MOSKAU, 2. Juni (Berlin Morgen Zeitschrift) – Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, den der Kreml zuvor als Vermittler zwischen Russland und Europa vorgeschlagen hatte, ist in Moskau eingetroffen.
Hintergrund der Kontroverse
Seit Jahren gilt Gerhard Schröder als eine der am stärksten polarisierenden Figuren der deutschen Politik. Seine engen Verbindungen zu russischen Staatsunternehmen, darunter Gazprom und Rosneft, prägten sein Wirken nach dem Ende seiner Kanzlerschaft. Bereits kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Amt im Jahr 2005 forcierte er den Ausbau der Nord Stream Pipelines, die eine direkte Gasversorgung von Russland nach Deutschland ermöglichten.
Kritiker werfen ihm vor, Deutschland in eine tiefe energetische Abhängigkeit geführt zu haben. Auch nach dem Beginn des großangelegten Einmarsches in die Ukraine im Jahr 2022 hielt er für eine gewisse Zeit an seinen beruflichen Strukturen in Russland fest. Erst unter massivem Druck und nach der Androhung von EU-Sanktionen zog er sich aus den Aufsichtsräten zurück.
SPIEF und die diplomatische Isolation
Die aktuelle Reise findet kurz vor dem St. Petersburg International Economic Forum (SPIEF) statt. Moskau nutzt diese Veranstaltung regelmäßig, um trotz westlicher Sanktionen wirtschaftliche Kontakte in den globalen Süden und zu ausgewählten westlichen Akteuren zu demonstrieren. Erwartet werden dort neben Gerhard Schröder auch Vertreter der AfD sowie einige Unternehmer aus verschiedenen Ländern.
Innerhalb der Europäischen Union wird derweil debattiert, ob und in welcher Form ein offizieller Gesandter für die Beziehungen zu Russland sinnvoll wäre. Bisher konnte sich die Staatengemeinschaft auf keine gemeinsame Linie festlegen. Außenminister warnten in informellen Runden davor, sich auf die von Putin bevorzugten Namen einzulassen, da dies die geschlossene Haltung des Blocks untergraben könnte.
„Wir Europäer entscheiden selbst, wer für uns spricht, niemand sonst“, kommentierte die deutsche Führung die russischen Avancen hinsichtlich der Vermittlerrolle.
Die politische Bedeutung von Gerhard Schröder für Russland bleibt aufgrund seiner langjährigen Kontakte ein Streitpunkt. Während er von Moskau als Gesprächspartner geschätzt wird, gilt er in Berlin und Brüssel mittlerweile als politisch isoliert. Seine Präsenz in Moskau wird von Beobachtern als ein diplomatisches Signal gewertet, das jedoch ohne jede Rückendeckung der offiziellen europäischen Politik stattfindet. Ob Gerhard Schröder während seines Besuchs tatsächlich offizielle Gespräche führen wird, bleibt abzuwarten.




























