupten, sondern hatten die Absicht, die Häuser anzugreifen“, sagte Walid Zidan.
Der israelische Armeechef Eyal Zamir erklärte, die nach den Schießereien eingeleitete Operation diene der Terrorbekämpfung und dem Schutz der Zivilbevölkerung. Internationale Organisationen verurteilen die anhaltende Gewalt im Westjordanland scharf, ohne dass dies bislang zu einer spürbaren Entspannung der Sicherheitslage geführt hätte.


























