BERLIN, 16. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Der Automobilkonzern Volkswagen fährt die Produktion seines T-Roc Cabriolet im niedersächsischen Werk Osnabrück deutlich zurück. Wie eine Unternehmenssprecherin am Dienstag mitteilte, wird die Werkschließung über die Feiertage um eine Woche verlängert. Zusätzlich sind weitere produktionsfreie Tage geplant, um auf die aktuelle Nachfragesituation zu reagieren.
Die Entscheidung betrifft unmittelbar die rund 2.300 Beschäftigten am Standort. Da der Produktionsplan für das Kompakt-SUV lediglich bis zum kommenden Jahr reicht und bisher keine Anschlussaufträge für neue Fahrzeugmodelle vorliegen, wächst die Sorge um den Fortbestand des Standorts. Die Geschäftsführung steht derzeit unter dem Druck, europaweit Fertigungskapazitäten anzupassen und die hohen Produktionskosten in Deutschland zu senken.
Der Sprecher des allgemeinen Betriebsrats von Volkswagen äußerte sich besorgt über die Entwicklung:
„Die prekäre Situation läuft auf eine faktische Viertagewoche für Osnabrück hinaus.“
Für die Arbeitnehmervertretung ist die Maßnahme ein weiteres Zeichen für die fehlende Perspektive des Werks. Nachdem Volkswagen vor rund sechs Monaten bereits die Fahrzeugmontage in der gläsernen Manufaktur in Dresden dauerhaft eingestellt hatte, fürchten die Beschäftigten in Osnabrück nun ein ähnliches Szenario. Die Nachfrage nach Cabrios folgt saisonalen Mustern und schwächt sich traditionell in der zweiten Jahreshälfte ab. Dennoch überlagern die strukturellen Probleme des Unternehmens die marktüblichen Schwankungen.
Der Konzern reagiert auf den globalen Druck, der durch abgekühlte Märkte, eine schleppende Adaption von Elektrofahrzeugen sowie restriktivere Handelspolitiken in Nordamerika entsteht. Da das Werk in Osnabrück bisher keine Zuteilung für neue Fahrzeugmodelle erhalten hat, sucht die Unternehmensleitung nach alternativen Nutzungsmöglichkeiten für die Fabrikflächen. Volkswagen befindet sich derzeit in fortgeschrittenen Gesprächen mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie, um das Werksgelände gegebenenfalls für andere industrielle Zwecke umzuwidmen. Ziel dieser Verhandlungen ist es, den Standort als industrielle Asset-Fläche zu erhalten und drohende Entlassungen abzumildern.
Die ausbleibende Zuweisung eines Nachfolgemodells für den T-Roc Cabriolet verdeutlicht die angespannte Lage des Standorts innerhalb des Volkswagen-Konzernverbunds. Während die Produktion des Nischenmodells wie geplant bis zum nächsten Jahr fortgesetzt wird, fehlen für den Zeitraum danach jegliche konkrete Fertigungspläne. Die kommende Zeit wird zeigen, ob die Verhandlungen mit Partnern aus dem Verteidigungssektor eine tragfähige Zukunftsperspektive für die Beschäftigten in Osnabrück bieten können.



























