ISLAMABAD, 16. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die jüngsten Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus dem Jemen auf Ziele in Saudi-Arabien sorgen in Pakistan für wachsende Besorgnis. Die Regierung in Islamabad fürchtet, dass das Land in die eskalierende Auseinandersetzung zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran hineingezogen werden könnte. Diese Entwicklung kompliziert die diplomatischen Bemühungen Pakistans, das erst im vergangenen Monat erfolgreich als Vermittler zwischen Washington und Teheran agierte.
Die nuklear bewaffnete Nation hat im vergangenen Jahr ein gegenseitiges Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien unterzeichnet. Tausende pakistanische Soldaten sind derzeit in dem Königreich stationiert, unterstützt durch ein Geschwader von Kampfjets. Diese militärische Präsenz, insbesondere nahe der saudisch-jemenitischen Grenze, erhöht die direkte Exponiertheit des Landes bei einer Ausweitung der Feindseligkeiten erheblich.
Eine rote Linie für Islamabad
Offizielle Vertreter aus Pakistan bestätigten hinter vorgehaltener Hand, dass die Frustration über das Handeln Teherans ein neues Niveau erreicht habe. Die Raketenangriffe der Huthi durchbrachen einen seit vier Jahren bestehenden Waffenstillstand und lösten in der Hauptstadt unverzügliche Reaktionen aus. Ein namentlich nicht genannter pakistanischer Regierungsvertreter äußerte sich dazu deutlich:
„Unsere zivilen und militärischen Spitzenkräfte haben dem Iran auf höchster Ebene vermittelt, dass Angriffe auf Saudi-Arabien Angriffe auf Pakistan sind. Es ist unsere rote Linie.“
Sicherheitsanalysten wie Muhammad Amir Rana betonen, dass Pakistan von der plötzlichen Verschärfung der Spannungen überrascht wurde. Die Sorge ist groß, dass ein durch die Huthi angeheizter Konflikt die Schifffahrtswege im Roten Meer blockieren könnte. Da Pakistan für seine Energieversorgung in hohem Maße von diesen Routen abhängig ist, würde eine Ausweitung der Kämpfe die ohnehin fragile wirtschaftliche Stabilität des Landes gefährden. Zudem könnte eine solche Situation Saudi-Arabien dazu veranlassen, das Verteidigungsabkommen in Anspruch zu nehmen, was Islamabad zum militärischen Eingreifen zwingen würde.
Interner Druck im Iran
Ein weiterer Punkt, der in Islamabad mit Argwohn beobachtet wird, sind die wachsenden Differenzen innerhalb der iranischen Führung. Regierungsquellen berichten, dass sich die Zielsetzungen der politischen Entscheidungsträger, darunter Präsident Masoud Pezeshkian und Außenminister Abbas Araghchi, zunehmend von den Interessen der Islamischen Revolutionsgarde unterscheiden. Experten für Sicherheitspolitik, wie Muhammad Ali, stellen fest, dass das Militär die Entscheidungsfindung im Iran zunehmend dominiert. Diese Verschiebung wurde auch in Pakistan registriert und erschwert den direkten diplomatischen Austausch.
Die Auswirkungen dieser Instabilität zeigten sich bereits bei der kurzfristigen Verschiebung eines geplanten Besuchs einer iranischen Delegation in Islamabad. Der Besuch des iranischen Innenministers Eskandar Momeni verzögerte sich um zwei Tage, was auf die angespannte Atmosphäre hindeutet. Trotz der Frustration betonen pakistanische Offizielle, dass man das Ziel der Vermittlung zwischen den USA und dem Iran nicht aufgeben werde. Der wirtschaftliche Druck, insbesondere die Sicherung der Öl- und Gasimporte, bleibt ein treibender Faktor für das diplomatische Engagement.
Die Rolle des Vermittlers
Pakistan befindet sich in einer schwierigen Lage zwischen dem Wunsch nach einer aktiven Rolle als regionaler Sicherheitsgarant und der Abhängigkeit von stabilen Lieferwegen. Während das Verteidigungsabkommen mit Riad als Zeichen dafür gewertet wurde, dass Golfstaaten die Zuverlässigkeit der USA infrage stellen und Alternativen suchen, wird ein militärisches Engagement Pakistans von Experten als riskant eingestuft. Ein weiterer pakistanischer Insider fasste die diplomatische Zwickmühle zusammen:
„Es liegt im Interesse aller, den Krieg zu beenden. Aber falls Saudi-Arabien uns offiziell um Hilfe ruft, werden wir an ihrer Seite stehen, daran gibt es keinen Zweifel.“
Für das Außenministerium in Islamabad bleibt der Appell zur Zurückhaltung die offizielle Linie. Sprecher Tahir Andrabi erklärte, es gebe keine Alternative zu einem anhaltenden Dialog und diplomatischer Vermittlung. Ob dieser Ansatz angesichts der militärischen Dynamik ausreicht, bleibt jedoch abzuwarten.



























