RIYADH, 14. Juli (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die langjährige Ruhe an der Grenze zwischen dem Jemen und Saudi-Arabien ist beendet. Wie aus offiziellen Berichten hervorgeht, haben die Huthis Raketen auf Ziele im Königreich abgefeuert, nachdem sie zuvor massive Luftangriffe auf den von ihnen kontrollierten internationalen Flughafen in Sanaa beklagt hatten. Dieser Vorfall markiert den ersten direkten militärischen Schlag der vom Iran unterstützten Gruppierung gegen Saudi-Arabien seit dem Inkrafttreten einer informellen Waffenruhe im März 2022.
Die Eskalation am Montag folgt auf wachsende Spannungen, die sich zuletzt in einem gescheiterten Austausch von Gefangenen zeigten. Die international anerkannte jemenitische Regierung, die stark von Riad unterstützt wird, reklamierte die Angriffe auf den Flughafen Sanaa für sich. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums der Regierung zielten die Operationen darauf ab, die Landung eines iranischen Flugzeugs zu verhindern, da dies eine Verletzung der jemenitischen Souveränität darstelle.
Der militärische Sprecher der Huthis, Yahya Saree, bestätigte den Beschuss des internationalen Flughafens in Abha. Diese Region liegt im gebirgigen Süden Saudi-Arabiens und dient vielen Menschen traditionell als Rückzugsort vor der sommerlichen Hitze. Der Sprecher einer von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition erklärte über den Kurznachrichtendienst X, dass die Raketen durch die Luftverteidigung abgefangen wurden.
Die Angriffe beenden eine Phase der Deeskalation, die seit über vier Jahren Bestand hatte. Seit dem März 2022 galt eine weitgehend stabile Waffenruhe, die trotz regionaler Unruhen im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen Israel und Gaza sowie verschiedenen iranischen Aktivitäten im Nahen Osten gehalten hatte. Die nun verübten Schläge stellen eine direkte Herausforderung für die Sicherheit entlang der südlichen Grenze des Königreichs dar.
Die Huthis warnten zudem Fluggesellschaften davor, den saudischen Luftraum zu nutzen, solange die ihrer Ansicht nach bestehende Belagerung des Flughafens Sanaa nicht aufgehoben werde. Die jemenitische Regierung betonte ihrerseits, dass sie auf jedes feindliche Luftfahrzeug, das den Luftraum verletzt, mit allen verfügbaren Mitteln reagieren werde. Sie machte den Iran für die jüngsten Provokationen direkt verantwortlich.
Ein weiteres kritisches Element der Lage ist die Sicherheit des Öltransports. Bisher konnte Saudi-Arabien trotz der kriegerischen Auseinandersetzungen im Jemen den Export über Pipelines von der Ost- an die Westküste am Roten Meer aufrechterhalten, ohne dabei auf die Straße von Hormus angewiesen zu sein. Ein ausgeweiteter Konflikt mit den Huthis, die in der Vergangenheit bereits Schifffahrtswege im Roten Meer angriffen, könnte diese logistische Stabilität gefährden.
Der Sprecher der von Saudi-Arabien geführten Koalition unterstrich die Dringlichkeit der Situation, während die saudische Regierung bisher keine offizielle Stellungnahme zu den Details der Angriffe abgab. Die Lage im Jemen bleibt durch den jahrelangen Bürgerkrieg und die Einmischung externer Mächte hochkomplex, wobei das erneute Aufflackern der Gewalt die ohnehin prekäre humanitäre Lage weiter verschlechtern könnte.
Hachem Osseiran, Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz für den Nahen Osten, erklärte zur aktuellen Sicherheitslage:
„Alle ICRC-Mitarbeiter und die Crew des Flugzeugs sind in Sicherheit und wohlauf.“
Die Dynamik der Ereignisse deutet darauf hin, dass die fragile Stabilität in der Region, die nach der Entspannung im Iran-Konflikt im April dieses Jahres kurzzeitig greifbar schien, nun wieder einem direkten militärischen Kräftemessen gewichen ist. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen an der jemenitisch-saudischen Grenze mit Sorge, da eine erneute Eskalation weitreichende Folgen für die regionale Stabilität haben könnte.



























