ERFURT, 4. Juli (Berlin Morgen Zeitschrift) – Zehntausende Demonstranten versammelten sich am Samstag in der thüringischen Landeshauptstadt, um gegen einen Parteikongress der Alternative für Deutschland (AfD) zu protestieren. Die Protestierenden blockierten wichtige Verkehrsachsen und legten den öffentlichen Nahverkehr in weiten Teilen der Stadt lahm, konnten den Beginn der rechtsextremen Versammlung jedoch nicht verhindern.
Viele Delegierte der AfD erreichten das Konferenzzentrum in den frühen Morgenstunden, noch bevor die Protestgruppen ihre Blockaden vollständig errichten konnten. Die Polizei bezifferte die Zahl der Teilnehmer auf etwa 31.000, während die Organisatoren von mindestens 50.000 Menschen sprachen, die aus dem gesamten Bundesgebiet angereist waren.
Die Demonstranten setzten verschiedene Mittel ein, um den Zugang zum Kongressgelände zu erschweren. Einige Personen seilten sich von einer Autobahnbrücke ab, während andere Sitzblockaden im Stadtzentrum organisierten. An einem zentralen Platz klebten sich Aktivisten an die Straßenbahnschienen, was zu massiven Störungen im gesamten Linienbetrieb führte.
Die Stimmung blieb trotz vereinzelter Zusammenstöße, bei denen die Polizei nach eigenen Angaben Pfefferspray einsetzte, weitgehend friedlich. Viele der Anwesenden äußerten ihren Unmut über den politischen Kurs der AfD und die Wahl des Veranstaltungsortes in Thüringen.
„1933 bis 1945 darf sich nie wiederholen“, sagte die 44-jährige Demonstrantin Ella, die sich an einer Blockade beteiligt hatte.
Die AfD hält ihren zweitägigen Parteitag unter massiven Sicherheitsvorkehrungen ab, für die tausende Polizeibeamte im Einsatz sind. Kritiker werfen der Partei eine bewusste Provokation vor, da das Treffen in Erfurt zeitlich mit dem 100. Jahrestag einer historischen NS-Konferenz im nahegelegenen Weimar zusammenfällt. Die Parteiführung weist diese Vorwürfe entschieden zurück.
Parteichefin Alice Weidel betonte während ihrer Rede auf dem Kongress, dass ihre Partei die Rolle einer neuen Volkspartei anstrebe. Die AfD bereite sich auf die Übernahme politischer Verantwortung vor, da sie davon überzeugt sei, dass das Land eine bessere Regierungsführung benötige.
Die Partei sieht sich derzeit in einer Phase politischer Stärke. Bei anstehenden Landtagswahlen im Osten Deutschlands, dem traditionellen Kernland der AfD, rechnet sich die Parteiführung Chancen auf Regierungsbeteiligungen aus. Laut aktuellen Umfragen könnte die AfD bei den Wahlen in Sachsen-Anhalt im September eine absolute Mehrheit erreichen.
Bundesweit rangiert die Partei in den Umfragen seit dem vergangenen Jahr konstant auf den vorderen Plätzen. Bei der letzten Bundestagswahl landete die AfD mit 20 Prozent der Stimmen auf dem zweiten Platz, hinter der Union aus CDU und CSU unter Bundeskanzler Friedrich Merz.



























