PARIS, 22. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Eine anhaltende Hitzewelle sorgt derzeit in weiten Teilen Europas für lebensgefährliche Temperaturen und hat in Frankreich bereits mindestens 18 Todesopfer gefordert.
Besonders tragisch ist der Tod von zwei kleinen Kindern, die in der Nähe von Carpentras im Südosten des Landes in einem überhitzten Auto gefunden wurden.
Die Rettungskräfte konnten die zwei und vier Jahre alten Kinder nicht mehr wiederbeleben, nachdem die Mutter sie bewusstlos in dem Fahrzeug entdeckt hatte.
Die extremen Wetterbedingungen führen dazu, dass in zahlreichen Städten historische Temperaturrekorde gebrochen werden. Die Weltorganisation für Meteorologie weist darauf hin, dass sich Europa derzeit deutlich schneller erwärmt als der globale Durchschnitt, was die Intensität dieser Wetterereignisse weiter verschärft. In Frankreich reagieren Behörden mit Schulschließungen oder angepassten Stundenplänen auf die Gefahr.
Rekordwerte in französischen Städten
In der Weinregion im Westen Frankreichs erreichte das Thermometer in Bordeaux bereits 41,9 Grad Celsius und übertraf damit den bisherigen Rekord aus dem August des vergangenen Jahres. Auch in Poitiers im Zentrum des Landes wurde mit 41,2 Grad ein neuer Höchstwert gemessen, der den bisherigen Rekord aus dem Jahr 1947 deutlich in den Schatten stellt. In Paris stiegen die Temperaturen nach vorläufigen Daten von Météo-France auf 38,4 Grad, was den höchsten für einen Juni gemessenen Wert darstellt.
Die Gesundheitsbehörden in der Region Bordeaux meldeten zudem den Tod von drei Senioren im Alter zwischen 80 und 95 Jahren. Diese Menschen erlagen am vergangenen Wochenende gesundheitlichen Problemen, die durch die extreme Hitze begünstigt wurden. Neben den direkten gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung steigt auch die Zahl der Badeunfälle, da viele Menschen Abkühlung in Gewässern suchen.
Ursachen für die extreme Wetterlage
Experten identifizieren ein sogenanntes Omega-Block-Wetterphänomen als Hauptursache für die aktuelle Hitzewelle. Diese Blockade führt dazu, dass sich über der Mitte Europas eine Kuppel aus heißer Luft festsetzt, während kühlere Luftmassen an den Seiten vorbeiziehen. Clair Barnes, Forscherin für Extremwetter am Imperial College in London, erläuterte die Dynamik dieses Ereignisses:
„Es saugt warme Luft aus Nordafrika und der Sahara nach oben, weshalb wir diese wirklich intensive Hitze erleben. Es bewegt sich nur sehr langsam, was bedeutet, dass es kaum Wind oder eine Brise zur Erholung gibt.“
Die Kombination aus fehlendem Wind und der anhaltenden Einstrahlung führt dazu, dass sich Städte und Regionen massiv aufheizen. Der Klimawandel verstärkt diese Wetterlagen zusätzlich, indem er die Temperaturen nach oben treibt und gleichzeitig die Niederschlagsmuster beeinflusst. Auch in anderen europäischen Ländern sind die Auswirkungen spürbar, wobei Italien für zwölf Städte rote Hitzewarnungen herausgegeben hat.
Auswirkungen in Europa und der Natur
In Spanien wurden in San Sebastián Temperaturen von bis zu 40 Grad erwartet, was mehr als dem Doppelten des historischen Durchschnitts für den 22. Juni entspricht. Auch das Vereinigte Königreich bereitet sich auf Rekordtemperaturen vor, die über den Werten von 1976 und 1957 liegen könnten. In Turin musste die Stromversorgung in einigen Bereichen aufgrund der hohen Belastung des Stromnetzes durch Klimaanlagen angepasst werden.
Nicht nur Menschen leiden unter der Hitze, auch in der Tierwelt sind die Folgen dramatisch. In Belgien berichten Tierschützer von Mauerseglern und Schwalben, die aus ihren Nestern in den Dächern springen, um dem Hitzetod zu entgehen. Die Temperaturen an den Dächern können bis zu 60 Grad erreichen, was die Tiere buchstäblich in ihren Nestern kocht. Angesichts der anhaltenden Wetterlage mahnen die Behörden zur Vorsicht und raten dazu, sich nur in beaufsichtigten Bereichen abzukühlen, um die Zahl der Ertrinkungstote zu minimieren.




























