BERLIN, 11. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Der deutsche Rüstungshersteller Diehl Defense prüft derzeit die Möglichkeiten, die Produktion der ukrainischen Flamingo Rakete in Deutschland aufzunehmen. Das Unternehmen steht in Verbindung mit dem ukrainischen Partnerunternehmen Fire Point, um eine mögliche Kooperation auszuloten.
Die Gespräche über eine solche Zusammenarbeit sollen nach Informationen der Financial Times vom 11. Juni in den kommenden Wochen intensiviert werden. Helmut Rauch, der Geschäftsführer von Diehl Defense, äußerte sich zuversichtlich über die Fortschritte dieses Projekts.
„Ich denke, dass es ziemlich realistisch ist. Wenn wir ein neues Produkt entwickeln, dann ergibt es viel Sinn, auch dessen Produktion in Deutschland oder anderen Ländern anzusiedeln“, sagte Rauch im Hinblick auf die Skalierung des Rüstungsvorhabens.
Die potenzielle Fertigung der Flamingo Rakete erfolgt vor dem Hintergrund eines Kurswechsels in Berlin. Die ursprüngliche Planung zur Stationierung amerikanischer Tomahawk-Marschflugkörper wurde gestoppt. Berichten zufolge kam es zu Differenzen zwischen der US-Regierung und dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz bezüglich des Krieges im Iran, was den Weg für europäische Alternativen ebnete.
Die Flamingo Rakete wird innerhalb der Europäischen Union zunehmend als eine geeignete Option betrachtet, um die bestehenden Lücken bei weitreichenden Angriffskapazitäten zu schließen. Angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Lage ist der Bedarf an solchen Systemen in den NATO-Staaten stark gestiegen.
Ein weiterer Aspekt der Zusammenarbeit zwischen ukrainischen Innovatoren und deutschen Rüstungsfirmen ist die Entwicklung der Freya-Abfangrakete. Dieses System, das mit einem Infrarot-Suchkopf ausgestattet ist, wird ebenfalls in enger Abstimmung mit Diehl Defense entwickelt. Es könnte zukünftig als Ersatz für Patriot-Systeme dienen, da der Mangel an Munition bei verschiedenen Verteidigungssystemen wie IRIS-T oder NASAMS die ukrainischen Streitkräfte zunehmend belastet.
Die Flamingo Rakete hat ihre Einsatzfähigkeit bereits unter Beweis gestellt. Am 10. Juni traf ein Flugkörper des Typs FP-5 ein Werk für Verteidigungselektronik in der russischen Stadt Tscheboksary, das etwa 1.000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liegt. Die Anlage war auf Navigations- und Antennensysteme für Drohnen und Marschflugkörper spezialisiert.
Zusätzlich zu diesen Systemen bietet Fire Point die ballistischen Raketen FP-7 und FP-9 an, die deutlich kostengünstiger als vergleichbare US-amerikanische Modelle wie ATACMS sein sollen. Diese Neuentwicklungen könnten die europäische Verteidigungsbasis stärken.
Die Dringlichkeit dieser technologischen Aufrüstung wurde durch aktuelle NATO-Analysen untermauert. Am 11. Juni bestätigte das Bündnis, dass Russland bis 2029 die Kapazitäten für einen Angriff auf ein Mitgliedsland entwickeln könnte. Generalleutnant Christian Freuding, Inspekteur des deutschen Heeres, betonte auf der Luftfahrtmesse ILA in Berlin, dass die Allianz kurzfristige Lösungen statt langwieriger Projekte benötige.
Die Integration der Flamingo Rakete in die deutsche Produktionslinie könnte ein entscheidender Baustein sein, um die geforderte Einsatzbereitschaft sicherzustellen. Die deutsche Regierung steht unter Druck, die Verteidigungsbeschaffung drastisch zu beschleunigen, um auf die veränderte Sicherheitsarchitektur in Europa zu reagieren. Die Gespräche zwischen Diehl Defense und Fire Point markieren einen wichtigen Schritt in diese Richtung.



























