ANKARA, 5. Juli (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die Einigkeit der NATO steht bei dem am 7. Juli 2026 beginnenden Gipfeltreffen in Ankara vor einer zentralen Herausforderung. Während die Staats- und Regierungschefs der 32 Mitgliedsstaaten zusammenkommen, wächst die Sorge über die Haltung der US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Im Zentrum der Spannungen stehen veränderte Erwartungen Washingtons und die künftige militärische Präsenz der USA in Europa.
Wandel der Forderungen an die Partner
Lange Zeit dominierten Debatten über Verteidigungsausgaben das Verhältnis zwischen den USA und ihren Verbündeten. NATO-Generalsekretär Mark Rutte präsentierte jüngst in Washington die Initiative „The Trump Trillion“, um auf die massiven Investitionen von über einer Billion Euro seit 2017 hinzuweisen. Doch Trump signalisierte, dass finanzielle Beiträge allein nicht ausreichen.
„Wir brauchen ihr Geld nicht … Ich will einfach nur Loyalität“, erklärte der US-Präsident im Hinblick auf den Konflikt mit dem Iran.
Er kritisierte offen, dass einige NATO-Partner die USA und Israel im aktuellen Krieg nicht ausreichend unterstützten. Diese Haltung belastet das Klima vor dem Treffen in der türkischen Hauptstadt erheblich.
Strategie der wirtschaftlichen Anreize
Um öffentliche Konfrontationen zu vermeiden, setzen Generalsekretär Rutte und führende europäische Politiker auf eine Strategie der wirtschaftlichen Flankierung. Geplant ist die Vorstellung einer „Verteidigungs-Industrie-Revolution“. Durch umfangreiche Rüstungsaufträge und Beschaffungspakete soll der US-amerikanischen Industrie ein attraktiver Markt geboten werden. Damit soll Trump von der Bedeutung des Bündnisses für die amerikanische Wirtschaft überzeugt werden.
Die Wahl des Austragungsortes Ankara spielt dabei eine strategische Rolle. Trump hält große Stücke auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, was laut Beobachtern dazu beitragen könnte, die Verhandlungen auf einem konstruktiven Pfad zu halten. Dennoch bleibt die Unberechenbarkeit der US-Führung ein ständiger Unsicherheitsfaktor für die europäischen Partner.
US-Truppenpräsenz im Wandel
Ein weiteres Streitthema ist die zukünftige militärische Rolle der Vereinigten Staaten. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte eine Überprüfung der Truppenstationierungen und der militärischen Positionierung in Europa an. Dieser Prozess stieß bei den Ministern auf Irritationen. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius betonte, dass vor allem gefährliche Lücken in der Verteidigungsfähigkeit vermieden werden müssen.
Für die europäischen Regierungen ist die zentrale Herausforderung ein koordinierter Übergang. Die Sorge ist groß, dass ein zu rascher Rückzug der USA ohne entsprechende europäische Kompensation die Sicherheitsarchitektur schwächen könnte. Die aktuelle Sicherheitslage, geprägt durch die Bedrohung durch Russland und die Instabilität im Nahen Osten, macht ein einheitliches Auftreten dringender denn je.
Ukraine-Hilfe als zentrales Thema
Ein wesentlicher Bestandteil des Gipfelprogramms ist die Sicherung der Unterstützung für die Ukraine. Es wird erwartet, dass die europäischen Mitglieder und Kanada ein Hilfspaket im Umfang von 70 Milliarden Euro für das laufende und das kommende Jahr zusagen. Trotz des gemeinsamen Willens gibt es intern weiterhin Diskussionen über die gerechte Lastenverteilung bei diesen Finanzhilfen.
Die politische Geschlossenheit bleibt jedoch das entscheidende Kriterium für die Glaubwürdigkeit der NATO. Sollte es in Ankara zu offenen Streitigkeiten kommen, könnte dies laut Sicherheitsexperten die Abschreckungswirkung des Bündnisses untergraben. Die Einigungserklärung des Gipfels soll daher explizit den Artikel 5 des Nordatlantikvertrages bekräftigen, der den gegenseitigen Beistand garantiert. Zudem streben die Verbündeten an, Russland weiterhin offiziell als langfristige Bedrohung für die euro-atlantische Sicherheit zu benennen.
Spannungen im Gastgeberland
Die Atmosphäre in Ankara ist zudem durch innenpolitische Kontroversen belastet. Die türkische Regierung hat im Vorfeld des Gipfels mehr als 200 Aktivisten, Journalisten und Akademiker festgenommen. Zudem wurden Versammlungsverbote erlassen, was bereits zu direkten Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten führte. Diese Entwicklungen bilden den schwierigen Rahmen für die diplomatischen Bemühungen der Allianz, die ihre Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen muss.



























