ANKARA, 3. Juli (Berlin Morgen Zeitschrift) – Die Spitzenpolitiker der NATO kommen in der kommenden Woche in der türkischen Hauptstadt Ankara zusammen. Im Fokus des Treffens steht das Ziel der europäischen Verbündeten, die zuletzt deutlich belasteten Beziehungen zu US-Präsident Donald Trump zu stabilisieren. Insbesondere die Differenzen bezüglich des Krieges im Iran sowie die diplomatischen Verstimmungen um Grönland belasten das Bündnis.
Fokus auf Verteidigungsbereitschaft
NATO-Generalsekretär Mark Rutte betonte im Vorfeld der Zusammenkunft, dass das Treffen ein klares Signal senden soll. Die europäischen Mitglieder beabsichtigen zu beweisen, dass sie ihre Versprechen zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben einhalten. Ziel ist es, Russland durch eine stärkere eigene Präsenz abzuschrecken, während Washington seine militärischen Verpflichtungen innerhalb des Bündnisses reduziert.
Im Rahmen des Gipfels sind Rüstungsdeals in zweistelliger Milliardenhöhe geplant. Gleichzeitig erwarten Experten ein starkes Bekenntnis der Staats- und Regierungschefs zur weiteren Finanzierung von Waffenlieferungen für den ukrainischen Widerstand gegen die russische Invasion. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird an einem Abendessen teilnehmen, das der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan ausrichtet. Zudem sind bilaterale Gespräche zwischen Erdoğan und Trump vorgesehen.
Herausforderungen durch US-Politik
Europäische Diplomaten äußerten die Hoffnung, dass die persönlichen Verbindungen von Trump zu Erdoğan und Rutte einen reibungslosen Gipfelverlauf ermöglichen. Dennoch bleibt eine gewisse Skepsis bestehen, da die transatlantischen Spannungen aufgrund des Iran-Konflikts und der wiederholten öffentlichen Kritik von Trump an der NATO tief sitzen.
In sozialen Medien hatte Trump zuletzt beklagt, dass die Vereinigten Staaten Gelder für den Schutz von Bündnismitgliedern ausgeben, ohne selbst einen direkten Nutzen daraus zu ziehen. Rutte und andere führende Köpfe der Allianz halten dem entgegen, dass die NATO einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherheit der USA leiste. Die Europäer unterstreichen zudem, dass sie Trumps Forderungen nach einer stärkeren Eigenverantwortung bei der Verteidigung bereits aktiv umsetzen.
Europäische Verantwortung wächst
„Der Gipfel nächste Woche wird sich darauf konzentrieren, zusätzliche Ausgaben in kampfbereite Fähigkeiten umzuwandeln und unsere Verteidigungsindustrien deutlich zu skalieren“, sagte Rutte kürzlich in Berlin.
Er betonte, dass die NATO zwar eine transatlantische Allianz bleibe, aber eine Neuausrichtung für eine bessere Balance erforderlich sei.
Nach Angaben des Generalsekretärs haben die europäischen Mitglieder und Kanada ihre Verteidigungsausgaben im vergangenen Jahr um 90 Milliarden Dollar gesteigert. Insgesamt wurden damit mehr als 570 Milliarden Dollar investiert. Bereits im Vorjahr hatten sich die Staatschefs darauf verständigt, bis 2035 insgesamt 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungsgüter wie Truppen und Waffen aufzuwenden. Zusätzlich sollen 1,5 Prozent in Bereiche wie Cybersicherheit fließen.
Sorge um den Iran-Konflikt
Die Sorge vor einer Eskalation im Iran-Krieg bleibt ein zentraler Unsicherheitsfaktor für das Treffen in der Türkei. Sollte es während des Gipfels zu einem Aufflammen der Kämpfe kommen, befürchten Beobachter eine erneute Belastung des Klimas. Dennoch betonten Vertreter der Allianz, dass die meisten Mitglieder den USA den Zugang zu Luftraum und Militärbasen gewährt hätten, obwohl die militärischen Operationen in der europäischen Bevölkerung kaum Unterstützung finden.


























