MINSK, 25. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hat die ukrainische Führung davor gewarnt, sein Land in den andauernden Krieg hineinzuziehen. Angesichts zunehmender Spannungen betonte das belarussische Staatsoberhaupt, er habe Kiew unmissverständlich klargemacht, dass eine solche Ausweitung des Konflikts die Natur des Krieges sofort verändern würde.
Spannungen an der Grenze
Die Beziehungen zwischen Minsk und Kiew sind angespannt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beschuldigt Russland regelmäßig, Belarus stärker in die militärischen Aktivitäten auf russischer Seite einbinden zu wollen. Selenskyj hatte kürzlich gedroht, Signalrelaisstationen in Belarus auszuschalten, die angeblich russische Drohnen bei Angriffen auf ukrainisches Territorium unterstützen.
Nach Angaben von Lukaschenko haben Vertreter von Selenskyj kürzlich Minsk besucht. Er habe den ukrainischen Gesandten gegenüber klar Stellung bezogen.
„Ich habe ihnen unverblümt gesagt: Sagt eurem Präsidenten, wenn er glaubt, er könne so mit uns reden – und uns obendrein in einen Krieg hineinziehen –, dann muss er verstehen, dass sich die Natur des Krieges sofort ändern würde“, erklärte Lukaschenko in einer im Fernsehen übertragenen Stellungnahme.
Kein Interesse an Kampfhandlungen
Lukaschenko betonte, dass Belarus kein Interesse daran habe, gegen Ukrainer zu kämpfen. Er berichtete zudem von einer Reaktion der Gegenseite: Die ukrainische Führung habe die Warnung verstanden. Daher sei es nun notwendig, zu einer substanziellen Einigung zu gelangen. Eine offizielle Stellungnahme aus Kiew zu diesen Äußerungen lag zunächst nicht vor.
Selenskyj bekräftigte unterdessen seine Sorgen bezüglich der Aktivitäten an der Grenze. Nach einem Treffen mit dem Leiter des ausländischen Nachrichtendienstes, Oleh Luhovskyi, wies er darauf hin, dass Belarus Straßen in Grenzgebieten ausgebaut und Einrichtungen für die Lagerung von Munition und Treibstoff errichtet habe. Belarus wisse genau, welche Schritte für den Frieden erforderlich seien, so der ukrainische Präsident.
Position von Moskau und Minsk
Währenddessen wies der Kreml einen Bericht des Wall Street Journal zurück, wonach Russland Belarus als Sprungbrett für eine Intensivierung der Angriffe auf die Ukraine nutzen wolle und mit dem Entzug finanzieller Unterstützung drohe. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete den Bericht als realitätsfern und unterstrich, dass Belarus der engste Verbündete Russlands sei.
Auch der belarussische Verteidigungsminister Wiktor Chrenin kritisierte die aktuelle Entwicklung. Er warf dem Westen vor, die Spannungen an den Grenzen zu Belarus anzuheizen. Laut Chrenin würden NATO-Truppen verstärkt, die militärischen Budgets benachbarter Staaten ausgeweitet und militaristische Erklärungen abgegeben. Er sprach von einem offensichtlichen Versuch, Belarus in den bewaffneten Konflikt hineinzuziehen.
Bedeutung der belarussischen Infrastruktur
Trotz der engen Allianz hat Lukaschenko bisher keine belarussischen Truppen direkt in den Kampf geschickt. Belarus diente jedoch als Aufmarschgebiet für die russische Invasion im Jahr 2022 und beherbergt mittlerweile taktische russische Atomwaffen. Zudem finden regelmäßig gemeinsame militärische Übungen statt.
Für Russland ist die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Belarus von hoher strategischer Bedeutung. Da ukrainische Drohnen verstärkt russische Ölraffinerien angreifen, sind die Brennstoffvorräte in Russland unter Druck geraten. Moskau ist daher auf die zwei großen belarussischen Raffinerien angewiesen, um russisches Rohöl zu verarbeiten und Treibstoffe wie Benzin und Diesel zurück nach Russland zu liefern. Dieser geschlossene Versorgungskreislauf ist für die russische Kriegsführung zu einem kritischen Faktor geworden.




























