ANKARA, 8. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die türkische Hauptstadt präsentierte sich anlässlich des NATO-Gipfels in einem festlichen Gewand. Zu Ehren von US-Präsident Donald Trump inszenierte das Land eine aufwendige Flugschau, bei der Kampfjets rote, weiße und blaue Kondensstreifen an den Himmel zeichneten.
Sogar ein neues Flughafengebäude wurde offiziell nach dem US-Präsidenten benannt. Präsident Recep Tayyip Erdoğan empfing seinen Gast persönlich am Flughafen und demonstrierte durch eine Arm-in-Arm-Pose eine tiefe persönliche Verbundenheit.
Die diplomatische Inszenierung sollte die Beziehungen zwischen Ankara und Washington auf eine neue Ebene heben. Während Trump gegenüber anderen Mitgliedern des Verteidigungsbündnisses scharfe Kritik äußerte und deren Verteidigungsausgaben bemängelte, sparte er bei seinem türkischen Amtskollegen nicht mit Lob. Für die türkische Führung war dieser Besuch ein bedeutender Erfolg, da das Land sein Gewicht innerhalb des Bündnisses steigern und langjährige Konflikte mit den USA hinter sich lassen möchte.
Ein Signal der persönlichen Nähe
Die Bedeutung dieses Treffens wurde durch die Aussage unterstrichen, dass Trump lediglich aufgrund der persönlichen Einladung Erdoğans an dem Gipfel teilnahm. Dass der US-Präsident überhaupt an der Zusammenkunft der 32 NATO-Staaten teilnahm, wurde von Diplomaten im Vorfeld als Herausforderung gesehen. Die sichtbare Harmonie zwischen den beiden Politikern, die während des zweitägigen Gipfels über Übersetzer lachten und sich immer wieder umarmten, war das zentrale Bild des Treffens.
Erdoğan betonte beim Abschluss des Gipfels den besonderen Wert dieser Bindung:
„Es war wertvoll, dass Trump die Bedeutung hervorhob, die er meiner Person und unserer Freundschaft beimisst.“
Damit konnte der türkische Präsident seine Rolle als wichtiger Akteur auf der internationalen Bühne festigen. Dieser Umstand ist für ihn auch innenpolitisch relevant, da seine Popularität zuletzt durch rechtliche Auseinandersetzungen mit der Opposition unter Druck geraten war.
Fortschritte bei Sanktionen und Rüstung
Ein zentrales Thema der Gespräche war die Aufhebung der US-Sanktionen gegen die Türkei. Diese waren während Trumps erster Amtszeit aufgrund des Kaufs russischer S-400-Verteidigungssysteme verhängt worden. Trump signalisierte nun die Bereitschaft, diese Maßnahmen fallen zu lassen. Zudem stellte er die mögliche Lieferung von F-35-Kampfjets in Aussicht, wenngleich er betonte, dass eine endgültige Entscheidung noch ausstehe.
Die Aussicht auf eine Normalisierung der Rüstungsbeziehungen stellt eine Kehrtwende dar. Ankara hat seit Jahren auf diese Schritte gedrängt, auch wenn das S-400-System weiterhin ein Streitpunkt bleibt. Trump stellte sich dabei explizit schützend vor Erdoğan, selbst als der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu öffentlich vor einem Verkauf der F-35 an Ankara warnte.
Differenzen innerhalb der Allianz
Während die bilaterale Beziehung zwischen den USA und der Türkei aufblühte, sorgte Trump bei anderen NATO-Partnern für Irritationen. Nur einen Tag nach den warmen Gesprächen mit Erdoğan forderte er überraschend das Ende der Handelsbeziehungen zu Spanien. Zudem wiederholte er seine Forderungen bezüglich Grönlands, was in Dänemark für erheblichen Unmut sorgte. Dennoch sprach er zum Abschluss des Treffens von einer großen Einigkeit innerhalb des Bündnisses, was die Sorgen über seinen unvorhersehbaren Kurs zeitweise linderte.
Fokus auf militärische Stärke
Die militärische Stärke der Türkei war während des gesamten Besuchs ein dominierendes Thema. Als Trump am 1.100 Zimmer umfassenden Präsidentenpalast in Ankara eintraf, wurde er von 100 Reitern eskortiert. Neben der zeremoniellen Garde waren erstmals auch Soldaten in historischen osmanischen Uniformen präsent. Die westlichen Partner halten sich in Fragen der Menschenrechte und demokratischer Standards in der Türkei zunehmend zurück, da das Land als unverzichtbarer Akteur an der südöstlichen Flanke der NATO sowie als bedeutende Industriemacht im Verteidigungssektor gilt.
Die Opposition in der Türkei sieht diese Entwicklung kritisch. Der ehemalige Vorsitzende der Republikanischen Volkspartei, Özgür Özel, äußerte Besorgnis über die zunehmende Abhängigkeit von der US-Administration. Im Vergleich dazu hatte Trumps Vorgänger Joe Biden stets eine deutlich distanziertere Haltung gegenüber Ankara eingenommen, insbesondere mit Blick auf die innenpolitische Lage und die Pressefreiheit. Diese Differenz zeigt, wie sehr sich die Prioritäten im westlichen Bündnis verschoben haben.



























