PEKING, 7. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die niederländische Regierung strebt eine Neuausrichtung ihrer Handelsbeziehungen zu China an, um den langjährigen Konflikt um den Chiphersteller Nexperia hinter sich zu lassen. Handelsminister Sjoerd Sjoerdsma erklärte nach einem Treffen mit seinem chinesischen Amtskollegen Wang Wentao in BEIJING, dass beide Seiten an einer konstruktiven Lösung arbeiten, um die Spannungen der vergangenen Jahre zu überwinden.
Der Besuch von Sjoerdsma markiert die erste offizielle Reise eines niederländischen Handelsministers nach China seit 2018. Der Minister betonte, dass der Wunsch nach einem klaren Schnitt mit der konfliktreichen Vergangenheit auf beiden Seiten vorhanden sei. Die Gespräche in der chinesischen Hauptstadt wurden als offen und zukunftsorientiert beschrieben, während gleichzeitig die Intensivierung des Technologiewettbewerbs zwischen den USA und China sowie die Handelsspannungen zwischen der EU und Peking die Kulisse bilden.
Der Kern des Konflikts liegt in der Governance des Chipherstellers Nexperia, der seinen Hauptsitz in den Niederlanden hat, aber im Besitz der chinesischen Wingtech Technology ist. Ende 2025 intervenierten die niederländischen Behörden unter Berufung auf nationale Sicherheitsbedenken in die interne Unternehmensstruktur. Infolgedessen erklärte die chinesische Sparte des Unternehmens im Mai ihre Unabhängigkeit von Nexperia Europe und begann mit der Beschaffung von Halbleiter-Wafern bei alternativen chinesischen Zulieferern.
Obwohl der Streit zwischen den Unternehmenseinheiten weiterhin besteht, unterstrich Sjoerdsma die positive Dynamik auf diplomatischer Ebene. Die Regierungen beider Länder seien bemüht, die Auswirkungen des Konflikts auf den Handel zu begrenzen.
„Ich denke, die chinesische Regierung und die niederländische Regierung arbeiten bei Nexperia extrem gut zusammen“, sagte Sjoerdsma.
Der Minister stellte jedoch klar, dass eine dauerhafte Beilegung der Auseinandersetzung letztlich eine direkte Einigung zwischen Nexperia Europe und der chinesischen Tochtergesellschaft erfordere.
Neben der Nexperia-Problematik steht die Zusammenarbeit mit dem niederländischen Lithografie-Spezialisten ASML im Fokus der Handelsdiplomatie. Das Unternehmen sieht sich wachsendem Druck aus Washington ausgesetzt, da US-Gesetzgeber durch den sogenannten MATCH Act den Zugang Chinas zu moderner Chip-Produktionsausrüstung weiter einschränken wollen. Dies betrifft insbesondere die DUV-Lithografiesysteme von ASML.
Sjoerdsma verteidigte die bestehenden Exportkontrollen der Niederlande als äußerst streng und effektiv. Er widersprach Befürchtungen, wonach hochmoderne EUV-Lithografiemaschinen trotz geltender Exportbeschränkungen, die bereits seit 2019 bestehen, unkontrolliert nach China gelangt sein könnten. Das Ziel des Exportregimes sei es, die nationale Sicherheit zu wahren und sicherzustellen, dass keine kritischen Materialien in gefährdete Bereiche gelangen. Die niederländische Regierung sieht sich hierbei in ihrer bisherigen Umsetzung bestätigt und setzt auf Transparenz gegenüber den internationalen Partnern, während gleichzeitig der Dialog mit Peking zur Sicherung der Lieferketten fortgeführt wird.



























