ANKARA, 7. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Während die Staats- und Regierungschefs der NATO in der türkischen Hauptstadt Ankara zusammenkommen, steht das Bündnis unter erheblichem Druck. Trotz der Präsentation neuer Rüstungsaufträge in zweistelliger Milliardenhöhe bleibt das Verhältnis zwischen der Allianz und den Vereinigten Staaten angespannt. US-Präsident Donald Trump äußerte sich am Rande des Gipfels erneut kritisch über das Engagement der Verbündeten.
Die aktuelle Zusammenkunft soll Einigkeit demonstrieren, nachdem der Krieg im Iran die internen Spannungen innerhalb der NATO weiter verschärft hat. Trump erklärte während eines Treffens mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, er habe sich im Vorfeld des Gipfels stark enttäuscht von der NATO gezeigt. Er ließ zudem die Möglichkeit weiterer Truppenabzüge aus Europa offen.
Kritik an mangelnder Unterstützung
Der US-Präsident kritisierte insbesondere Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Er warf diesen Staaten vor, den US-Einsatz im Iran nicht ausreichend unterstützt zu haben. Laut Trump sei die Behandlung durch die Bündnispartner nicht zufriedenstellend gewesen, wobei er betonte, dass er auf deren Hilfe ohnehin weder angewiesen sei noch diese zwingend benötige.
Trump unterstrich zudem, dass die USA in der Vergangenheit Billionen Dollar in das Bündnis investiert hätten. Er berichtete zudem von Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Thema sei der Krieg gewesen, der seit Februar 2022 andauert. Trump äußerte die Erwartung, dass beide Seiten eine Einigung anstreben.
Sanktionslockerungen für die Türkei
Im Rahmen des Treffens in Ankara kündigte Washington eine signifikante Kehrtwende in der Außenpolitik gegenüber der Türkei an. Die USA werden die Sanktionen aufheben, die im Jahr 2020 aufgrund des Kaufs russischer Luftabwehrsysteme verhängt worden waren. Zudem signalisierte Trump die Bereitschaft, dem türkischen Staat F-35 Kampfjets zum Kauf anzubieten. Diese Entscheidung werteten Beobachter als ein deutliches Signal der Annäherung an Erdoğan.
Forderung nach Industrie-Revolution
Ungeachtet der diplomatischen Spannungen drängt NATO-Generalsekretär Mark Rutte auf eine rasche Stärkung der europäischen Verteidigungsfähigkeit. Rutte forderte im Vorfeld eine regelrechte Revolution innerhalb der Verteidigungsindustrie des Bündnisses. Angesichts der massiven Militärausgaben Russlands sowie der Bedrohungen durch China, Nordkorea und den Iran sieht er keinen Spielraum für Zögern.
„Wir haben nicht den Luxus von Zeit. Wir benötigen jetzt Kapazitäten, um sicherzustellen, dass wir bereit bleiben. Die Sicherheitslage erfordert es“, sagte Rutte.
Die bei dem Industrieforum vorgestellten Rüstungsdeals haben nach Angaben eines NATO-Offiziellen einen Gesamtwert von mindestens 50 Milliarden US-Dollar. Dazu gehören unter anderem der Erwerb von Überwachungsdrohnen des US-Herstellers Northrop Grumman durch verschiedene europäische Staaten sowie Flugzeugkäufe bei dem schwedischen Unternehmen Saab. An den Finanzmärkten reagierten Investoren positiv auf diese Ankündigungen; so verzeichnete die Aktie von Saab zwischenzeitlich Kursgewinne von über fünf Prozent.
Spannungen um Grönland und Iran
Neben den Differenzen zur Verteidigungspolitik sorgte Trump mit der Wiederaufnahme seiner Forderung nach einer Kontrolle über Grönland für Unruhe. Er erklärte, dass dieses Gebiet von den Vereinigten Staaten kontrolliert werden sollte und nicht von Dänemark. Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen wies diesen Anspruch zurück und betonte, dass die Souveränität Dänemarks respektiert werden müsse.
Die diplomatischen Beziehungen werden zudem durch den Krieg im Iran belastet. Europäische Regierungsvertreter wiesen darauf hin, dass sie die vereinbarten Verpflichtungen hinsichtlich der Nutzung von Luftraum und Militärbasen weitgehend eingehalten hätten. Sie kritisierten jedoch, dass sie vor Beginn des von ihnen als wirtschaftlich schädlich empfundenen Krieges nicht konsultiert wurden. Die USA haben bereits erste Truppenabzüge aus Europa vollzogen und prüfen derzeit ihre militärische Präsenz in der Region.



























