ROM, 11. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die langen Warteschlangen, die sich derzeit an zahlreichen europäischen Grenzkontrollstellen bilden, gehen nach Ansicht eines führenden Flughafenchefs direkt auf das Design des neuen EU-Einreise- und Ausreisesystems (EES) zurück. Reisende aus Drittstaaten, darunter auch aus Großbritannien, müssen seit der Einführung des Systems bei ihrer ersten Ankunft im Schengen-Raum Fingerabdrücke und Fotos hinterlegen, was zu Wartezeiten von bis zu fünf Stunden führt.
Marco Troncone, Geschäftsführer von Aeroporti di Roma und Betreiber des Flughafens Rom-Fiumicino, sieht die Ursache der Probleme nicht in der Umsetzung durch die Flughäfen selbst. Er betont, dass die Bearbeitungszeit pro Passagier seit der Einführung im April drastisch gestiegen ist. Obwohl der Flughafen die Abwicklung durch Optimierungen bereits leicht beschleunigen konnte, bleibt die Kapazität hinter den Anforderungen eines hohen täglichen Passagieraufkommens zurück.
„Der Grund für die langen Schlangen liegt in der Architektur des Prozesses selbst, es ist keine Frage der Implementierung“
Erklärte Troncone gegenüber der Presse.
Das EES-System schreibt vor, dass Reisende aus Nicht-EU-Ländern bei ihrer Ankunft an Selbstbedienungskiosken biometrische Daten erfassen lassen und Fragen zu ihrem Aufenthalt beantworten müssen. Während bei späteren Reisen in den Schengen-Raum keine erneute biometrische Erfassung innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren erforderlich sein sollte, führt die mangelnde Unterscheidung der Reisegruppen an vielen Terminals zu erheblichen Stauungen.
Laut Troncone wurde das operative Design des Systems mit nur begrenzter Rücksprache der Flughafenbetreiber entwickelt. Die Flughäfen, die täglich das Passagieraufkommen koordinieren müssen, fühlen sich bei der Gestaltung der regulatorischen Anforderungen übergangen. Die aktuelle Gestaltung des Workflows führt zwangsläufig zu zusätzlichen Schritten, die bei hohem Verkehrsaufkommen sofort in langen Warteschlangen resultieren.
Branchenverbände haben sich bereits an die Europäische Kommission gewandt. Sie fordern, den Mitgliedsstaaten mehr Spielraum einzuräumen, um das EES in den Stoßzeiten des Sommers vorübergehend auszusetzen. Der Flughafenchef unterstrich, dass ein solches System von Anfang an auf die betriebliche Realität der großen europäischen Drehkreuze hätte zugeschnitten werden müssen, statt sich rein an regulatorischen Vorgaben zu orientieren. Die derzeitige Situation bleibt für die betroffenen Drehkreuze, die täglich 50.000 bis 60.000 Passagiere abfertigen, operativ kaum bewältigbar.



























