Die Geschäftslage in der Europäischen Union hat sich im zweiten Quartal 2026 eingetrübt, da die Unternehmensinsolvenzen stark zunahmen, während die Zahl der Neugründungen zurückging, wie aus den am 17. August von Eurostat veröffentlichten neuen Daten hervorgeht. Im Vergleich zum Vorquartal stiegen die Insolvenzen in der EU um 5,7 %, während die Unternehmensgründungen um 0,5 % zurückgingen, was auf eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Dynamik in der gesamten Union hindeutet.
Deutlicher Anstieg der Insolvenzen, schwächere Gründungsaktivität
Die neuesten Zahlen von Eurostat zeigen, dass die Zahl der Unternehmen, die in der EU Insolvenz anmeldeten, im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem ersten Quartal um 5,7 % gestiegen ist. Damit wurde ein im ersten Quartal verzeichneter Rückgang von 2,4 % umgekehrt. Im Euroraum fiel die Entwicklung bei den Insolvenzen noch schlechter aus: Die Zahl der Insolvenzen stieg im zweiten Quartal um 6,9 %, nachdem sie im ersten Quartal um 2,3 % zurückgegangen war. Auf der Gründungsseite gingen die Neuregistrierungen von Unternehmen in der EU gegenüber dem Vorquartal um 0,5 % zurück, während der Euroraum einen geringfügigen Rückgang von 0,1 % verzeichnete.
Die Daten deuten auf eine breit angelegte Abschwächung und nicht auf einen sektorspezifischen Ausreißer hin. Die Unternehmensgründungen gingen im zweiten Quartal 2026 in fünf von acht Wirtschaftssektoren zurück, während die Insolvenzen in fünf von acht Sektoren zunahmen, was darauf hindeutet, dass sowohl das Angebot neuer Marktteilnehmer als auch die Überlebensfähigkeit bestehender Unternehmen unter Druck stehen.
Sektorieller Druck: Dienstleistungen und Transport führen den Anstieg der Insolvenzen an
Die stärksten Anstiege bei den Insolvenzen konzentrierten sich auf Dienstleistungen und transportbezogene Aktivitäten. Die sektorale Aufschlüsselung von Eurostat (NACE Rev. 2) zeigt, dass die Insolvenzen im Bereich „Bildung und soziale Aktivitäten“ um 21,1 % stiegen, der größte vierteljährliche Anstieg unter allen Sektoren. „Transport“ folgte mit einem Anstieg von 11,4 %, während „Finanzdienstleistungen“ einen Anstieg der Insolvenzen um 6,8 % verzeichneten.
Demgegenüber verzeichneten einige Sektoren vierteljährliche Rückgänge bei den Insolvenzen, wenn auch moderate. „Beherbergung und Gastronomie“ gingen um 2,6 % zurück, „Baugewerbe“ sank um 1,7 %, und „Handel“ ging um 1,2 % zurück, was auf einige widerstandsfähige Bereiche hindeutet, obwohl sich der allgemeine Trend verschlechterte.
Signale aus den Ländern und Einschätzung der Analysten zum wirtschaftlichen Druck
Während sich die Veröffentlichung von Eurostat auf Aggregate für die EU und den Euroraum konzentriert, verdeutlichen nationale Daten und Marktkommentare den anhaltenden Druck in mehreren großen Volkswirtschaften. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft Europas, wurden 2025 mehr als 24.000 Unternehmensinsolvenzen registriert, ein Anstieg von 10 % gegenüber dem Vorjahr, wobei allein im zweiten Quartal 2026 fast 5.000 Anträge eingingen – die höchste Zahl für ein zweites Quartal seit 2005.
Analysten verweisen auf eine Reihe bekannter Belastungsfaktoren hinter dem Anstieg: das Ende der Unterstützungsmaßnahmen aus der Pandemiezeit, strengere Finanzierungsbedingungen nach Jahren günstiger Kredite und eine schwächere Nachfrage, die die Margen kleinerer, weniger kapitalstarker Unternehmen unter Druck setzt. Wie ein Branchenbeobachter feststellte,
„bleibt das Kreditrisiko in ganz Europa ein großes Problem“,
wobei die monatlichen Insolvenzzahlen in einigen Märkten weiterhin über dem Niveau vor der Pandemie liegen.
Längerfristiger Kontext: Steigende Fluktuation, abkühlende Netto-Neugründungen
Jährliche Indexdaten (Basis 2021 = 100) zeigen, dass der kombinierte Index für „Unternehmensgründungen und Insolvenzen“ in der EU im Jahr 2025 auf 108,6 stieg, ein Anstieg von 2,9 % gegenüber dem Vorjahr, nachdem er 2024 105,5 erreicht hatte, was einem Anstieg von 1,8 % entsprach. Dieser längerfristige Anstieg spiegelt insgesamt eine zunehmende Unternehmensfluktuation wider, doch die Entwicklung im zweiten Quartal 2026 – mehr Insolvenzen und weniger Neugründungen – signalisiert eine Abkühlung der Netto-Neugründungen und einen zunehmenden finanziellen Druck in der gesamten Union.
Was die Zahlen für Unternehmen und politische Entscheidungsträger bedeuten
Für Kreditgeber, Lieferanten und Investoren ist die Botschaft klar: Das Kreditrisiko ist erhöht und dürfte kurzfristig hoch bleiben, insbesondere in Sektoren mit starken Anstiegen der Insolvenzen wie Bildung und soziale Aktivitäten, Transport und Finanzdienstleistungen.
„Der Fokus hat sich von der Zeitgewinnung auf die Verbesserung der operativen Cashflow-Generierung und der Qualität der Forderungen verlagert“,
erklärte ein Kreditrisikoberater und unterstrich damit die Bedeutung eines disziplinierten Working-Capital-Managements, während sich die Möglichkeiten zur Refinanzierung verengen.
Für politische Entscheidungsträger erhöht der anhaltende Insolvenzdruck in den Kernwirtschaften die Wahrscheinlichkeit gezielter Maßnahmen zur Verbesserung der Liquidität von KMU und der Restrukturierungsrahmen. Da die Insolvenzen in mehreren Märkten nun über mehrere aufeinanderfolgende Quartale hinweg steigen, verlagert sich die Debatte von der Nothilfe hin zu strukturellen Instrumenten, die lebensfähigen Unternehmen dabei helfen, sich neu zu organisieren, anstatt liquidiert zu werden.


























