London (Berlin Morgen Zeitschrift) September 21, 2026 – Der britische Premierminister Andy Burnham wird am Dienstag am Rande der UN-Vollversammlung in New York mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zusammentreffen, um eine britische Beteiligung an der industriepolitischen EU-Initiative „Made in Europe“ zu erörtern. Dabei will er vor wirtschaftlichen Kollateralschäden für die britische Industrie warnen und betonen, dass Großbritannien kein wirtschaftlicher Gegner der Europäischen Union ist.
Der britische Regierungschef will bei den Gesprächen in New York dafür werben, dass das Vereinigte Königreich als verlässlicher Partner in das EU-Programm eingebunden wird. Die von der Europäischen Kommission entworfene Initiative „Made in Europe“ zielt darauf ab, die heimische Produktion innerhalb der Europäischen Union zu stärken, europäische Unternehmen zu unterstützen und die Industrie vor unfairen Wettbewerbsbedingungen aus Drittstaaten wie China zu schützen.
Premierminister Andy Burnham erklärte im Vorfeld des Treffens gegenüber mitreisenden Journalisten, dass die wirtschaftlichen Argumente der Europäischen Union nicht gegen das Vereinigte Königreich gerichtet sein dürften. Beide Seiten würden unter denselben globalen Markteinflüssen leiden, wie sich besonders im Bereich der Stahlproduktion zeige. Großbritannien strebt an, Handelshemmnisse und Störungen in den eng verflochtenen Lieferketten zwischen London und den Mitgliedstaaten der Europäischen Union zu verhindern.
Wirtschaftliche Hintergründe des Programms
Das Vorhaben „Made in Europe“ ist Teil der breiter angelegten industriepolitischen Bemühungen der Europäischen Union, die strategische Autonomie des Staatenblocks zu erhöhen. Durch gezielte Priorisierungen bei öffentlichen Aufträgen sollen europäische Herstellungsverfahren und heimische Komponenten gefördert werden. Kritische Branchen wie die Stahlindustrie, der Automobilsektor, die Zementherstellung, die Aluminiumindustrie sowie der Bereich der sauberen Technologien stehen dabei im Zentrum der europäischen Maßnahmen.
Regierungsvertreter in London haben in den vergangenen Wochen mehrfach darauf hingewiesen, dass eine strikte Auslegung der EU-Vorgaben ohne britische Ausnahmen zu regulatorischen Hürden führen kann. Da die industriellen Lieferketten über den Ärmelkanal hinweg traditionell stark miteinander integriert sind, befürchtet die britische Wirtschaft negative Auswirkungen auf den grenzüberschreitenden Handel. Burnham betonte, dass die europäische Initiative auf ein anderes wirtschaftliches Problem ausgerichtet sei und Großbritannien keineswegs den Ursprung dieser Herausforderungen darstelle.
Diplomatische Bemühungen um Partnerschaft
Das Treffen zwischen Andy Burnham und Ursula von der Leyen markiert ein wichtiges diplomatisches Gespräch im Rahmen der internationalen Präsenz beider Regierungen. Nach dem britischen Regierungswechsel im Juli waren Gespräche über die Vertiefung der bilateralen Beziehungen vorübergehend verschoben worden. Nun strebt die britische Seite an, den politischen Dialog zu intensivieren und einen kooperativen Ansatz zu finden.
Burnham machte deutlich, dass die Bundesregierung daran interessiert ist, die Zusammenarbeit mit der Europäischen Union voranzutreiben. Das für das laufende Jahr geplante Gipfeltreffen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union soll dazu dienen, offene Fragen im Bereich der Handelskooperation strukturiert zu besprechen. Nachdem frühere Verhandlungen über eine britische Beteiligung an anderen europäischen Programmen, wie etwa dem EU-Verteidigungsfonds SAFE, keine Einigung brachten, ist die britische Regierung bestrebt, bei industriepolitischen Zukunftsfragen rechtzeitig gemeinsame Lösungen zu verhandeln.



























