PARIS, 7. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Marine Le Pen hat am Dienstag in einer Fernsehsendung ihre Präsidentschaftskandidatur für die Wahl im nächsten Jahr offiziell bestätigt. Die Ankündigung folgte unmittelbar auf eine Entscheidung des Pariser Berufungsgerichts, das ihre Verurteilung wegen der Veruntreuung von Geldern des Europäischen Parlaments zwar aufrechterhielt, das verhängte Verbot zur Ausübung öffentlicher Ämter jedoch verkürzte. Diese juristische Änderung ermöglicht der 57-jährigen Politikerin des Rassemblement National den erneuten Anlauf auf das höchste Staatsamt.
Juristische Folgen der Entscheidung
Das Berufungsgericht reduzierte das gegen Le Pen verhängte Verbot zur Ausübung öffentlicher Ämter von ursprünglich fünf Jahren auf eine effektive Dauer von 15 Monaten. Da dieses Verbot bereits seit dem ersten Urteil im März 2025 angerechnet wurde, gilt die Frist als verbüßt. Zudem wurde die Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt und die Auflage für ein elektronisches Fußfessel-System von zwei Jahren auf ein Jahr verkürzt.
Le Pen erklärte gegenüber dem Sender TF1, dass sie gegen das Urteil vor den Kassationshof ziehen werde. Sie vertritt die Ansicht, dass durch die Einlegung dieser Revision keine elektronische Überwachung während des Wahlkampfes erforderlich sei. Die Richter am Berufungsgericht begründeten die Milderung der Strafe mit der Freiheit der Wähler zur Stimmabgabe, die eine Grundvoraussetzung für demokratische Wahlen darstelle.
Strategie für den Wahlkampf
Mit der Bestätigung ihrer Kandidatur beendet Le Pen eine Phase der Ungewissheit, die seit dem ursprünglichen Schuldspruch im März 2025 bestand. Lange Zeit war unklar, ob ihr Ziehsohn Jordan Bardella als Ersatzkandidat für den Rassemblement National einspringen müsste. In aktuellen Umfragen führt die Partei von Le Pen derzeit das Feld für die Wahl im kommenden April an.
Le Pen setzt nun darauf, dass die Wählerschaft den Schuldspruch bei der Stimmabgabe ignoriert oder als politisch motiviert bewertet. Sie selbst bestreitet weiterhin jegliches Fehlverhalten in der Affäre um die missbräuchliche Verwendung von Parlamentsmitteln zur Finanzierung von Parteipersonal. Trotz der rechtlichen Vorwürfe bleibt der Rassemblement National die stärkste einzelne Partei in der französischen Nationalversammlung, wenngleich das Parlament weiterhin in drei große Lager gespalten ist.
Kritik am politischen Vorgehen
Die Opposition reagierte umgehend auf die Ankündigung der Präsidentschaftskandidatur. Marine Tondelier, die Vorsitzende der Grünen, kritisierte die Entscheidung scharf und forderte Konsequenzen.
„In einer normalen Welt, in der der RN auch nur den geringsten Funken Moral besäße, würde Le Pen aufgeben, weil man nicht anständig für ein Amt kandidieren kann, nachdem man wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder verurteilt wurde“, äußerte Tondelier.
Die rechtliche Auseinandersetzung um die Verwendung der EU-Gelder begann vor Jahren. Den Ermittlungen zufolge spielten führende Figuren des Rassemblement National eine zentrale Rolle in einem System, bei dem Mittel, die eigentlich für parlamentarische Assistenten vorgesehen waren, zweckentfremdet wurden. Das Berufungsgericht bestätigte nun erneut die Schuld der Politikerin in diesem komplexen Verfahren.
Die Rolle des Kassationshofs
Für den weiteren Verlauf des Wahlkampfes bleibt die Haltung des Kassationshofs entscheidend. Sollte das höchste französische Gericht den Fall vor der Wahl im Frühjahr 2027 behandeln, könnte eine Entscheidung den Zeitplan der Partei massiv beeinträchtigen. Le Pen wies jedoch Bedenken von Rechtsexperten, die eine Störung des Wahlkampfes durch ein solches Urteil befürchten, entschieden zurück und bezeichnete diese Experten als falsch informiert.
Der Rassemblement National bereitet sich nun auf einen intensiven Wahlkampf vor. Die Partei ist bestrebt, ihre Führungsposition in den Umfragen zu festigen und das Thema der Verurteilung durch den Fokus auf ihre politischen Inhalte zu überlagern. Während die juristischen Instanzen weiterhin über die Details der Verurteilung streiten, richtet sich der Blick des Landes nun auf die inhaltlichen Debatten, die den kommenden Wahlkampf dominieren werden.



























