BERLIN, 21. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev hat am Dienstag in Berlin bestätigt, dass Flugdaten auf ein geheimes Treffen ehemaliger und aktueller deutscher sowie russischer Offizieller in Baku hinweisen. Diese Enthüllungen markieren die erste offizielle Bestätigung der Zusammenkünfte durch die aserbaidschanische Regierung, nachdem Medienberichte zuvor über die Vorgänge informiert hatten. Die Gespräche zwischen den Politikern und hochrangigen Vertretern aus Russland sorgen international für erhebliche politische Aufmerksamkeit.
Laut gemeinsamen Recherchen von Medien wie Die Zeit und dem ARD-Sender finden derartige Geheimtreffen in Baku bereits seit dem Jahr 2024 statt. An den Zusammenkünften sollen unter anderem frühere deutsche Spitzenpolitiker wie Ronald Pofalla und Matthias Platzeck beteiligt gewesen sein. Diese trafen sich demnach mit engen Verbündeten des russischen Präsidenten Wladimir Putin, darunter Gazprom-Aufsichtsratschef Viktor Zubkov sowie Personen, die auf EU-Sanktionslisten stehen.
Einschätzung der Sicherheitsbehörden
Deutsche Sicherheitsbehörden stufen diese Treffen nach Angaben der beteiligten Medienhäuser als russische Einflussoperation ein. Das Ziel dieser Aktivitäten bestehe darin, die politische Haltung in Deutschland gezielt zu beeinflussen. Die russische Seite versuche demnach zu vermitteln, dass der Ukraine-Krieg ausschließlich zu Bedingungen Moskaus beendet werden könne, während gleichzeitig Wege zur Normalisierung der bilateralen Beziehungen nach dem Konflikt ausgelotet würden.
Nach einem offiziellen Treffen in Berlin mit Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte Aliyev, dass die Regierung in Baku nach entsprechenden Medienberichten eigene Untersuchungen eingeleitet habe. Von offizieller deutscher oder russischer Seite habe man im Vorfeld keinerlei Informationen über diese Aktivitäten erhalten, weshalb das Staatsgebiet schlicht ohne Wissen des Landes genutzt worden sei.
Hintergrund der diplomatischen Kanäle
Aserbaidschan bemüht sich seit dem Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine im Februar 2022 um eine ausgewogene Position im Verhältnis zu Moskau und Kiew. Das Land leistet humanitäre Hilfe für die Ukraine, schließt sich jedoch den westlichen Sanktionen gegen Russland nicht an. Gleichzeitig steht das Verhältnis zu Moskau durch verschiedene Zwischenfälle, darunter der versehentliche Abschuss eines aserbaidschanischen Passagierflugzeugs durch russische Luftabwehr im Dezember 2024, spürbar unter Druck.
Die aktuellen Enthüllungen werfen Fragen zu inoffiziellen Gesprächskanälen auf. Obwohl die beteiligten deutschen Ex-Politiker keine offiziellen Regierungsämter mehr bekleiden, verfügen sie weiterhin über enge Verbindungen in die Parteienlandschaft. Dies könnte Moskau einen diskreten Rückkanal bieten, um Einfluss auf die deutsche Politik zu nehmen.
Reaktionen und Flugdaten
Aliyev untermauerte die Erkenntnisse mit konkreten Flugdaten, wonach Ronald Pofalla und Matthias Platzeck am zwölften Juli aus Berlin anreisten und zwei Tage später die Rückreise antraten. Im selben Zeitraum hielten sich auch Viktor Zubkov und Waleriy Fadeyev in der aserbaidschanischen Hauptstadt auf.
„Wenn diese Treffen zu einem Ende des Krieges zwischen der Ukraine und Russland führen, dann begrüßen wir dies selbstverständlich.“
Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte nach den Gesprächen in Berlin am Dienstag, dass er von den Zusammenkünften bislang keine Kenntnis besessen habe. Das Auswärtige Amt in Berlin reagierte zunächst nicht auf Anfragen zu den Vorfällen, während auch russische Stellen wie Gazprom keine Stellungnahmen abgaben.



























