KIEW, 10. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die ukrainischen Streitkräfte intensivieren ihre militärischen Bemühungen gegen russische Versorgungswege und Energieanlagen. Wie Präsident Wolodymyr Selenskyj am Donnerstag in seiner abendlichen Ansprache bekannt gab, wurde offiziell ein neues Kommando für Langstreckenangriffe innerhalb der ukrainischen Armee gegründet.
Diese strategische Neuausrichtung soll die Kapazitäten Russlands zur Fortführung des Krieges durch gezielte Schläge tief im russischen Hinterland weiter reduzieren.
Gezielte Schläge gegen Infrastruktur
Seit Monaten setzt die Ukraine verstärkt auf den Einsatz von Angriffsdrohnen, um kritische Energieinfrastruktur auf russischem Staatsgebiet zu attackieren. Diese Maßnahmen betrachtet Kyjiw als eine Form von Fernsanktionen gegen die Haupteinnahmequelle des russischen Staatshaushalts, der den laufenden Krieg maßgeblich finanziert. In den vergangenen Wochen meldeten ukrainische Behörden fast täglich erfolgreiche Treffer, die unter anderem Ölraffinerien und Treibstoffdepots in verschiedenen Regionen Russlands in Brand setzten.
Unter anderem gerieten am Freitag die Ilski-Ölraffinerie in der Region Krasnodar sowie der Ust-Luga-Komplex in der Region Leningrad ins Visier der ukrainischen Streitkräfte. Der Generalstab in Kyjiw bestätigte zudem Angriffe auf ein Ölterminal und ein Treibstofflager in der Region Rostow. Diese Operationen führen zunehmend zu logistischen Problemen innerhalb Russlands, was bereits Auswirkungen auf die heimische Versorgungssicherheit hat.
Massive Auswirkungen auf den Treibstoffmarkt
Die Auswirkungen der ukrainischen Strategie sind auf dem russischen Energiemarkt bereits deutlich spürbar. Als direkte Konsequenz der anhaltenden Angriffe sah sich Moskau gezwungen, die Exporte von Diesel zu stoppen, um den eigenen Bedarf zu decken. Berichten zufolge ist die Produktion von Benzin im Inland auf etwa 65 Prozent der ursprünglichen Kapazität gesunken, was auf die Beschädigungen durch die Luftschläge und die daraus resultierenden vorübergehenden Betriebsstopps in mehreren Raffinerien zurückzuführen ist.
Darüber hinaus steht der sogenannte russische Schattenflotten-Verkehr unter erheblichem Druck. Robert Browdi, der Kommandeur der ukrainischen Drohnenkräfte und einer der maßgeblichen Planer der Kampagne, berichtete, dass allein in den letzten fünf Tagen fast 50 Treibstoffschiffe beschädigt wurden. Besonders im Asowschen Meer hat die Ukraine zehn Tanker getroffen, was Moskau dazu veranlasste, die Schifffahrt durch den Kanal, der den Don mit dem Asowschen Meer verbindet, zeitweise einzustellen. Experten gehen davon aus, dass dies fast ein Viertel der russischen Weizenexporte in dieser Region beeinträchtigen könnte.
Diplomatische Lage und militärischer Druck
Präsident Selenskyj betonte die Notwendigkeit dieses neuen militärischen Organs mit klaren Worten:
„Heute habe ich ein Dekret unterzeichnet, das ein spezielles Kommando innerhalb der Streitkräfte etabliert – ein Kommando, das auf eine langfristige und in der Tat globale Wirkung auf Russland als Reaktion auf diesen Krieg abzielt.“
Er fügte hinzu, dass die Einheit dazu angehalten sei, 100 Prozent der verfügbaren Ressourcen auf die Schwächung der russischen Kriegswirtschaft zu konzentrieren.
Trotz der militärischen Erfolge bei den Fernangriffen warnt die ukrainische Führung vor zu frühen Schlussfolgerungen hinsichtlich einer Wende im gesamten Kriegsverlauf. Während die Ukraine ihre Angriffe auf russische Logistik verstärkt, bleibt das eigene Staatsgebiet durch russische ballistische Raketen weiterhin gefährdet. Selenskyj bezeichnete diese Raketenangriffe als den letzten militärischen Vorteil, den Moskau derzeit im Konflikt habe, da es der Ukraine weiterhin an ausreichender Luftverteidigung mangele.
Die Versuche Kyjiws, Russland zu Verhandlungen zu bewegen, stießen bisher auf strikte Ablehnung durch Präsident Wladimir Putin. Dennoch behauptet die ukrainische Führung, dass es innerhalb des engen Kreises um den Kreml durchaus Stimmen gebe, die die Unausweichlichkeit einer friedlichen Lösung erkennen. Für den Moment bleibt die neue Einheit jedoch ein zentrales Instrument, um die Kosten der russischen Invasion durch den gezielten Angriff auf wirtschaftlich kritische Infrastruktur in die Höhe zu treiben.


























