BERLIN, 8. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Ein Berliner Gericht hat am Mittwoch einen 41-jährigen Palliativmediziner wegen Mordes an mindestens 15 seiner Patienten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Mediziner, der unter dem Namen Johannes M. geführt wird, injizierte den Opfern laut den Ermittlungsergebnissen eine tödliche Kombination aus Narkosemitteln und Muskelrelaxantien.
Die Taten ereigneten sich im Zeitraum zwischen September 2021 und Juli 2024. Trotz der rechtskräftigen Verurteilung in diesen Fällen bleibt der Arzt weiterhin im Fokus der Ermittlungsbehörden, da der Verdacht auf eine Verwicklung in 76 weitere Todesfälle besteht. Insgesamt steht Johannes M. im Verdacht, für den Tod von bis zu 91 Menschen verantwortlich zu sein.
Die rechtliche Aufarbeitung der Vorfälle zeichnete ein erschütterndes Bild der medizinischen Praxis des Angeklagten. Obwohl die Patienten zum Zeitpunkt der Taten gesundheitlich angeschlagen waren, befanden sie sich nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft zu keinem Zeitpunkt in einem Zustand, der einen unmittelbar bevorstehenden Tod rechtfertigen würde. Während der einjährigen Verhandlung vor dem Berliner Gericht wurde deutlich, dass der Mediziner seine Opfer bei Hausbesuchen ohne deren Wissen oder Zustimmung mit den tödlichen Medikamentenmischungen behandelte. Der Angeklagte zeigte während des Prozesses ein ambivalentes Verhalten und blieb über weite Strecken schweigend, bevor er schließlich ein Teilgeständnis ablegte.
Die Urteilsbegründung hob insbesondere die Schwere der Schuld hervor. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Arzt den Mord an zwölf Frauen und drei Männern im Alter zwischen 25 und 94 Jahren begangen hat. Aufgrund der festgestellten besonderen Schwere der Schuld ist eine vorzeitige Haftentlassung nach der üblichen Frist nahezu ausgeschlossen. Zudem wurde dem Mediziner die Approbation entzogen, sodass er künftig keinerlei ärztliche Tätigkeit mehr ausüben darf. In mindestens vier Fällen legte der Täter laut den Ermittlungsunterlagen nach den Tötungen Brände in den Wohnungen der Opfer, um die Spuren seiner Handlungen zu verwischen. Die polizeilichen Ermittlungen in dem Fall nahmen ihren Anfang durch die Untersuchung genau dieser Brandstiftungen.
In seinem Schlusswort vor dem Gericht versuchte der Angeklagte, sein Handeln als eine vermeintliche Form der Erlösung darzustellen. Er behauptete, er habe sich während der Taten eingeredet, dass er das Richtige tue, um den Patienten weiteres Leid zu ersparen. Der Arzt äußerte sich zu seinem Motiv wie folgt:
„Die ganze Zeit über dachte ich, das wäre das Beste für alle.“
Diese Einlassung stand jedoch im krassen Widerspruch zu den Aussagen der Hinterbliebenen, die im Prozess als Zeugen auftraten. Angehörige berichteten von konkreten Zukunftsplänen der Opfer, die verdeutlichten, dass die Patienten keineswegs den Wunsch hegten, ihr Leben vorzeitig zu beenden.
Die Hinterbliebenen der Opfer erlebten den Prozess als emotionale Belastungsprobe. Die Mutter einer 25-jährigen Frau, die als jüngstes Opfer des Arztes gilt, schilderte vor Gericht, dass ihre Tochter niemals den Wunsch geäußert habe, zu sterben. Ähnlich äußerten sich die Kinder anderer Opfer, die ihre Angehörigen als lebensfrohe Menschen beschrieben, die bis zuletzt Pläne für die Zukunft geschmiedet hatten. Die Berliner Staatsanwaltschaft setzt ihre Ermittlungen unterdessen fort, wobei ein speziell gebildetes Team aus Polizisten und Juristen insgesamt 395 Fälle gesichtet hat.
Der Fall reiht sich in eine Serie schwerwiegender medizinischer Verbrechen in Deutschland ein. Vor etwa sieben Jahren sorgte der Fall des Krankenpflegers Niels Högel für bundesweites Aufsehen. Er wurde für den Mord an mindestens 85 Patienten zu zwei lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Die Ermittler vermuteten damals, dass die Dunkelziffer bei Högel bei über 200 Opfern liegen könnte, was eine lückenlose Aufklärung jedoch unmöglich machte, da viele der Verstorbenen bereits eingeäschert worden waren. Die juristische Aufarbeitung der Taten von Johannes M. wird die Justiz in den kommenden Monaten weiter intensiv beschäftigen.



























