LA GUAIRA, Venezuela, 25. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Fast 24 Stunden nach den verheerenden Zwillingsbeben in Venezuela suchen Bewohner der Küstenstadt La Guaira weiterhin mit bloßen Händen in den Trümmern nach Vermissten. Die Lage vor Ort ist dramatisch, da schwere Rettungsgeräte wie Bagger fehlen, um die massiven Betonplatten der eingestürzten Hochhäuser zu bewegen.
Verzweifelte Suche in den Trümmern
In den betroffenen Gebieten von La Guaira und Moron, das in der Nähe des Epizentrums liegt, versuchen Nachbarn und Angehörige unter schwierigsten Bedingungen, Leben zu retten. Die Frustration über die mangelnde Ausrüstung wächst stündlich, während Familien an den zerstörten Gebäuden ausharren.
Einige Bewohner fordern lautstark Unterstützung durch staatliche Stellen. Argenis Martinez, ein Anwohner aus dem Viertel Los Corales, appellierte an die Behörden:
„Ist es nicht möglich, das Militär einzuschalten? Jeder soll kommen und mit anpacken, schickt gepanzerte Fahrzeuge und bringt Traktoren, wo immer ihr sie finden könnt.“
Die Regierung unter der amtierenden Präsidentin Delcy Rodriguez hat bisher fast 200 Todesopfer und 1.520 Verletzte offiziell bestätigt. Modelle des U.S. Geological Survey deuten jedoch darauf hin, dass die Zahl der Toten auf über 10.000 ansteigen könnte. Landesweit wurden nach Regierungsangaben 250 Gebäude beschädigt oder vollständig zerstört.
In einigen Trümmerfeldern brachen trotz der Unterbrechung der Gasversorgung über Nacht Feuer aus. Viele Betroffene, die ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben, verbringen die Nächte im Freien. Währenddessen leisten neben Rettungskräften und Anwohnern auch Mitglieder regierungstreuer Gruppen Unterstützung bei den Bergungsarbeiten.
Überlastung der medizinischen Versorgung
Die Situation in den Krankenhäusern ist kritisch. Das Jose Maria Vargas Hospital in La Guaira ist hoffnungslos überfüllt, sodass Patienten teilweise im Außenbereich medizinisch versorgt werden müssen. Polizisten riegeln den Zugang zum Klinikgelände ab, um die Arbeit des überlasteten Personals zu ermöglichen.
Auch in anderen Städten wie Moron kämpfen Ärzte mit massiven Engpässen bei der Grundversorgung. Dr. Augusto Ramirez berichtet aus dem dortigen Krankenhaus von einem Mangel an elementaren Hilfsmitteln wie Blutdruckmessgeräten, Verbandsmaterial, Handschuhen und Schmerzmitteln. Seit Beginn der Katastrophe behandelte sein Team dort bereits über 100 Patienten.
In den zerstörten Vierteln von La Guaira kommt es aufgrund der Notlage zunehmend zu Plünderungen in Geschäften, da es an Nahrungsmitteln und Wasser mangelt. Die venezolanische Regierung hat inzwischen angekündigt, dass internationale Hilfe aus Ländern wie Spanien, den USA, Mexiko und Katar auf dem Weg ist.
Die Streitkräfte haben mit der Errichtung von Feldlazaretten begonnen, um Kapazitäten für notwendige Notoperationen zu schaffen. Ein Militärkonvoi wurde nahe dem örtlichen Stadion gesichtet, um die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Dennoch bleibt die Situation für tausende Menschen, die nun vor dem Nichts stehen, extrem prekär.




























