Brüssel (Berlin Morgen Zeitschrift) 15. September 2026 – Vertreter europäischer Arbeitnehmer haben gewarnt, dass das kommende europäische Kreislaufwirtschaftsgesetz zu scheitern droht, wenn Beschäftigungsstandards, Arbeitsschutz und sozialer Dialog in seinem Rahmen unberücksichtigt bleiben. Bisherige Diskussionen unter politischen Entscheidungsträgern konzentrierten sich vor allem auf industrielle Wettbewerbsfähigkeit, Materialzugang und Märkte für Sekundärrohstoffe, während die Arbeitskräfte, die für Abfallwirtschaft, Recycling und Reparatur verantwortlich sind, weitgehend übergangen wurden. Gewerkschaftsvertreter betonen, dass ein nachhaltiges Wirtschaftsmodell nicht auf prekärer Beschäftigung, unterfinanzierten öffentlichen Diensten oder unsicheren Arbeitsbedingungen aufbauen kann.
Die entscheidende Rolle der Arbeit in Kreislaufwertschöpfungsketten
Der Übergang zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft hängt direkt von den Arbeitskräften in verschiedenen Industriezweigen, öffentlichen Diensten, Versorgungswirtschaften und Abfallbewirtschaftungsketten ab. Diese Beschäftigten entwerfen und fertigen Produkte, warten und reparieren Ausrüstungen, sammeln und sortieren Abfälle, gewinnen Materialien zurück und erbringen wesentliche öffentliche Dienste, die zur Erreichung der europäischen Umweltziele erforderlich sind.
Trotz dieser operativen Realitäten blieben die Beschäftigungsbedingungen in den formellen politischen Debatten über die Gesetzgebung weitgehend unbemerkt. Arbeitnehmervertreter argumentieren, dass die primäre Fokussierung auf Marktkonkurrenz und Materialströme die menschliche Infrastruktur vernachlässigt, die zur Aufrechterhaltung dieser Systeme notwendig ist. Ohne ausdrückliche Schutzmaßnahmen könnte die Ausweitung von Kreislaufwertschöpfungsketten zur Ausbreitung von Niedriglöhnen, unsicheren Verträgen, Scheinselbstständigkeit und schlechten Arbeitsbedingungen führen.
Gefahren für die Arbeitssicherheit bei Abfall- und Recyclingarbeiten
Sicherheitsaspekte müssen von Anfang an in das Design von Produkten und industriellen Prozessen einfließen. Beschäftigte in der Abfallsammlung, der Sortierung, dem Recycling, der Reparatur und der Materialrückgewinnung sind routinemäßig Gefahren durch Schadstoffe, biologische Arbeitsstoffe, Brände, gefährliche Maschinen und schwere körperliche Belastungen ausgesetzt.
Um diese berufsbedingten Risiken zu minimieren, müssen regulatorische Rahmenbedingungen sicherstellen, dass Produkte nicht nur langlebig, reparaturfähig und recyclingfähig gebaut sind, sondern auch sicher gewartet, demontiert und behandelt werden können. Darüber hinaus benötigen Arbeitnehmer und ihre Vertreter uneingeschränkten Zugang zu umfassenden Informationen über gefährliche Substanzen und Materialien in den von ihnen gehandhabten Gütern. Eine Vereinfachung von Vorschriften darf nicht zu einer Deregulierung führen, die den Arbeitsschutzkompromiss gefährdet.
Öffentliche Ressourcen und Vollzugskapazitäten
Nationale, regionale und lokale Verwaltungen benötigen eine angemessene personelle Ausstattung, technisches Know-how und ausreichende Finanzmittel, um die Bestimmungen des Kreislaufwirtschaftsgesetzes effektiv umzusetzen. Öffentliche Stellen sind für die Organisation hochwertiger öffentlicher Dienste, Arbeitsplatzinspektionen, die Durchsetzung von Sicherheitsstandards und den Aufbau der erforderlichen Infrastruktur für Reparatur, Wiederverwendung und Recycling verantwortlich.
Arbeitnehmervertreter betonen, dass neue gesetzliche Aufgaben mit entsprechenden finanziellen Ressourcen einhergehen müssen. Sparmaßnahmen, anhaltender Personalmangel und Budgetkürzungen im öffentlichen Sektor würden die praktische Umsetzung des Gesetzes untergraben. Hochwertige öffentliche Dienste und eine robuste administrative Aufsicht gelten als Grundvoraussetzung, um Sozialdumping zu verhindern und eine konsistente Durchsetzung in allen Mitgliedstaaten zu gewährleisten.
Ausbildung, Kompetenzentwicklung und Mechanismen für einen gerechten Übergang
Der Wandel hin zu einer grünen Wirtschaft bietet die Chance, neue, qualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen, aber dieser Übergang muss von verlässlichen Garantien für die bestehende Belegschaft begleitet werden. Alle Arbeitnehmer müssen ein effektives Recht auf hochwertige Weiterbildung während der Arbeitszeit ohne Einkommensverlust haben.
Ausbildungsinitiativen müssen mit Beschäftigungssicherung, Einkommensgarantien und gezielten Unterstützungsmaßnahmen für Arbeitnehmer, Sektoren und Regionen verknüpft werden, die von industriellen Strukturveränderungen betroffen sind. Vorausschauende Planung und Personalplanung gelten als Kernelemente eines gerechten Übergangs, die sicherstellen, dass die wirtschaftliche Anpassung nicht einseitig zu Lasten benachteiligter Regionen oder bestimmter demografischer Gruppen geht.
Verhinderung des Exports von Abfällen und berufsbedingten Risiken
Ein umfassender europäischer Regulierungsansatz muss auch die globalen Dimensionen der Kreislaufwirtschaft adressieren. Dazu gehört die Verhinderung des Exports von Abfällen sowie damit verbundener berufsbedingter und ökologischer Risiken in Drittländer, die keine gleichwertigen Arbeits- und Umweltschutzstandards aufweisen.
Gewerkschaftliche Zusammenschlüsse betonen, dass Europa Sekundärrohstoffe nicht erfolgreich sichern kann, ohne die heimischen Arbeitskräfte, starken öffentlichen Dienste und industriellen Kapazitäten zu unterstützen, die die Materialrückgewinnung lebensfähig machen. An staatliche Unterstützungsmaßnahmen müssen verbindliche soziale, ökologische und steuerliche Auflagen geknüpft werden, damit die Kreislaufwirtschaft über ihren gesamten Anwendungsbereich hinweg ökologisch nachhaltig, wirtschaftlich krisenfest und sozial gerecht bleibt.



























