Los Angeles, 9. Februar 2026 – Berlin Morgen Zeitschrift – Die Klage gegen Instagram wegen Sucht hat heute in Kalifornien mit den Eröffnungsplädoyers ein neues, wegweisendes Kapitel eröffnet. Vor dem Superior Court in Los Angeles wird erstmals verhandelt, ob Meta systematisch Mechanismen wie das ‚Infinite Scrolling‘ eingesetzt hat, um gezielt Abhängigkeit bei Minderjährigen zu fördern. Der Prozess, in dem auch die persönliche Aussage von Mark Zuckerberg erwartet wird, gilt als Präzedenzfall für die psychischen Auswirkungen digitaler Plattformen auf eine ganze Generation.
Ein Gerichtsverfahren mit Signalwirkung
Das Verfahren richtet sich gegen Instagram, eine der weltweit einflussreichsten Social Media Anwendungen. Kläger werfen dem Unternehmen vor, interne Erkenntnisse über schädliche Nutzungsmuster ignoriert und stattdessen Funktionen weiterentwickelt zu haben, die Nutzer möglichst lange auf der Plattform halten.
Juristen sprechen von einem potenziellen Präzedenzfall. Sollte das Gericht den Argumenten folgen, könnten ähnliche Verfahren gegen andere Plattformen folgen. Die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und regulatorischen Folgen wären erheblich.
Vorwürfe rund um psychologische Abhängigkeit
Im Zentrum der Klage gegen Instagram wegen Sucht stehen Vorwürfe, dass algorithmische Belohnungssysteme gezielt auf menschliche Schwächen abzielen. Endloses Scrollen, variable Belohnungen durch Likes und personalisierte Inhalte sollen vergleichbare Reaktionen auslösen wie klassische Suchtmechanismen.
Sachverständige erklären vor Gericht, dass insbesondere junge Nutzer anfällig für diese Reize seien. Das Gehirn reagiere auf digitale Bestätigung mit Dopaminausschüttung, wodurch sich wiederholtes Nutzungsverhalten verstärke.
Kinder und Jugendliche im Fokus der Debatte
Ein wesentlicher Teil der Klageschrift befasst sich mit Minderjährigen. Schulbehörden und Elternverbände berichten von steigenden Fällen von Angststörungen, Schlafproblemen und Konzentrationsdefiziten. Diese Entwicklungen werden zeitlich mit intensiver Social Media Nutzung in Verbindung gebracht.
Die Kläger argumentieren, dass Plattformbetreiber eine besondere Verantwortung gegenüber jungen Nutzern tragen. Diese Verantwortung sei im Streben nach Reichweite und Werbeeinnahmen systematisch vernachlässigt worden.
Interne Dokumente und bekannte Risiken
Während des Verfahrens werden interne Unterlagen thematisiert, die zeigen sollen, dass negative Effekte der Plattformnutzung intern bekannt waren. Kritiker sehen darin den Kern der Klage gegen Instagram wegen Sucht: nicht die Existenz problematischer Nutzung, sondern das bewusste Inkaufnehmen bekannter Risiken.
„Wir wussten, dass bestimmte Funktionen Nutzungsverhalten verstärken, aber Wachstum hatte Priorität.“ – Ein ehemaliger Mitarbeiter wird mit den Worten zitiert
Wirtschaftliche Interessen unter juristischer Prüfung
Instagram ist Teil eines milliardenschweren Geschäftsmodells, das auf Aufmerksamkeit basiert. Je länger Nutzer aktiv sind, desto wertvoller werden Werbeflächen. Kritiker argumentieren, dass dieser ökonomische Anreiz strukturell im Widerspruch zum Wohl der Nutzer stehe.
Das Gericht muss nun prüfen, ob wirtschaftliche Interessen als Rechtfertigung für potenziell schädliche Produktgestaltung dienen dürfen oder ob hier rechtliche Grenzen überschritten wurden.

Vergleich mit früheren Industrieklagen
Beobachter ziehen Parallelen zu historischen Verfahren gegen die Tabakindustrie oder Pharmaunternehmen. Auch dort stand die Frage im Raum, ob bekannte Risiken verschleiert oder verharmlost wurden. Die Klage gegen Instagram wegen Sucht wird daher nicht nur als Tech Prozess, sondern als gesellschaftliches Grundsatzverfahren betrachtet.
Sollte das Gericht ähnlich urteilen wie in früheren Verbraucherschutzfällen, könnte dies neue Standards für digitale Produkte setzen.
Internationale Aufmerksamkeit und politische Reaktionen
Der Prozess wird weltweit verfolgt. Regierungen in Europa und Asien beobachten die Entwicklungen genau, da ähnliche Debatten auch dort geführt werden. Gesetzgeber prüfen, ob bestehende Jugendschutz und Verbraucherschutzgesetze ausreichen oder angepasst werden müssen.
In den USA selbst mehren sich Stimmen, die eine stärkere Regulierung sozialer Netzwerke fordern, insbesondere im Hinblick auf Transparenz von Algorithmen.
Rolle der Algorithmen im Mittelpunkt
Technische Gutachten spielen eine zentrale Rolle. Sie analysieren, wie Empfehlungslogiken funktionieren und welche Inhalte bevorzugt ausgespielt werden. Die Klage gegen Instagram wegen Sucht stellt damit erstmals nicht Inhalte, sondern algorithmische Strukturen selbst vor Gericht.
Experten erklären, dass Nutzerverhalten aktiv gelenkt werde, ohne dass Nutzer sich dessen vollständig bewusst seien. Diese Intransparenz gilt als einer der zentralen Kritikpunkte.
Mögliche Konsequenzen für die Branche
Ein Schuldspruch könnte weitreichende Folgen haben: verpflichtende Warnhinweise, Altersbeschränkungen, Einschränkungen bestimmter Funktionen oder sogar strukturelle Änderungen an Empfehlungsalgorithmen.
Auch andere Plattformen würden unter erhöhten Anpassungsdruck geraten, um ähnliche Klagen zu vermeiden. Die Branche steht damit an einem möglichen Wendepunkt.
Gesellschaftlicher Diskurs über digitale Verantwortung
Unabhängig vom Urteil hat die Klage gegen Instagram wegen Sucht bereits eine breite gesellschaftliche Diskussion ausgelöst. Pädagogen, Mediziner und Eltern fordern mehr Aufklärung und Schutzmechanismen für junge Nutzer.
Gleichzeitig wird die Verantwortung der Nutzer selbst diskutiert. Kritiker warnen davor, allein Unternehmen verantwortlich zu machen, während Befürworter betonen, dass Machtasymmetrien zwischen Konzernen und Nutzern berücksichtigt werden müssen.
Ein Verfahren mit langfristiger Tragweite
Der Ausgang des Prozesses ist offen, doch seine Bedeutung steht außer Frage. Er markiert einen Moment, in dem digitale Produkte nicht mehr nur als neutrale Werkzeuge betrachtet werden, sondern als gestaltete Systeme mit realen gesellschaftlichen Auswirkungen.
Die Klage gegen Instagram wegen Sucht könnte damit zum Maßstab für zukünftige rechtliche Bewertungen digitaler Plattformen werden und den Umgang mit Technologie dauerhaft verändern.
Wenn Gerichte über digitale Lebenswelten entscheiden
Noch nie zuvor wurde so grundlegend verhandelt, wie sehr Technologie menschliches Verhalten formen darf. Dieses Verfahren zwingt Gesellschaft, Politik und Wirtschaft dazu, neu zu definieren, wo Innovation endet und Verantwortung beginnt.




























