BERLIN, 13. Juli (Berlin Morgen Zeitschrift) – Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Montag in einer Rede an der Universität Köln einen formellen Dialog mit der chinesischen Führung über deren Geldpolitik gefordert. Er betonte, dass die Europäische Union ungeachtet ihrer Innovationskraft gegenüber einem Handelspartner, der seine Währung künstlich manipuliert, keine fairen Wettbewerbschancen habe.
Ziel der Berliner Regierung ist es, den internationalen sowie den bilateralen Austausch so zu lenken, dass Peking dazu bewegt wird, den Yuan (RMB) in den globalen Kapitalmärkten frei schwimmen zu lassen. Merz sieht in der aktuellen Währungspolitik eine Verzerrung, die europäischen Industriebetrieben massiven Schaden zufügt.
Laut dem Bundeskanzler ist der chinesische Yuan gegenüber dem Euro um bis zu 30 Prozent unterbewertet. Diese Unterbewertung verschaffe chinesischen Exporteuren einen unfairen Preisvorteil, der dazu führt, dass europäische Märkte mit günstigen Waren überschwemmt werden. Die wirtschaftlichen Folgen spiegeln sich in einem wachsenden Handelsbilanzdefizit der EU wider, das im vergangenen Jahr rund 360 Milliarden Euro erreichte. Auf Deutschland allein entfiel dabei ein Defizit von etwa 90 Milliarden Euro.
Zur Bewältigung der Handelsspannungen schlägt Merz eine diplomatische Lösung vor, die sich an historischen Modellen orientiert. Er verwies auf das Plaza-Abkommen von 1985 sowie das frühere Europäische Währungssystem als Blaupausen, um globale Wechselkurskorrekturen und Handelsbänder kooperativ zu verwalten.
„Wir versuchen jetzt, den Dialog mit China in Richtung einer Lösung zu lenken, um Peking davon zu überzeugen, die eigene Währung frei schwimmen zu lassen, auch im Kontext des Wettbewerbs an den Kapitalmärkten“, sagte Merz vor Studenten in Köln.
Trotz der harten Linie des Bundeskanzlers gibt es innerhalb der Regierungskoalition unterschiedliche Auffassungen zum weiteren Vorgehen. Zudem steht der Druck aus der deutschen Industrie im Hintergrund, da Großkonzerne wie Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW hohe Investitionen und Produktionskapazitäten in China unterhalten. Diese Unternehmen fürchten, dass eine Verschärfung der Währungsdebatte zu Vergeltungsmaßnahmen Pekings führen könnte, die in einem ausgewachsenen Handelskonflikt münden könnten. Die Bundesregierung muss daher einen schwierigen Balanceakt zwischen dem Schutz europäischer Wirtschaftsinteressen und der Vermeidung einer Eskalation im bilateralen Handel mit China bewältigen.


























