PARIS, 27. Juli (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die Ukraine strebt an, bereits in der ersten Hälfte des kommenden Jahres einen ersten funktionsfähigen Prototypen des europäischen Raketenabwehrsytems namens Freyja vorzustellen. Nach Angaben eines hochrangigen Regierungsvertreters drängt das Land darauf, dringend benötigte Kapazitäten zur Abwehr russischer Raketen aufzubauen.
Das neue System soll als kostengünstigere und flexiblere Alternative zu bestehenden Technologien dienen und die europäische Verteidigungsfähigkeit nachhaltig stärken.
Davyd Aloian, der stellvertretende Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, treibt das Projekt maßgeblich voran. Er kündigte an, dass ein internationales Lenkungskomitee in Kürze erstmals tagen wird, um die genauen Kosten für Forschung und Entwicklung zu ermitteln. An dem Vorhaben beteiligen sich neben der Ukraine zahlreiche europäische Partnerstaaten und führende Rüstungskonzerne, die sich zuvor auf einem Gipfeltreffen in Paris zusammengefunden hatten.
Zeitplan und Ziele des Projekts
Der Zeitplan für die Entwicklung ist äußerst knapp bemessen, um schnell praktische Ergebnisse im laufenden Konflikt zu erzielen. Das Projektteam arbeitet mit Hochdruck an einem ersten funktionsfähigen Modell, das die grundsätzliche Funktionsweise unter Beweis stellen soll. Die ukrainische Seite stellt für diesen ersten Testlauf sowohl einen geeigneten Startvorrichtung als auch einen passenden Abfangflugkörper bereit.
„Da wir in einem so engen Zeitrahmen arbeiten, haben wir ein ambitioniertes Ziel: Wir wollen in der ersten Hälfte des nächsten Jahres ein Minimum Viable Product bereit haben“, sagte Davyd Aloian.
Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Erprobung des Systems kürzlich als reine Testphase und äußerte die Hoffnung auf eine baldige Einsatzbereitschaft. Die beteiligten Staaten und Unternehmen sollen durch die offene Struktur des Projekts eng vernetzt werden, um bürokratische Hürden zu minimieren und eine zügige Umsetzung zu garantieren.
Abhängigkeit von US-Systemen verringern
Bisher ist die Ukraine stark auf amerikanische Patriot-Systeme angewiesen, die als einzige in der Lage sind, superschnelle ballistische Raketen zuverlässig abzufangen. Allerdings belasten politische Unwägbarkeiten, geringe Bestände und lange Produktionszeiten die Lieferketten dieser Waffen erheblich. Angesichts verstärkter Angriffe auf die Hauptstadt Kiew und den südlichen Hafen von Odesa wächst der Druck, eigene europäische Alternativen zu etablieren.
Die bisherigen europäischen Systeme wie das deutsch-griechische oder französisch-italienische Pendant haben sich gegen moderne ballistische Bedrohungen in dieser Form noch nicht hinreichend bewährt. Das Projekt Freyja setzt daher auf eine offene Systemarchitektur, bei der Bauteile verschiedener Hersteller modular kombiniert werden können. Dies soll den beteiligten Nationen maximale Flexibilität bei der Auswahl von Radaranlagen und Sensoren bieten.
Industrielle Partner und offene Architektur
Renommierte Unternehmen wie der französisch-italienische Hersteller Eurosam, Leonardo, Thales und Saab unterstützen das Vorhaben bereits mit ihrer technologischen Expertise. Als industrieller Hauptpartner fungiert der ukrainische Rüstungsbetrieb Fire Point, der zuvor die Marschflugkörper Flamingo entwickelt hat. Zudem wurde kürzlich eine Partnerschaft mit dem deutschen Technologiekonzern Hensoldt vereinbart, der Radartechnik für das Projekt liefern wird.
Die offene Architektur des Abwehrsystems erinnert an ein Baukastenprinzip, bei dem nationale Komponenten nahtlos integriert werden können. Wenn beispielsweise Dänemark eine heimische Radaranlage nutzen möchte, lässt sich diese problemlos in das Gesamtsystem einfügen. Um die Finanzierung langfristig abzusichern, prüfen die Verantwortlichen zudem die Einrichtung eines speziellen Fonds, der alle internationalen Beiträge bündelt und die Kooperation rein praxisorientiert gestaltet.


























