Berlin (Berlin Morgen Zeitschrift) – Deutschlands rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD) steht im ostdeutschen Bundesland Sachsen-Anhalt kurz vor einem historischen Durchbruch, wo sie in den Meinungsumfragen mit großem Abstand vor der Landtagswahl am 6. September 2026 führt. Sollte die Partei genügend Sitze gewinnen, um allein eine Regierung zu bilden, wäre dies das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass eine rechtsextreme Partei allein die Kontrolle über eine deutsche Landesregierung übernimmt. Damit würde sie Jahrzehnte des politischen Konsenses erschüttern und die demokratische Brandmauer des Landes auf die Probe stellen.
Was steht in Sachsen-Anhalt auf dem Spiel?
Die Wahl in Sachsen-Anhalt, einem Bundesland mit rund 2 Millionen Einwohnern, ist die erste von drei wichtigen Landtagswahlen, die für September angesetzt sind, gefolgt von Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am 20. September. Das Ergebnis hat nicht nur erhebliche Auswirkungen auf die regionale Regierungsführung, sondern auch auf die Bundespolitik, da die AfD diesen Wettbewerb als Sprungbrett für die Macht auf Bundesebene bei der Bundestagswahl 2029 darstellt.
Umfragen von Ende August 2026 zeigen die AfD mit einem deutlichen Vorsprung von rund 40–41 Prozent. Damit liegt sie 15 bis 18 Prozentpunkte vor der Christlich Demokratischen Union (CDU) von Bundeskanzler Friedrich Merz, die bei etwa 23 Prozent liegt. Die Linke folgt mit rund 13 Prozent, während die Sozialdemokratische Partei (SPD) und die Grünen mit etwa 9 Prozent beziehungsweise 6 Prozent deutlich zurückliegen. Diese Zahlen bringen die AfD in Reichweite einer parlamentarischen Alleinmehrheit im deutschen Verhältniswahlsystem, bei dem Parteien mindestens 5 Prozent der Stimmen erreichen müssen, um in den Landtag einzuziehen.
Warum gilt diese Wahl als historisch?
Diese Wahl wird genau beobachtet, weil sie das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg markieren könnte, dass eine rechtsextreme Partei allein die Kontrolle über eine deutsche Landesregierung übernimmt. Seit Jahrzehnten halten die etablierten Parteien des gesamten politischen Spektrums an einem Konsens der „Brandmauer“ fest und lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD auf Landes- oder Bundesebene ab, da sie Bedenken hinsichtlich der extremistischen Elemente und der Rhetorik der Partei haben.
Der Landesverband der AfD in Sachsen-Anhalt wurde vom deutschen Inlandsgeheimdienst als Organisation mit „erwiesen rechtsextremistischer Bestrebungen“ eingestuft. Diese Einstufung hat die Aufmerksamkeit verstärkt und Debatten darüber ausgelöst, ob sensible Informationen des Landes mit der Partei geteilt werden sollten, falls sie die Regierung übernimmt. Bundeskanzler Friedrich Merz warnte, ein AfD-Sieg würde dem ostdeutschen Bundesland
„ernsthaften Schaden“
zufügen und ausländische Investoren abschrecken. Er argumentierte, dass internationale Unternehmen davor zurückschrecken würden, mit einer von der AfD geführten Regierung zusammenzuarbeiten.
Welche zentralen politischen Positionen vertritt die AfD?
Der Wahlkampf der AfD in Sachsen-Anhalt konzentriert sich auf eine Plattform aus strengen Einwanderungskontrollen, nationalistischen Bildungsreformen und einer Neuausrichtung der Außenpolitik, insbesondere gegenüber Russland. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, der ein zugänglicheres öffentliches Image aufgebaut hat, betonte das Engagement der Partei, allein zu regieren, wenn die Wähler ihr eine Mehrheit geben.
Bei Einwanderung und Asyl hat die AfD versprochen, strengere Regeln einzuführen, Abschiebungen zu verstärken und die deutschen Grenzen zu schließen, einschließlich eines Austritts aus dem Schengen-Abkommen. Die Partei hat außerdem separate Schulklassen für Kinder von Flüchtlingen sowie Kürzungen der finanziellen Unterstützung für ukrainische Kriegsflüchtlinge vorgeschlagen. Sie will deren besonderen Status als „Kriegsflüchtlinge“ abschaffen und verfolgt damit eine umfassendere Agenda der „Remigration“.
In Bildung und Kultur befürwortet die AfD eine auf „Patriotismus“ ausgerichtete Neugestaltung, darunter Vorschläge, weniger über Hitler zu unterrichten und Kunst, die als „antideutsch“ eingestuft wird, die staatliche Finanzierung zu entziehen. Diese Positionen haben scharfe Kritik von Historikern und Kulturschaffenden hervorgerufen, die warnen, dass solche Maßnahmen die historische Erinnerung verzerren und Deutschlands nachkriegszeitliches Engagement für die Auseinandersetzung mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit untergraben würden.
Auch die Außenpolitik nimmt im Programm der AfD einen wichtigen Platz ein. Die Partei hat sich für die Wiederaufnahme des Schüleraustauschs mit russischen Schulen und eine Ausweitung des Russischunterrichts ausgesprochen und argumentiert, dass die derzeitige Politik zu sehr „antirussisch“ sei. Auf Bundesebene erklärte AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel, die Partei würde sich für einen Austritt Deutschlands aus der Eurozone einsetzen und bezeichnete die Währung als „instabil“ und „schwach“.
Wie reagieren die etablierten Parteien?
Die etablierten Parteien haben ihre Weigerung bekräftigt, eine Koalition mit der AfD einzugehen, obwohl Umfragen darauf hindeuten, dass die Partei genügend Sitze gewinnen könnte, um allein zu regieren. Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich besonders deutlich und erklärte,
„ein AfD-Sieg würde dem ostdeutschen Bundesland ernsthaften Schaden zufügen“,
und warnte, dass dies ausländische Investitionen abschrecken würde. Seine Äußerungen spiegeln die breiteren Bedenken von Wirtschaftsführern und internationalen Partnern hinsichtlich der wirtschaftlichen und reputationsbezogenen Risiken einer von der AfD geführten Regierung wider.
Trotz dieser Warnungen zeigte sich AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund selbstbewusst.
„Wir werden in Sachsen-Anhalt die Regierung bilden“,
erklärte Alice Weidel, die Bundesvorsitzende der AfD, und signalisierte damit die Absicht der Partei, ohne Koalitionspartner zu regieren. Siegmund, der als das „sonnige Gesicht“ der AfD beschrieben wurde, führte einen Wahlkampf mit einer Botschaft des Wandels und sprach damit Wähler an, die vom Status quo in Ostdeutschland frustriert sind.
Welche Präzedenzfälle gibt es für den Erfolg der AfD?
Obwohl die AfD noch nie allein eine deutsche Landesregierung geführt hat, konnte sie in den vergangenen Jahren erhebliche Wahlerfolge erzielen. Bei der Bundestagswahl 2017 zog die Partei als größte Oppositionspartei in den Bundestag ein und erzielte damit ihren ersten großen Durchbruch auf nationaler Ebene. Auf regionaler Ebene erreichte die AfD in ostdeutschen Bundesländern wie Sachsen und Thüringen regelmäßig Werte zwischen den hohen 20er- und niedrigen 30er-Prozentzahlen und landete in einigen Wahlkreisen häufig auf dem zweiten oder sogar ersten Platz.
Im Jahr 2023 schloss sich die AfD einer lokalen Koalitionsregierung in der thüringischen Kleinstadt Sonneberg an und regierte damit erstmals auf kommunaler Ebene mit. Dies wurde als Riss in der nationalen „Brandmauer“ angesehen, erstreckte sich jedoch nicht auf die Landesebene. Die bevorstehende Wahl in Sachsen-Anhalt stellt daher einen möglichen Wendepunkt dar, da sie das erste Mal sein könnte, dass die AfD von der Opposition oder einem Juniorpartner zu einer alleinigen Regierungspartei auf Landesebene aufsteigt.


























