London (Berlin Morgen Zeitschrift) 15. September 2026 – Die Söhne des inhaftierten ehemaligen pakistanischen Premierministers Imran Khan haben den Armeechef des Landes beschuldigt, eine persönliche Rachekampagne gegen ihren Vater zu führen. Sie äußerten schwerwiegende Bedenken, dass dessen harte Einzelhaft und der entzogene medizinische Zugang auf eine gezielte physische und psychische Folter hinauslaufen.
Einleitung und Hintergrund von Imran Khans Inhaftierung
Imran Khan, der Gründer der Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI) und ehemalige internationale Cricket-Star, wird seit seiner Festnahme im Jahr 2023 im Adiala-Gefängnis in Rawalpindi festgehalten. Der 73-jährige Politiker verbüßt derzeit eine 14-jährige Haftstrafe wegen Korruptionsvorwürfen nach seiner Entmachtung. Während seiner gesamten Inhaftierung hat die nationale und internationale Aufmerksamkeit bezüglich der Haftbedingungen stetig zugenommen, wobei der Schwerpunkt insbesondere auf den Beschränkungen liegt, die seinem Zugang zu Rechtsbeistand, Familienmitgliedern und spezialisierter medizinischer Versorgung auferlegt wurden.
Seine Söhne aus seiner ersten Ehe mit Jemima Goldsmith – Sulaiman Khan (29) und Kasim Khan (27) – sind zunehmend als öffentliche Fürsprecher für seine Freilassung aufgetreten. Von London aus haben die Brüder über ihre Unfähigkeit gesprochen, seit mehr als sechs Monaten direkt mit ihrem Vater zu kommunizieren, und dabei auf systematische Barrieren verwiesen, die von staatlichen Behörden errichtet wurden, um sie am Reisen oder Sprechen zu hindern.
Vorwürfe der Folter und Bedingungen der Einzelhaft
In Interviews mit internationalen Medienorganisationen, darunter dem Guardian, schilderten Sulaiman und Kasim Khan die strengen Auflagen, unter denen ihr Vater festgehalten wird. Nach Angaben der Familie ist der ehemalige Premierminister in einer Einzelzelle von ungefähr sechs mal acht Fuß (ca. 1,8 mal 2,4 Meter) eingesperrt und völlig von sinnvollen menschlichen Kontakten isoliert.
Die Brüder gaben an, dass ihrem Vater seit Monaten neue Lesematerialien verwehrt und Besuche oder Anrufe von Familienmitgliedern oder unabhängigen medizinischen Fachkräften untersagt wurden. Besonderes Augenmerk wurde auf ein sich verschlechterndes Augenleiden gelegt, das nach ihren Angaben monatelang vernachlässigt wurde, was zu einer erheblichen Sehbehinderung auf einem Auge führte. Darüber hinaus stellten Vertreter der Familie fest, dass ihnen übermittelte medizinische Bewertungen darauf hindeuten, dass bei Khan in Haft zudem Bluthochdruck diagnostiziert wurde.
Internationale Gremien haben parallele Bedenken hinsichtlich dieser Haftpraktiken geäußert. Die Vereinten Nationen hatten zuvor erklärt, dass Khans verlängerte Inhaftierung gegen internationales Recht verstößt, während der UN-Sonderberichterstatter für Folter gewarnt hat, dass die Bedingungen seiner Einzelhaft psychische Folter darstellen könnten.
Fokus auf Armeechef Asim Munir und Vorwürfe eines persönlichen Grolls
Die Söhne machten geltend, dass die strenge Behandlung des ehemaligen Premierministers von einem persönlichen Groll und einer direkten Rache von General Asim Munir, dem Stabschef der Streitkräfte und Armeechef Pakistans, angetrieben wird. Die Familie argumentiert, dass institutionelle Feindseligkeit und individuelle Animosität der militärischen Führung die starren Parameter von Khans Gefängnisisolation diktieren und übliche gerichtliche oder strafrechtliche Normen außer Kraft setzen.
Diese Behauptungen decken sich mit breiteren innenpolitischen Spannungen, an denen das Militär-Establishment und die PTI beteiligt sind. Die Partei fordert weiterhin die Rechtmäßigkeit von Khans Prozessen und Verurteilungen heraus und vertritt den Standpunkt, dass die Gerichtsverfahren gegen ihn politisch motivierte Versuche sind, ihn dauerhaft aus der politischen Landschaft zu verdrängen.
Rechtliche Entwicklungen und bevorstehende Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof
Gerichtliche Auseinandersetzungen bezüglich der Haftbedingungen Khans bewegen sich weiterhin durch das nationale Gerichtssystem. Der Oberste Gerichtshof Pakistans wird voraussichtlich ein Urteil zu Vorwürfen fällen, dass die Regierung die Missachtung des Gerichts (Contempt of Court) begangen hat. Die rechtliche Klage argumentiert, dass die Behörden frühere gerichtliche Anordnungen verletzt haben, indem sie Khan den Zugang zu einem Privatkrankenhaus für sein sich verschlechterndes Augenleiden verweigerten und die Kommunikation mit Familie und Anwälten seit über einem halben Jahr blockierten.
Gleichzeitig ist eine politische Mobilisierung im Gange. Die Pakistan Tehreek-e-Insaf hat angekündigt, später im Monat einen landesweiten Protestmarsch zu veranstalten, um Khans sofortige Freilassung und eine Aufhebung der strengen Isolationsmaßnahmen zu fordern, die ihm derzeit im Adiala-Gefängnis auferlegt sind.
Kontroversen um internationale Medien und diplomatische Auswirkungen
Das internationale Profil des Falls kreuzte kürzlich den Sportfernsehbereich und zog diplomatische und institutionelle Reaktionen nach sich. Während einer Testspielserie zwischen England und Pakistan strahlte Sky Sports ein Interview mit Kasim und Sulaiman Khan aus, in dem diese die Inhaftierung und Gesundheit ihres Vaters erörterten.
Der pakistanische Cricketverband (PCB) – der enge strukturelle Verbindungen zur Regierung unterhält und dessen Vorsitzender zugleich Innenminister ist – reichte nach der Ausstrahlung eine formelle Beschwerde bei Sky Sports ein. Berichten zufolge erwogen Mitglieder des pakistanischen Cricket-Teams kurzzeitig, nach der Mittagspause die Rückkehr auf das Spielfeld zu verweigern, als Reaktion auf die Medienberichterstattung.
Im Hinblick auf die Beschwerde charakterisierte Sulaiman Khan die Reaktion als bezeichnend für einen autoritären Ansatz gegenüber globalen Medien. Der Vorfall unterstrich die internationalen Sensibilitäten rund um die Inhaftierung des ehemaligen Premierministers und die Bemühungen der Regierung, die außerhalb der heimischen Jurisdiktionen ausgestrahlten Narrative zu kontrollieren.



























