PARIS, 23. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Ein schnell um sich greifender Waldbrand hat an der französischen Atlantikküste mehr als 10.000 Menschen zur Flucht aus ihren Häusern und von Campingplätzen gezwungen. Extreme Hitze und eine sich verschärfende Dürre schüren derzeit Brände in ganz Europa. Wissenschaftler warnen davor, dass der Klimawandel die Wasserknappheit auf dem Kontinent weiter verschlimmert.
Evakuierungen an der französischen Atlantikküste
In Südwestfrankreich wurden über Nacht mehr als 10.000 Menschen evakuiert, als ein rasch um sich greifender Waldbrand mindestens 2.400 Hektar Land westlich der Stadt Bordeaux verwüstete. Nach Angaben der Präfektur kämpfen 500 Feuerwehrleute gegen die Flammen an. Bislang wurde niemand verletzt.
Der Brand befindet sich in der Nähe der Bucht von Arcachon, einem beliebten Touristenziel, weshalb es sich bei vielen der Evakuierten um Urlaubsgäste auf Campingplätzen handelt. Die Halbinsel Cap Ferret beherbergt exklusive Anwesen, in denen wohlhabende Pariser und Bewohner aus Bordeaux Verweilmöglichkeiten nutzen.
Lège ist das einzige der elf Dörfer auf der Halbinsel, das derzeit von den Flammen bedroht ist. Die Behörden veranlassten dort die Evakuierung von 5.200 Menschen über Nacht. Die Zufahrten wurden vollständig gesperrt, während Notfallpläne für eine Evakuierung der gesamten Halbinsel über den Land- und Seeweg vorliegen. Der Brand erreichte später den Rand von Lège und erzwang die Räumung mehrerer Campingplätze sowie angrenzender Wohnviertel.
Anwohnerin Elizabeth Carron schilderte die Situation beim Abendessen:
„Der Himmel wurde rot. Schwarz und rot. Dann konnten wir es nach und nach riechen. Es war Asche auf dem Auto, auf dem Wohnwagen, auf dem kleinen Zelt meiner Enkelkinder. Zwei Stunden später rieten sie uns zu gehen.“
Anhaltende Brandbekämpfung in Spanien und Italien
Auch in Nachbarländern hält die extreme Lage an. In Spanien bemühen sich die Behörden weiterhin darum, seit mehreren Tagen wütende Brände unter Kontrolle zu bringen. Einsatzkräfte, Notfallpersonal und Militäreinheiten überwachen aktive Brände in Guadalajara, Toledo, Ciudad Real und Albacete. Landesweit sind in diesem Jahr bereits mehr als 100.000 Hektar verbrannt.
Der Zugverkehr auf der spanischen Schnellfahrstrecke zwischen Madrid und Barcelona musste vorübergehend eingestellt werden. Ein Waldbrand nahe den Gleisen zwischen Mejorada del Campo und Alcalá de Henares erzwang die Unterbrechung, bevor der Netzbetreiber ADIF nach der Behebung Entwarnung gab.
In Italien kam unterdessen ein 59-jähriger Feuerwehrmann ums Leben. Er erlitt während des Einsatzes bei einem großen Waldbrand nahe San Cataldo auf Sizilien einen Schwächeanfall.
Dürre und Hitze belasten den gesamten Kontinent
Drei aufeinanderfolgende Hitzewellen haben in dieser Saison die Dürre in Europa intensiviert und die Wasserversorgung stark belastet. Die Vegetation ist ausgetrocknet, wodurch Brände bereits mehr Land verbrannt haben als im Jahresdurchschnitt der letzten zwei Jahrzehnte. Europa erwärmt sich mehr als doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt.
Zahlreiche europäische Staaten leiden unter Dürrebedingungen. Frankreich befürchtet die kleinste Maisernte seit 50 Jahren, während Rumänien den Wasserzugang für die landwirtschaftliche Bewässerung einschränkt. Die Niederlande erklärten ein offizielles Wasserdefizit, und in London sowie auf sieben griechischen Inseln wurden Nutzungsverbote für Wasserschläuche erlassen. Selbst Irland verhängte ein landesweites Verbot für die Verwendung von Gartenschläuchen.
Ein Bericht der Wissenschaftlergruppe World Weather Attribution belegt, dass der Klimawandel die Entstehung von Dürren verändert. Extreme Hitze beschleunigt die Verdunstung von Bodenfeuchtigkeit maßgeblich.


























