Brüssel (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die Europäische Union bereitet die Einrichtung einer zivil-militärischen Mission vor, die den libanesischen Sicherheitskräften Ausbildung und Unterstützung anbieten soll. Ziel ist es, die staatlichen Institutionen des Landes zu stärken und ein mögliches Sicherheitsvakuum zu verhindern, wenn die UN-Friedensmission UNIFIL bis Ende 2026 abgezogen wird. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte am Dienstag, dass sich mehr als zehn Mitgliedstaaten bereit erklärt hätten, sich an der Mission zu beteiligen. Sie soll die Libanesischen Streitkräfte (LAF) und die Internen Sicherheitskräfte (ISF) insbesondere bei der Grenz- und Seesicherheit sowie im Bereich der Aufklärung unterstützen.
Was plant die EU für den Libanon?
Im Mittelpunkt der Strategie steht die Einrichtung einer dreijährigen Mission im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP). Sie soll sowohl zivile Experten als auch militärische Ausbilder umfassen, die mit libanesischen Einheiten zusammenarbeiten.
Nach Angaben von Dokumenten des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) soll sich die Mission auf die Modernisierung von Einheiten des Landgrenzschutzes, die Stärkung der Mobilen Kräfte und regionalen Gendarmerieeinheiten sowie den Ausbau der Aufklärungs-, Überwachungs- und Erkundungsfähigkeiten konzentrieren. Auch die maritime Sicherheit soll verbessert werden.
Die operative Planung ist bereits weit fortgeschritten. Im August 2026 führte eine EU-zivil-militärische Mission ihren zweiten Erkundungsbesuch im Libanon durch und sprach mit den libanesischen Behörden über mögliche Aufgabenbereiche der Mission. Der Entwurf des Operationsplans soll bis Mitte September 2026 dem Politischen und Sicherheitspolitischen Komitee der EU vorgelegt werden. Wenn alle 27 EU-Mitgliedstaaten zustimmen, könnte die Mission Anfang 2027 beginnen.
Warum greift die EU gerade jetzt ein?
Der Zeitpunkt steht unmittelbar mit der Zukunft der UNIFIL-Truppe – der Interimstruppe der Vereinten Nationen im Libanon – in Verbindung. UNIFIL wurde 1978 gegründet und nach dem Krieg von 2006 erheblich verstärkt. Die Mission soll die Einstellung der Feindseligkeiten überwachen und die Stationierung der libanesischen Streitkräfte im Süden des Landes unterstützen.
Im August 2025 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 2790, die eine letzte Verlängerung des UNIFIL-Mandats bis zum 31. Dezember 2026 ermöglicht. Danach soll der Abzug schrittweise erfolgen und bis Ende 2027 abgeschlossen sein.
Angesichts der anhaltenden Spannungen zwischen Israel und der Hisbollah gibt es Befürchtungen, dass insbesondere im Süden des Libanon ein Sicherheitsvakuum entstehen könnte, wenn keine andere internationale Präsenz zur Verfügung steht.
Der EU-Plan steht zudem im Zusammenhang mit dem Israel-Hisbollah-Krieg von 2024/25 und dem anschließenden, von den USA vermittelten Waffenstillstandsrahmen. Dieser sah unter anderem den Rückzug der Hisbollah nördlich des Litani-Flusses und eine stärkere Präsenz der libanesischen Streitkräfte im Süden vor.
In den EU-Dokumenten wird die geplante Mission ausdrücklich mit der Unterstützung der libanesischen Armee bei der Umsetzung dieses Rahmens verbunden. Dadurch soll die LAF mehr Kapazitäten für weitere Aufgaben erhalten, darunter auch Maßnahmen im Zusammenhang mit der Entwaffnung der Hisbollah.
Was haben EU-Vertreter über die Mission gesagt?
Eine der wichtigsten Befürworterinnen der Initiative ist Kallas. Sie betrachtet die Mission vor allem als Unterstützung der Souveränität des Libanon und nicht als direkten Ersatz für die UN-Friedenstruppe.
Bereits im Mai 2026 hatte Kallas erklärt, dass die Europäer bereit seien, eine Mission zur Unterstützung der LAF aufzubauen, gleichzeitig aber gefragt, ob tatsächlich die Bereitschaft bestehe, UNIFIL zu ersetzen. Anfang September wurde ihre Botschaft bei einem informellen Treffen der EU-Verteidigungsminister in Irland noch deutlicher.
„Die EU plant eine neue Mission, um die libanesischen Streitkräfte zu beraten und auszubilden“,
sagte Kallas. Sie fügte hinzu, dass
„mehr als zehn EU-Mitgliedstaaten bereit sind, Ressourcen und Personal für eine neue militärische und zivile Mission bereitzustellen.“
Kallas hat wiederholt betont, dass die Initiative
„nicht dazu gedacht ist, die UN-Friedenstruppe im Land zu ersetzen“,
sondern die libanesischen Institutionen stärken und insbesondere die Grenz- und Seesicherheit verbessern soll.
Welche Finanzierung und frühere Unterstützung gibt es bereits?
Eine offizielle Finanzierung für die geplante Mission wurde bislang noch nicht endgültig beschlossen. Die EU hat den Libanon jedoch bereits umfangreich im Sicherheitsbereich unterstützt.
Über die Europäische Friedensfazilität (EPF) hat die EU verschiedene Formen der Unterstützung für die libanesischen Streitkräfte bereitgestellt, darunter Hilfen in Höhe von 60 Millionen Euro. Die europäische Unterstützung umfasste unter anderem Grenzkontrolle, den Schutz vor chemischen, biologischen, radiologischen und nuklearen Gefahren (CBRN) sowie maritime Sicherheit.
Ein EU-Haushaltsdokument aus dem Jahr 2024 verweist außerdem auf eine Zuweisung von 25 Millionen Euro für die Zusammenarbeit im Bereich der Grenz- und Seesicherheit in der Region. Dazu gehört auch die Unterstützung von Koordinierungsplattformen zwischen verschiedenen Behörden, etwa des Border Control Committee und des Joint Maritime Operations Center.
Diese bereits bestehenden Programme könnten als Grundlage für die neue Mission dienen. Dadurch hätten die EU-Ausbilder die Möglichkeit, auf bereits laufenden Reformen aufzubauen, anstatt vollständig neue Strukturen schaffen zu müssen.
Die geplante Mission würde damit einen weiteren Schritt in der europäischen Unterstützung für die staatlichen Sicherheitsinstitutionen des Libanon darstellen. Gleichzeitig steht sie vor der schwierigen Aufgabe, die Lücke zu schließen, die durch den schrittweisen Abzug von UNIFIL entstehen könnte, ohne deren Rolle direkt zu übernehmen.



























